{"id":711,"date":"2015-10-01T22:00:00","date_gmt":"2015-10-01T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/10\/01\/wie-ich-in-wiesbaden-einer-teufelin-von-der-schippe-sprang\/"},"modified":"2015-10-01T22:00:00","modified_gmt":"2015-10-01T21:00:00","slug":"wie-ich-in-wiesbaden-einer-teufelin-von-der-schippe-sprang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/10\/01\/wie-ich-in-wiesbaden-einer-teufelin-von-der-schippe-sprang\/","title":{"rendered":"Wie ich in Wiesbaden einer Teufelin von der Schippe sprang"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape.<\/strong><\/em> Sp\u00e4t in der Nacht versonnen und begl\u00fcckt vom Auftakt zu einem langen Kulturwochenende zur\u00fcck. Das wird mich an den Folgetagen noch ins Theater Koblenz zum Ballett &#8222;28 Jahreszeiten&#8220; und ins Staatstheater Mainz zu Kafkas &#8222;Prozess&#8220; f\u00fchren. Den Anfang machte soeben das Hessische Staatsballett, das in Wiesbaden seine neue Produktion &#8222;Weltenwanderer&#8220; zur Premiere brachte. Beinahe h\u00e4tte ich dieses Ereignis, wom\u00f6glich das ganze Wochenende, im schlimmsten Fall den Rest des Lebens verpasst. Zur Erhellung der Gefahrenlage sei folgende kleine Begebenheit berichtet:<\/p>\n<p>Um vom Theaterparkhaus zum Staatstheater Wiesbaden zu gelangen, ist just dort eine Stra\u00dfe zu \u00fcberqueren, wo eine Seitenstra\u00dfe in selbige einm\u00fcndet. Keine gl\u00fcckliche Konstellation, man muss als Fu\u00dfg\u00e4nger etwas aufpassen. Was ich mit Sorgfalt tat. Indes, auf halbem Wege hin\u00fcber, schoss unversehens eine BMW-Sportcoupe um die Ecke. Ansatzlos springen wie ein junger Hirsch musste ich, um der blindw\u00fctigen Raserei so gerade eben zu entkommen. Am Steuer der sportiven Mordmaschine sa\u00df eine \u00e4ltere Dame. Nein, in diesem Fall erlaube ich mir, wohl mit Fug und Recht, das alte und durchaus despektierlich gemeinte Wort Tusnelda (neudeutsch: Tussi) zu gebrauchen.<\/p>\n<p>Tusnelda also stoppte mit quietschenden Reifen ihren Wagen, lie\u00df das Seitenfenster herunter und keifte: &#8222;Kannst du nicht aufpassen, Idiot!&#8220; Obwohl in dieser Sekunde erst der Teufelin von der Schippe gesprungen, erwiderte ich zwar mit zitternden Knien, doch tieft\u00f6nender Gelassenheit in der Stimme: &#8222;Gn\u00e4dige Frau, sie haben mich gewiss f\u00fcr einen Wiesbadener gehalten, bei dem es nicht so darauf ankommt, wie man ihn anspricht oder ob man ihn \u00fcber den Haufen f\u00e4hrt. Doch muss ich ihnen sagen, dass sie einem Irrtum unterliegen. Ich bin kein Wiesbadener, sondern komme von Koblenz her, um hier das Theater zu besuchen.&#8220; Worauf Tusnelda die Gesichtsbacken aufblies und mir knapp beschied: &#8222;Was geht mich das.&#8220; Dann lie\u00df sie das Fenster hochsurren, kn\u00fcppelte den ersten Gang ein und fuhr mit forschem Gasdruck in jene Richtung davon, wo sie laut Nummernschild daheim ist: MZ.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Sp\u00e4t in der Nacht versonnen und begl\u00fcckt vom Auftakt zu einem langen Kulturwochenende zur\u00fcck. Das wird mich an den Folgetagen noch ins Theater Koblenz zum Ballett &#8222;28 Jahreszeiten&#8220; und ins Staatstheater Mainz zu Kafkas &#8222;Prozess&#8220; f\u00fchren. Den Anfang machte soeben das Hessische Staatsballett, das in Wiesbaden seine neue Produktion &#8222;Weltenwanderer&#8220; zur Premiere brachte. 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