{"id":709,"date":"2015-10-26T23:00:00","date_gmt":"2015-10-26T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/10\/26\/ein-jahr-direktor-am-180-jahre-alten-mittelrhein-museum\/"},"modified":"2015-10-26T23:00:00","modified_gmt":"2015-10-26T22:00:00","slug":"ein-jahr-direktor-am-180-jahre-alten-mittelrhein-museum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/10\/26\/ein-jahr-direktor-am-180-jahre-alten-mittelrhein-museum\/","title":{"rendered":"Ein Jahr Direktor am 180 Jahre alten Mittelrhein Museum"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Koblenz. <\/strong><\/em>Fast auf den Tag ein Jahr nach seinem Koblenzer Dienstantritt im Oktober 2014 begegnen wir uns jetzt zum ersten Mal. Matthias von der Bank tritt im Mittelrhein-Museums (MRM) forschen Schrittes aus dem Aufzug. Fester H\u00e4ndedruck, neugieriger Blick, sofort die Frage: \u201eWor\u00fcber wollen Sie mit mir reden?\u201d 48 ist er alt; f\u00fcr zehn Jahre j\u00fcnger k\u00f6nnte man ihn halten. Im Geiste erweist sich der in Bonn studierte Kunsthistoriker rasch als hoch gebildeter und kluger Zeitgenosse. Zugleich ist ihm ein Zug eigen, den wir etwa von Brigitte Schmutzler kennen, Chefin des Landesmuseums Koblenz, oder von Oliver Kornhoff, Direktor des Arp Museums Rolandseck: Sobald man ihnen Interesse signalisiert, legen diese Museumsleute einen schier jugendlichen Enthusiasmus f\u00fcr ihre Gegenst\u00e4nde an den Tag.<\/p>\n<p>So einer ist auch Matthias von der Bank. Weshalb unser Gespr\u00e4ch stante pede beginnt mit einem Rundgang durch die Sonderausstellung \u201eDa capo. Mary Bauermeister \u2013 Werke aus 60 Jahren\u201d. Sinnlos der Hinweis des Autors an den Museumsleiter, dass sein Text erst erscheint, wenn diese Ausstellung schlie\u00dft: Es gibt eine Privatf\u00fchrung, die sich gewaschen hat und bald beide Teilnehmer die Zeit vergessen l\u00e4sst. Kundig, feurig, packend f\u00fchrt von der Bank durch die Schau mit exemplarischen Werken aus den diversen Schaffensphasen der heute 82-j\u00e4hrigen Frau. Die hatte er selbst gleich zu Anfang seiner Zeit am Mittelrhein-Museum bei einer Veranstaltung in K\u00f6ln umstandslos angesprochen mit der absichtsvollen Frage: \u201eK\u00f6nnen Sie sich noch an Koblenz erinnern?\u201d Was die K\u00fcnstlerin und Gef\u00e4hrtin des 2007 verstorbenen Komponisten Karlheinz Stockhausen gut und gerne tat. Denn schon 1972 hatte das Museum ihr, dem damaligen Shooting-Star der Kunstszene, eine Pr\u00e4sentation gewidmet.<\/p>\n<p>Also wurde man sich rasch einig und die Bauermeister-Ausstellung quasi der Einstand des neuen Direktors im Mittelrhein-Museum. Die Aussage mag etwas irritieren, weil auch schon die beiden vorherigen Sonderschauen \u00fcber Aloys Rump und Werner Kroener in die Amtszeit des Neuen fielen. Doch gingen sie noch auf Vorbereitungen des Vorg\u00e4ngers Markus Bertsch zur\u00fcck, w\u00e4hrend die Bauermeister-Schau nun die erste war, die in alleiniger Verantwortung von der Banks lag. Sp\u00e4ter in seinem B\u00fcro sprechen wir \u00fcber das, was er mit dem Museum k\u00fcnftig vorhat. Diese Frage wollen Medien, Politik, \u00d6ffentlichkeit von neuen F\u00fchrungskr\u00e4ften am liebsten schon vor ihrem ersten Arbeitstag beantwortet haben. Ich glaube allerdings, dass das gar nicht geht, weil jeder Neue seinen neuen Zust\u00e4ndigkeitsbereich erstmal studieren muss.<\/p>\n<p>Weshalb ein Jahr bis zum ersten Gespr\u00e4ch gar keine schlechte Spanne ist. Zumal im Falle des MRM schwer wiegt, dass es sich um ein \u00fcber viele Generationen mit der Stadt, ihrer Geschichte, ihren B\u00fcgern verbundenes Museum handelt. 