{"id":702,"date":"2015-11-20T23:00:00","date_gmt":"2015-11-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/11\/20\/bushs-fehler-duerfen-sich-im-kampf-gegen-den-is-nicht-wiederholen\/"},"modified":"2015-11-20T23:00:00","modified_gmt":"2015-11-20T22:00:00","slug":"bushs-fehler-duerfen-sich-im-kampf-gegen-den-is-nicht-wiederholen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/11\/20\/bushs-fehler-duerfen-sich-im-kampf-gegen-den-is-nicht-wiederholen\/","title":{"rendered":"Bushs Fehler d\u00fcrfen sich im Kampf gegen den IS nicht wiederholen"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape.<\/strong><\/em> Eine Woche liegt die Mordorgie der Barbarenbewegung, die sich selbst Islamischer Staat (IS) nennt,&nbsp; in Paris zur\u00fcck. Eine Bestandsaufnahme der seitherigen Flut von Nachrichten, Extraseiten, Sondersendungen, Talks und \u00c4u\u00dferungen in den Netzwerken l\u00e4sst drei Reaktions-Phasen erkennen. Da waren zuerst Entsetzen, Trauer, Solidarit\u00e4t mit den Franzosen und Abscheu gegen\u00fcber dem IS. Diese erste Phase war gekennzeichnet von gro\u00dfer Gemeinsamkeit in Frankreich, in Deutschland, in der westlichen Welt, in fast allen sich als zivilisiert verstehenden L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die zweite Phase begann sich bereits am Abend der Pariser Ereignisse in die erste zu mischen. Sie l\u00e4sst sich unter dem Schlagwort \u201eKrieg\u201d zusammenfassen. Der Angriff des Barbarismus auf ein internationales Fu\u00dfballspiel, auf ein globalkultuerelles Rockkonzert, auf das sinnenfrohe, multikulturelle Abendleben von Paris wurde als Kriegserkl\u00e4rung an moderne, offene Lebensart generell gedeudet. Doch an der Frage, wie zu reagieren sei, scheiden sich seither die Geister. \u201eWir sind jetzt im Krieg und m\u00fcssen die Terroristen mit Krieg bek\u00e4mpfen\u201d, sagen die einen. \u201eGenau das hat George W. Bush nach 2001 gemacht, herausgekommen sind dabei der IS und noch mehr Terror\u201d, warnen die anderen.<\/p>\n<p>Die dritte Phase der Reaktionen erleben wir gerade: Aufr\u00fcstung der Sicherheitsma\u00dfnahmen und&nbsp; explosionsartiges Anwachsen des Sicherheitsdenkens, auch in Deutschland. Dies verbunden mit gravierenden Einschr\u00e4nkungen der b\u00fcrgerlichen Freiheiten, ja der gesamten freiheitlich-liberalen Lebensart. Auch hier gehen die Ansichten weit auseinander. Einerseits scheinen viele Menschen nun bereit, um der Sicherheit Willen erhebliche Einschr\u00e4nkungen der Freiheit in Kauf zu nehmen. Andererseits meinen viele, mit derartiger Selbstbeschr\u00e4nkung w\u00fcrden wir uns genau so verhalten, wie der IS provozieren will, dass wir uns verhalten. Die gesellschaftliche Kl\u00e4rung dieser Frage hat eben erst begonnen \u2013 muss aber stattfinden vor dem Hintergrund ad hoc sehr praktischen staatlichen Bem\u00fchens um den Schutz der B\u00fcrger. &nbsp;<\/p>\n<p>Die mediale Szenerie ist emotional extrem aufgeheizt. Zeitungen, Fernsehen, Internet vibrieren im Daueralarmmodus; Warnungen, \u00c4ngste, Spekulationen werden bis ins letzte selbst irreale und belanglose Eckchen ausgeleuchtet; einige Akteure gie\u00dfen mit apokalyptischen Fantastereien \u00d6l ins Feuer der Bef\u00fcrchtungen. Das ist bei der Bewertung der Sachlage so wenig hilfreich wie bei der Diskussion um die divergierenden bis kontr\u00e4ren Meinungsstr\u00f6mungen um Sicherheit versus Freiheit im Innern und Kriegseins\u00e4tze gegen die IS-Basisregion in der Ferne.