{"id":672,"date":"2020-10-29T23:00:00","date_gmt":"2020-10-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2020\/10\/29\/warum-ich-zur-kultur-stehe-aber-dennoch-den-teil-lockdown-fuer-richtig-halte\/"},"modified":"2020-10-29T23:00:00","modified_gmt":"2020-10-29T22:00:00","slug":"warum-ich-zur-kultur-stehe-aber-dennoch-den-teil-lockdown-fuer-richtig-halte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2020\/10\/29\/warum-ich-zur-kultur-stehe-aber-dennoch-den-teil-lockdown-fuer-richtig-halte\/","title":{"rendered":"Warum ich zur Kultur stehe, aber dennoch den Teil-Lockdown f\u00fcr richtig halte"},"content":{"rendered":"<p>Aus Gr\u00fcnden &#8211; eine (etwas l\u00e4ngere) Erkl\u00e4rung:<\/p>\n<p><strong>1. Pers\u00f6nlich:<\/strong> Ich muss mir von niemandem, aber auch von gar niemandem Mangel an Solidarit\u00e4t mit den Kulturschaffenden oder Nichtbegreifen der essenziellen Bedeutung von Kultur f\u00fcr die Gesellschaft vorwerfen lassen. \u00dcber Jahrzehnte habe ich in zahllosen Artikeln, Aufs\u00e4tzen, Vortr\u00e4gen, ja mit meiner gesamten Arbeits- und Lebenshaltung vertreten: Ohne die K\u00fcnste, ohne ein vielgestaltiges, vitales Kulturleben ist eine humanistische, freiheitliche Gesellschaft gar nicht m\u00f6glich, w\u00e4re vielmehr ihr Abgleiten in die Barbarei zwangsl\u00e4ufig.<\/p>\n<p><strong>2. Zur aktuellen Lage:<\/strong>&nbsp; In der Tat ist ein Kernpunkt der jetzigen Trag\u00f6die, dass nun vor allem diejenigen den Schlamassel ausbaden m\u00fcssen, die der Seuche mit gr\u00f6\u00dftem Ernst und in gr\u00f6\u00dfter Sorge um die Gesundheit der Mitmenschen begegnet sind, deshalb mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt bestm\u00f6gliche Sicherheitskonzepte in ihrem Schaffensbereich praktiziert haben. Gleichwohl mag ich mir das &#8211; verst\u00e4ndliche &#8211; Verlangen der Kulturszene nach Offenhaltung ihrer Einrichtungen nicht umstandslos zu eigen machen. Denn das Kind ist leider in den Brunnen gefallen: Das gro\u00dfe &#8222;Gesellschaftexperiment mit ungewissem Ausgang&#8220;, als das der im Fr\u00fchsommer begonnene \u00d6ffnungsprozess bezeichnet wurde, es muss als gescheitert gelten &#8211; WEIL der Staat es nicht hinbekommen hat, die Basics des Seuchenschutzes in ALLEN Bereichen der Gesellschaft durchzusetzen.<\/p>\n<p>Andernfalls h\u00e4tten die Leugner zwar sowieso d\u00fcmmlich oder aus politischem Kalk\u00fcl &#8222;Polizeistaat&#8220; gebr\u00fcllt, aber wir h\u00e4tten jetzt nicht die exponentielle Seuchenlage, die wir haben. Und die folgt erstmal Naturgesetzen, die ich nicht ausblenden kann\/will\/darf. Und dementsprechend halte ich es f\u00fcr illusion\u00e4r, zu meinen, man k\u00f6nne die Kultureinrichtungen (oder auch Wirtsh\u00e4user, Hotels etc.) als g\u00e4nzlich Virus-gesch\u00fctzten Freiraum erhalten, w\u00e4hrend ringsumher die Seuche bei bald 20 000, nachher 50 000 oder noch viel mehr Neuinfektionen t\u00e4glich fl\u00e4chendeckend quasi durch alle Ritzen sickert.<\/p>\n<p>Zudem: Wenn sich Fachwelt und das Gros der \u00d6ffentlichkeit einig sind, dass eine betr\u00e4chtliche Reduktion der physischen Menschenkontakte das derzeit wichtigste Mittel zur Eind\u00e4mmung des jetzt katastrophalen Seuchenwachstums ist, kann das nach meinem Daf\u00fcrhalten nur hei\u00dfen, auch das \u00f6ffentliche Leben soweit als m\u00f6glich zur\u00fcckzufahren. Es m\u00f6gen zwar Kultureinrichtungen und gut organisierte Gasth\u00e4user vielleicht in ihrem Innern mit zu den sichersten R\u00e4umen \u00fcberhaupt z\u00e4hlen, die Wege dorthin tun es so wenig wie die fast unvermeidlich eintretenden vorherigen oder nachherigen Plaudereien und kleinen Geselligkeiten drumherum.<\/p>\n<p><strong>3. Was tun?<\/strong> Das schlimmste ist: Ich f\u00fcrchte, die jetzigen Flicken-Ma\u00dfnahmen, so hart sie im Einzelfall sind,&nbsp; werden wom\u00f6glich gar nicht hinreichen, das exponentielle Seuchenwachstum ma\u00dfgeblich zu entsch\u00e4rfen. Ich bin schon seit einigen Tagen der Ansicht, das Gescheiteste w\u00e4re ein zeitlich begrenzter Generallockdown, um das Infektionsgeschehen deutlich zu reduzieren &#8211; UND HERNACH mit wieder vertretbar entsch\u00e4rften, daf\u00fcr aber IN ALLEN BEREICHEN rigoros durchgesetzten Schutzbestimmungen frisch ans Werk zu gehen.<\/p>\n<p><strong>4. Zu den neuen Coronahilfen:<\/strong> Die jetzt dem Teil-Lockdwon unterworfenen Bereiche erbringen &#8211; notgedrungen &#8211; quasi (wieder) ein Sonderopfer f\u00fcr die gesamte Gesellschaft. Weshalb es n\u00f6tig, recht und billig ist, dass der Staat gerade dem Millionenheer von Freischaffenden\/kleinen Selbstst\u00e4ndigen finanziell maximal, unb\u00fcrokratisch, schnell zur Seite steht. Da offenkundig viele der politisch Verantwortlichen keinerlei Vorstellung davon haben, wie das reale Leben gerade f\u00fcr freie Kulturschaffende aussieht, m\u00fcssen die Verb\u00e4nde ihnen sofort geh\u00f6rige &#8222;Nachhilfe&#8220; verabreichen. Damit nicht &#8211; erneut &#8211; zahlreiche Kulturis und Soloselbstst\u00e4ndige durchs Hilferaster fallen. Um beispielhaft nur eine von zahlreichen &#8222;Kleinigkeiten&#8220; zu benennen, die bei Nichtbeachten zu fatalen Auswirkungen f\u00fchren w\u00fcrden: Es d\u00fcrfen die neuen Coronahilfen keinesfalls gekoppelt werden daran, dass Kompensationsbed\u00fcrftige einen Steuerberater haben m\u00fcssen. Denn: Ein betr\u00e4chtlicher Teil der freien Kulturschaffenden hat eben keinen Steuerberater, nie einen gehabt respektive sich nie einen leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Gr\u00fcnden &#8211; eine (etwas l\u00e4ngere) Erkl\u00e4rung: 1. 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