{"id":716,"date":"2015-12-13T23:00:00","date_gmt":"2015-12-13T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/12\/13\/ungarisches-feuer-beim-letzten-anrechtskonzert-2015\/"},"modified":"2015-12-13T23:00:00","modified_gmt":"2015-12-13T22:00:00","slug":"ungarisches-feuer-beim-letzten-anrechtskonzert-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/12\/13\/ungarisches-feuer-beim-letzten-anrechtskonzert-2015\/","title":{"rendered":"Ungarisches Feuer beim letzten Anrechtskonzert 2015"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Koblenz.<\/strong><\/em> Ungarische Manier mit viel Feuer pr\u00e4gte das letzte Anrechtskonzert im alten Jahr beim Musik-Institut Koblenz. Auf dem Programm standen Werke dreier im 19. Jahrhundert in Ungarn geborener Komponisten. Zwei davon, Zolt\u00e1n Kod\u00e1ly und vor allem B\u00e9la Bart\u00f3k, schlugen Br\u00fccken bis in die Moderne des mittleren 20. Jahrhunderts. Mit \u201ePrometheus\u201d wurde zu Beginn des Abends in der Rhein-Mosel-Halle auf die Hochromantik und ihr &#8222;Wunderkind&#8220;&nbsp; Franz Liszt zur\u00fcckgegriffen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/>\nDessen Werk von 1850 liegt der Rheinische Philharmonie unter Daniel Raiskin. Die darin wechselnden Gef\u00fchlsextreme sind zugleich treffliches Aufw\u00e4rmen f\u00fcr die anschlie\u00dfende Flut aus schnell geschnittenen Motiven und Affekten in Bart\u00f3ks 2. Violinkonzert. \u201ePrometheus\u201d erz\u00e4hlt nicht den Antikenmythos nach. Liszt ging es um die Stimmungen von K\u00fchnheit \u00fcber Schmerz bis Triumph. Wieder zeitigen Geschlossenheit des Staatsorchesters im dramatischen Aufbau und pointierte Akuratesse bei den Effekten ein sch\u00f6nes Ergebnis. Sturmtoben mit zischendem Geblitze versus zartes Schwelgen; eine wunderbar Fuge, in der Leid und Trotz miteinander ringen; ein selbstbewusst auftrumpfendes Finale.<\/p>\n<p>Es folgt mit Bart\u00f3ks Violinkonzert das anspruchvollste St\u00fcck des Abends. Zwar ist es klassisch gebaut, spielen auch viele melodi\u00f6se Momente miteinander. Doch die Tonalit\u00e4t des Konzerts von 1938 ist eben modern, besser: klassisch-modern. Der Komponist selbst sieht im Zentrum \u201eeine Art Zw\u00f6lftonthema\u201d, anhand dessen im ersten Satz scharfe Konflikte ausgetragen werden, die der Schlusssatz dann weniger unerbittlich wieder aufgreift.<\/p>\n<p>Gespannte Aufmerksamkeit im Saal, man l\u00e4sst sich von Modernit\u00e4t nicht mehr schrecken. Hilfreich ist das faszinierende Spiel des Sologeigers Barnab\u00e1s Kelemen. Wenn schon ungarisch, dann richtig: Der sympathische Mittdrei\u00dfiger ist ebenfalls Ungar. Er spielt einen kernigen, angerauhten, \u201em\u00e4nnlichen\u201d Ton, der sich aber auch zu zartester Poesie aufschwingen kann. Die mit schnellem Doppelgriff- und Oktavspiel hohen Anforderungen erf\u00fcllt er mit beseelter Virtuosit\u00e4t, wof\u00fcr es langen Beifall gibt.<\/p>\n<p>Ein sehr politisches Moment steht mit Bart\u00f3ks Tanzsuite (Sz77) an. Heutiges Publikum muss sich das erlesen, es kann die Musikprovokation nicht per se erkennen. Die Suite war 1923 ein Auftragswerk zum 50. Jahrestag der Stadtvereinigung von Buda und Pest. Der \u201eultra-christliche-nazionale Stadtmagistrat\u201d (Bart\u00f2k) wollte ein vaterl\u00e4ndisches Fest feiern. Und Bart\u00f3k lieferte was? Internationalistische Musik.<\/p>\n<p>Mit Schwung und pr\u00e4chtigen Koloriten serviert die Rheinische diese Multikulti-Verwebung aus balkanischen, westlichen, arabischen und asiatischen Elementen. Angesichts der derzeitigen Entwicklung in Ungarn kann dieser Konzertteil im Verbund mit einer Aussage des Komponisten aus den 1930ern auch als aktuelles Statement verstanden werden: \u201eIch merke, dass die Politik Ungarns immer krummere Wege geht. (\u2026) Ich habe keine Lust, Menschen zu treffen, alle stehen in Verdacht, Nazi-Sympathien zu hegen.\u201d<\/p>\n<p>Zum schmissig-humorigen Konzertausklang ein Schelmenst\u00fcck: die H\u00e1ry-J\u00e1nos-Suite von Kod\u00e1ly \u00fcber ein ungarisches Abenteuerepos, in dem ein T\u00f6pfer den Napoleon zur Strecke bringt. Da d\u00fcrfen schmetterndes Blech, trillernde Fl\u00f6ten und rumorendes Schlagwerk erst in die Schlacht marschieren, nachher durch Wien paradieren. Da mischen Zimbal und Oboe mal Puszta-Melancholie, mal Ninotschka-Fr\u00f6hlichkeit ins Geschehen. Da schwankt, stapft, h\u00fcpft das Orchester musikantisch zwischen M\u00e4rschen, Cs\u00e1rd\u00e1s und Walzer umeinand&#8216; \u2013 und entl\u00e4sst ein schmunzelndes Publikum in die vorweihnachtliche Nacht.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Koblenz. Ungarische Manier mit viel Feuer pr\u00e4gte das letzte Anrechtskonzert im alten Jahr beim Musik-Institut Koblenz. Auf dem Programm standen Werke dreier im 19. Jahrhundert in Ungarn geborener Komponisten. Zwei davon, Zolt\u00e1n Kod\u00e1ly und vor allem B\u00e9la Bart\u00f3k, schlugen Br\u00fccken bis in die Moderne des mittleren 20. Jahrhunderts. 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