<\/p>\n<p>In Deutschland haben ma\u00dfgebende Politiker aller Parteien diesseits der AfD, Sicherheitsfachleute, Kirchenf\u00fchrer und andere eindringlich gemahnt, die Terrorfrage auf keinen Fall mit der Fl\u00fcchtlingsfrage zu vermengen. Dennoch lassen sich manche Politiker, Journalisten und Teile der \u00d6ffentlichkeit immer wieder hinrei\u00dfen, diesen durch nichts zu begr\u00fcndenden Bogen zu schlagen. Die Erkenntnisse \u00fcber die T\u00e4ter von Paris best\u00e4tigen die Einsch\u00e4tzung: Die gut organisierten und vernetzten Terroristen haben es gar nicht n\u00f6tig, von ihrer bisherigen Nutzung des normalen Luft-, Eisenbahn-, Stra\u00dfenverkehrs pl\u00f6tzlich umzusteigen auf den wochenlangen, beschwerlichen und unberechenbaren Treck \u00fcber die Balkanroute.<\/p>\n<p>Die Angst vor einer terroristischen Infiltrierung im Schatten der Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me ist irreal. Es sind im Gegenteil die Fl\u00fcchtlinge quasi unsere nat\u00fcrlichen Verb\u00fcndeten gegen den Barbarismus, denn vor ihm sind sie geflohen. Wer mutwillig anderes propagiert, l\u00e4uft Gefahr, sich de facto zum Erf\u00fcllungsgehilfen des IS-Kalk\u00fcls zu machen. Das zielt darauf ab, die innereurop\u00e4ischen Widerspr\u00fcche in der Fl\u00fcchtlingsfrage kr\u00e4ftig tanzen zu lassen.<\/p>\n<p>Was die eigentliche Diskussion ums Vorgehen gegen den IS angeht, so hat sie starke Schlagseite in Richtung \u201eKrieg\u201d. In Ton und Gebaren erinnert manches fatal an die US-Reaktionsmuster unter George W. Bush. Es ist nachvollziehbar, dass die franz\u00f6sische und andere Regierungen St\u00e4rke zeigen und den IS wuchtig bek\u00e4mpfen wollen. Doch Entschlossenheitserkl\u00e4rungen und der gebetsm\u00fchlenartig behauptete feste Wille, eine Unterminierung unserer Lebensweise durch die Barbaren nicht zuzulassen, k\u00f6nnen sich rasch als hohles Pathos erweisen. Ebenso kann blindw\u00fctiges Losst\u00fcrmen und Herumschie\u00dfen im Irak, in Syrien und Kurdistan sich schnell als opferreicher, aber milit\u00e4risch wenig effektiver Aktionismus herausstellen.<\/p>\n<p>Die Fixierung auf milit\u00e4rische Intervention von au\u00dfen lie\u00df Bush&#8217;s \u201eKrieg gegen den Terror\u201d zum v\u00f6llig kontraproduktiven Feldzug werden. Wir sollten diesen Fehler jetzt nicht wiederholen. Gleichwohl wird ohne bewaffneten Kampf \u2013 am Boden \u2013 der IS nicht kleinzukriegen sein. Die Soldaten daf\u00fcr gibt es: kurdische K\u00e4mpfer, irakische Armee, syrische Armee und syrische Freisch\u00e4rler. Weshalb es in erster Linie politisch-diplomatischer Anstrengungen bedarf, um all jene Hindernisse aus dem Weg zu r\u00e4umen, die diese Kr\u00e4fte derzeit hindern, gemeinsam den IS zu bek\u00e4mpfen. Dann erst k\u00f6nnten auch alliierte Luftschl\u00e4ge richtige Wirkung entfalten: als taktische Unterst\u00fctzung f\u00fcr Bodentruppen, die ihre Heimat von den IS-Barbaren befreien wollen.<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/>\n<em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Eine Woche liegt die Mordorgie der Barbarenbewegung, die sich selbst Islamischer Staat (IS) nennt,&nbsp; in Paris zur\u00fcck. Eine Bestandsaufnahme der seitherigen Flut von Nachrichten, Extraseiten, Sondersendungen, Talks und \u00c4u\u00dferungen in den Netzwerken l\u00e4sst drei Reaktions-Phasen erkennen. Da waren zuerst Entsetzen, Trauer, Solidarit\u00e4t mit den Franzosen und Abscheu gegen\u00fcber dem IS. 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