{"id":707,"date":"2015-11-18T23:00:00","date_gmt":"2015-11-18T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/11\/18\/der-letzte-kampf-der-treverer-gegen-rom\/"},"modified":"2015-11-18T23:00:00","modified_gmt":"2015-11-18T22:00:00","slug":"der-letzte-kampf-der-treverer-gegen-rom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/11\/18\/der-letzte-kampf-der-treverer-gegen-rom\/","title":{"rendered":"Der letzte Kampf der Treverer gegen Rom"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Riol\/Trier. <\/strong><\/em>Die Wolken h\u00e4ngen tief. Nebelschwaden wabern \u00fcber Wald, Wiesen, \u00c4cker am Hunsr\u00fcck-Abfall zur Mosel nahe des Ortes Riol. Zw\u00f6lf Kilometer von der Trierer Porta Nigra entfernt stapft Anfang dieser Woche ein mit Metalldedektoren ausger\u00fcsteter Suchtrupp der rheinland-pf\u00e4lzischen Landesarch\u00e4ologie durch den Dauerregen. Gesucht werden abschlie\u00dfende&nbsp; Beweise daf\u00fcr, dass an dieser Stelle vor 1945 Jahren r\u00f6mische Legion\u00e4re dem letzten Aufstand des hiesigen Keltenvolkes der Treverer den Garaus machten.<\/p>\n<p>Mit Marcus Reuter, Direktor des Landesmuseums Trier, und Arch\u00e4ologiechef Axel von Berg stehen wir auf einer Anh\u00f6he \u2013 wie anno 70 nach Christus wom\u00f6glich die Kommandeure der von Mainz anger\u00fcckten 21. Legion. Dass die R\u00f6mer auf dieser Kuppe ihr Lager aufgeschlagen hatten, daf\u00fcr sprechen Reste eines Wall-Karrees. Der Blick geht \u00fcbers sich neigende Gel\u00e4nde zum gegen\u00fcberliegenden Waldrand. Dort h\u00e4tten, erkl\u00e4rt von Berg, damals die Treverer Schlachtaufstellung genommen, um den Vormarsch des imperialen Milit\u00e4rs auf Trier zu stoppen.<\/p>\n<p>Die beiden Fachleute hegen kaum noch Zweifel, dass dies der Platz ist, an dem rund 7000 r\u00f6mische Soldaten und eine unbekannte Zahl Treverer-Krieger damals zur Entscheidungsschlacht aufeinander prallten. Entsprechende Vermutungen gibt es seit dem 19. Jahrhundert, da der r\u00f6mische Geschichtsschreiber Tacitus im Jahr 71 die Schlacht von Rigodulum (Riol) und eben diesen Flecken sehr genau beschrieb. Eine derart signifikante \u00dcberstimmung zwischen antiker Quelle und realer \u00d6rtlichkeit sei ihm noch nie untergekommen, meint jetzt von Berg. Die Vermutung \u00fcber die Lokalit\u00e4t des Kampfgeschehens verdichtet sich zur schieren Gewissheit, seit die Landesarch\u00e4ologie unl\u00e4ngst Zugriff bekam auf eine Privatsammlung eben dort in fr\u00fcheren Jahren aufgesp\u00fcrter Altfunde.<\/p>\n<p>Schleuderbleie, Lanzenspitzen, Teile von Schildbeschl\u00e4gen, bronzene Schnallen von antiken Harnischen und andere auf die Zeit um 70 nach Christus passende Kleinteile sprechen nach Reuter, von Berg und ihrem gemeinsamen Chef bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), Thomas Metz, eine deutliche Sprache: \u201eAuf diesem Gel\u00e4nde k\u00e4mpften R\u00f6mer und Treverer gegeneinander.\u201d Unterstrichen wird ihre Ansicht durch r\u00f6mische M\u00fcnzenaus jener Zeit, die der v\u00f6llig durchn\u00e4sste Suchtrupp jetzt peu \u00e0 peu auf dem Feld von Riol ausgr\u00e4bt. Wieder und wieder piepsen die Detektoren. Meist f\u00f6rdert das Nachgraben Bombensplitter aus dem letzten Weltkrieg oder&nbsp; Pfeilspitzen heutiger Freizeitsch\u00fctzen zutage. Doch dazwischen ert\u00f6nt mehrfach freudiges \u201eHallo!\u201d \u2013 und kann neuerlich ein R\u00f6mergeldst\u00fcck vom Dreck befreit werden.<\/p>\n<p>Die zeitliche N\u00e4he zur im Mai 2016 beginnenden Trierer Ausstellungstrias \u00fcber Kaiser Nero&nbsp; befeuert die Bem\u00fchungen der GDKE, die Ortsbestimmung des Schlachtfeldes wasserdicht zu machen und das Areal weiter zu erkunden. Denn diese erste in Mitteleuropa Person, Leben, Wirken, Rezeption Neros gewidmete Ausstellungskampagne wird eine gro\u00dfe Sache, doch direkte Bez\u00fcge zwischen dem \u201everr\u00fcckten\u201d Kaiser und der hiesigen Region sind eher sp\u00e4rlich. Umso wertvoller w\u00e4re ein Ausstellungskapitel mit Regionalbezug \u2013 etwa \u00fcber die Schlacht bei Riol.<\/p>\n<p>Was hat das dort niedergeschlagene Aufb\u00e4umen der Treverer gegen Rom mit Nero zu tun, wo der zu jenem Zeitpunkt doch bereits zwei Jahre tot war? Direkte Folge der letzten Regierungsphase Neros war nach seinem Ableben anno 68 ein Machtvakuum. Das f\u00fchrte zum \u201eVier-Kaiser-Jahr\u201d, in dessen Verlauf sich die Legionen gegenseitig zerfleischten. Dieses Chaos sahen die Treverer und deren n\u00f6rdliche Nachbarn, die Bataver, als Chance, gegen die Fremdherrschaft aufzubegehren. Nachdem Vespasian im Dezember 69 als Sieger aus dem innerr\u00f6mischen Machtkampf hervorgegangen war, galt sein Bestreben sogleich der \u201eBefriedung\u201d der Provinzen.<\/p>\n<p>So zog denn, wahrscheinlich im Fr\u00fchjahr 70, die 21. Legion gegen die Treverer. Sie brachte den Kelten erst bei Bingen eine empfindliche Niederlage bei, stellte sie kurz darauf bei Riol zur Entscheidungsschlacht. Das Ende ist bekannt: Nach verzweifelten R\u00fcckzugsgefechten innerhalb Triers waren die Treverer f\u00fcr alle Zeit geschlagen \u2013 und wurde die Stadt auf Jahrhunderte so r\u00f6misch wie kaum eine andere n\u00f6rdlich der Alpen. &nbsp;<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Riol\/Trier. Die Wolken h\u00e4ngen tief. Nebelschwaden wabern \u00fcber Wald, Wiesen, \u00c4cker am Hunsr\u00fcck-Abfall zur Mosel nahe des Ortes Riol. Zw\u00f6lf Kilometer von der Trierer Porta Nigra entfernt stapft Anfang dieser Woche ein mit Metalldedektoren ausger\u00fcsteter Suchtrupp der rheinland-pf\u00e4lzischen Landesarch\u00e4ologie durch den Dauerregen. 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