180. Geburtstag feiert es heuer. Gegr\u00fcndet 1835, geh\u00f6rt es zur \u00c4ltestenriege der Regionalmuseen im hiesigen Gro\u00dfraum: 62 Jahre \u00e4lter als das Landesmuseum Trier, 15 Jahre j\u00fcnger als das Landesmuseum Bonn und 32 j\u00fcnger als das in Mainz. Grundstock des MRM war die Schenkung des Pastors Joseph Gregor Lang an die Stadt Koblenz: 197 Gem\u00e4lden, 70 Graphiken, 1070 B\u00fccher sowie M\u00fcnzen, Silber und Porzellan. Trotz schmerzhafter Verluste in den zwei Weltkriegen und w\u00e4hrend 15 Umz\u00fcgen ist die Sammlung immer weiter zu einem gigantischen Bestand von Kunstwerken, kunstgewerblichen Objekten, Arch\u00e4ologika und regionalen Zeitzeugnissen angewachsen.<\/p>\n<p>Matthias von der Bank sieht sich noch in der Phase des Kennenlernens dieses Erbes, ist sich aber bereits sicher: \u201eDie Vielgestaltigkeit der Sammlung erlaubt weder ein rein stadtgeschichtliches Museum, noch ein reines Kunstmuseum.\u201d Ruft man sich die Pr\u00e4sentationspolitik seiner Vorg\u00e4nger in Erinnerung, verfestigt sich tats\u00e4chlich das Bild einer Mischform aus beidem. Wobei die eine Direktion mal eher zur k\u00fcnstlerischen, die andere zur stadthistorischen Schwerpunktsetzung neigte. Von der Bank verfolgt nun ein Konzept, das nach flexibler Balance sucht \u2013 und zwar einerseits im Hinblick auf unterschiedliche Besuchergruppen, andererseits orientiert an thematischen Sonderprojekten. Will sagen: Hier st\u00e4rkere Betonung lokaler\/regionaler Kunst- und Kulturgeschichte, die heimisches Publikum anspricht. Da Pr\u00e4sentationen, die auch f\u00fcr Kulturtouristen und Fachbesucher von ausw\u00e4rts interessant sind.<\/p>\n<p>Ein Blick auf die aktuellen Planungen l\u00e4sst erahnen, wohin die Reise geht. Der Museumsleiter deutet f\u00fcr 2016 eine Schwerpunkt-Schau \u00fcber die Romantik des 19. Jahrhunderts an, eine weitere \u00fcber Koblenz als Barockstadt. In letzterem Fall wird das MRM zu einem der Au\u00dfenpunkte einer gro\u00dfen Ausstellungskampagne \u00fcber den Barock im deutschen S\u00fcdwesten, die ihr Zentrum in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim haben wird. Beide Themen sind von \u00fcberregionaler Bedeutung, korrespondieren zugleich fabelhaft sowohl mit dem orts- und regionalgeschichtlichen Umst\u00e4nden wie mit den Koblenzer Sammlungsbest\u00e4nden.<\/p>\n<p>Zuvor geh\u00f6rt der Sonderausstellungsbereich vom 14.11. bis zum 14.02. wieder der neuzeitlichen Kunst, dem Schaffen Rudolf Schlichters (1899 \u2013 1955). Der badische Maler, Zeichner, Kunsttheoretiker wird gern vor allem der Neuen Sachlichkeit zugeordnet, was von der Bank f\u00fcr zu eng h\u00e4lt. Vielmehr w\u00fcrden sich in dessen Arbeit alle Katastrophen und das gesamte k\u00fcnstlerische Konfliktspektrum des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts spiegeln. 100 Werke \u00fcberwiegend aus Privatbesitz \u2013 viele kaum je, einige noch nie \u00f6ffentlich gezeigt \u2013 werden in Koblenz unter dem Titel \u201eRudolf Schlichter \u2013 Eros und Apokalypse\u201d versammelt.&nbsp; Werke, die die Welt aus der Perspektive eines Mannes zeigen, der anders war als andere: Oscar Wilde war sein Vorbild, er verehrte Wagner und Nietzsche, liebte aber zugleich Karl May fast so sehr wie er Frauenschuhe begehrte.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Koblenz. Fast auf den Tag ein Jahr nach seinem Koblenzer Dienstantritt im Oktober 2014 begegnen wir uns jetzt zum ersten Mal. Matthias von der Bank tritt im Mittelrhein-Museums (MRM) forschen Schrittes aus dem Aufzug. 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