{"id":695,"date":"2021-02-01T23:00:00","date_gmt":"2021-02-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/02\/01\/noch-ein-irrtum-in-der-corona-diskussion\/"},"modified":"2021-02-01T23:00:00","modified_gmt":"2021-02-01T22:00:00","slug":"noch-ein-irrtum-in-der-corona-diskussion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2021\/02\/01\/noch-ein-irrtum-in-der-corona-diskussion\/","title":{"rendered":"Noch ein Irrtum in der Corona-Diskussion"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape.<\/strong><\/em> &#8222;Wir sehen doch seit vielen Monaten, dass all diese Lockdowns und Shutdowns nichts n\u00fctzen gegen die Pandemie.&#8220; Dies ist ein verbreitetes und immer wieder bem\u00fchtes &#8222;Argument&#8220; in der Corona-Diskussion. Aber es ist in der Sache falsch. Denn in s\u00e4mtlichen L\u00e4ndern weltweit, die auch nur einen halbwegs ernsthaften Seuchenschutz betreiben, haben Locksdowns\/Shutdowns noch jedesmal zu einer sp\u00fcrbaren Reduktion des Infektionsgeschehens, damit zeitverz\u00f6gert auch der Sterberaten gef\u00fchrt. Und zwar dem Umfang nach gem\u00e4\u00df der Faustregel: Je strammer\/sch\u00e4rfer die Lockdowns\/Shutdowns waren, je konsequenter und umfassender sie auch eingehalten, umgesetzt resp. durchgesetzt worden sind, umso schneller und wirkungsvoller der R\u00fcckgang des Infektionsgeschehens und in der Folge des Sterbens.<\/p>\n<p>Dieser Zusammenhang ist von Asien \u00fcber Neuseeland bis Europa immer wieder deutlich geworden, in Deutschland etwa am Lockdown des Fr\u00fchjahres 2020 und &#8211; wegen seines &#8222;gem\u00e4\u00dfigten&#8220; Zuschnitts nur z\u00e4h &#8211; auch des jetzigen.&nbsp; &#8222;Ja, aber die Pandemie ist dennoch nicht verschwunden; also waren\/sind die ganzen brutalen Lockdowns f\u00fcr die Katz&#8220;, lautet nun der Einwand. Der allerdings verkennt v\u00f6llig: Epidemiologisch sind NICHT die Lockdowns das Problem, denn die wirken erwiesenerma\u00dfen, je nach Sch\u00e4rfe und Konsequenz mehr oder weniger. Das eigentliche Problem waren\/sind jedesmal die anschlie\u00dfenden &#8222;\u00d6ffnungen&#8220;. Zu fr\u00fchzeitig, zu weitreichend und keinem konsquent vorsichtigen R\u00fcckbauplan folgend, sondern oft eher der Devise: Seuche war gestern, die Kuh ist vom Eis &#8211; also lasst den B\u00e4r wieder tanzen.<\/p>\n<p>Wie gef\u00e4hrlich, ja unsinnig solches Verhalten gegen\u00fcber einer hochansteckenden Virus-Seuche ist, haben zahllose R\u00fcckf\u00e4lle (Wellen) in zahlreichen L\u00e4ndern gezeigt. Auf erschreckende Weise zuletzt in der Republik Irland und in Portugal. Die Iren hatten im Herbst landesweit teils sehr hohe Inzidenzen an und \u00fcber 200. Die hatten sie dann mit einem (im Vergleich zu Deutschland) sehr scharfen Shutdown innerhalb eines Monats auf deutlich unter 50 gedr\u00fcckt. Bis zu Weihnachten die Einschr\u00e4nkungen privater Kontakte weitgehend gelockert wurden, die Pubs und manch anderes wieder \u00f6ffnete. Folge: Das Infektionsgeschehen explodierte f\u00f6rmlich, binnen weniger Tage verzeichnete Irland landesweite Inzidenzen von 800, 900 und mehr, in manchen Landesteilen gar 3000 bis 5000. Und das, obwohl die britische Virus-Mutante noch gar nicht in gr\u00f6\u00dferem Umfang auf der Gr\u00fcnen Insel angekommen war.<\/p>\n<p>Etwas anders verlief die Entwicklung in Portugal. Das Land war schon sehr glimpflich durch die erste Welle gekommen, hatte einen relativ entspannten Sommer und Herbst bei landesweiten Inzidenzen unter 50. Politik und Bev\u00f6lkerung hatten sich an einen sehr lockeren Umgang mit der Pandemie gew\u00f6hnt &#8211; bis, ebenfalls um\/nach Weihnachten &#8211; die Infektionszahlen pl\u00f6tzlich und sehr schnell zu steigen begannen. Heute wird das Land von Inzidenzen um 800\/900 geplagt, agiert das Gesundheitswesen am Rande des Kollaps, stehen Krankenwagen vor den Kliniken Schlange und ist die Triage vielerorts zum Standardverfahren vor Klinikaufnahme geworden. Nach ersten Erhebungen ist die britische Virus-Mutante nicht die einzige Ursache f\u00fcr die j\u00fcngste portugiesische Entwicklung, aber doch mit etwa 30% daran beteiligt.<\/p>\n<p>Schlussfolgerung: Lockdowns\/Shutdowns sind, das zeigt die Realit\u00e4t des zur\u00fcckliegenden Jahres weltweit vielfach, \u00fcberaus wirksame Instrumente zur Eind\u00e4mmung des Infektionsgeschehens, des schweren Erkrankens (mit vielfach mannigfachen Folgewirkungen) und des Sterbens. Ihre Ergebnisse sind allerdings v\u00f6llig missverstanden, wenn man sie deutet als &#8222;Ende der Gefahrenlage&#8220; und Signal zur m\u00f6glichst raschen und m\u00f6glichst weitreichenden R\u00fcckkehr in den gesellschaftlichen Normalbetrieb. Das Runterdr\u00fccken der Inzidenzen auf Werte weit unter 50 schafft erstmal &#8222;nur&#8220; die Bedingungen daf\u00fcr, ab da mit umfangreichen, differenzierten, ebenso klug eingerichteten wie konsequent durchgehaltenden\/durchgesetzten Ma\u00dfnahmen und sehr, sehr vorsichtigem Stufenkonzept das gesellschaftliche Leben zu (re)organisieren. Vorl\u00e4ufiges Ziel dabei: Die Zeit bis zur Durchimpfung der Bev\u00f6lkerung \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. &#8222;Wir sehen doch seit vielen Monaten, dass all diese Lockdowns und Shutdowns nichts n\u00fctzen gegen die Pandemie.&#8220; Dies ist ein verbreitetes und immer wieder bem\u00fchtes &#8222;Argument&#8220; in der Corona-Diskussion. Aber es ist in der Sache falsch. 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