{"id":6412,"date":"2026-09-16T16:33:15","date_gmt":"2026-09-16T15:33:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=6412"},"modified":"2026-09-16T16:33:17","modified_gmt":"2026-09-16T15:33:17","slug":"in-der-kuerze-liegt-die-wuerze-ist-das-so-eher-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2026\/09\/16\/in-der-kuerze-liegt-die-wuerze-ist-das-so-eher-nicht\/","title":{"rendered":"&#8222;In der K\u00fcrze liegt die W\u00fcrze&#8220; &#8211; Ist das so? Eher nicht"},"content":{"rendered":"<div class=\"xdj266r x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs x126k92a\">\n<div dir=\"auto\"><em><strong>ape.<\/strong><\/em> Heute bekam ich Post von einer wohl \u00e4lteren Dame. Eine nette e-Mail, in der sie erkl\u00e4rt, dass sie seit Jahrzehnten alle Texte von mir lese, die sie in die Finger bekomme. Denn sprachlich sei die Lekt\u00fcre fast immer ein Freude und inhaltlich meistens interessant, auch wenn sie beleibe nicht alle meine Ansichten teile. Sowas h\u00f6rt man gerne, und ich habe mich auch artig bedankt. Widersprechen musste ich allerdings dem gut gemeinten Rat, den sie mir am Ende ihrer Mail gab: &#8222;Sie sollten unbedingt k\u00fcrzer schreiben, dann w\u00fcrden viel mehr Leute ihre Texte lesen. In der K\u00fcrze liegt die W\u00fcrze.&#8220;<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Nicht in jedem Sprichwort steckt Weisheit, in manchem nichtmal Wahrheit. Was n\u00fctzen einem viel mehr Leser, wenn man im Text wegen K\u00fcrze nicht mehr ausf\u00fchren kann, was notwendig w\u00e4re zur Erhellung, zur Verst\u00e4ndlichmachung eines Sachverhalts. Was soll mir ein Textchen, das komplexe Zusammenh\u00e4nge auf oberfl\u00e4chliche Schlagworte reduziert? Wie beim Fast-Food mag in der K\u00fcrze vielleicht etwas W\u00fcrze liegen, gesunden N\u00e4hrwert indes findest du da kaum.<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Man stelle sich vor, die Zivilisationsentwicklung w\u00e4re nach der Maxime &#8222;In der K\u00fcrze liegt die W\u00fcrze&#8220; verlaufen: Die Weltliteratur w\u00fcrde Romane nicht kennen und nur aus Kurzgeschichten bestehen, die Philosophie nur aus knappen und beliebig interpretierbaren Sinnspr\u00fcchen, wie sie einem etwa in Facebook t\u00e4glich dutzendfach zwischen die F\u00fc\u00dfe fallen. Auf dem Theater spielte man blo\u00df f\u00fcnfmin\u00fctige Sketche, in den Konzerts\u00e4len statt Sinfonien nur dreimin\u00fctige Jingles. Der politische Diskurs best\u00fcnde aus blo\u00dfem Parolenaustausch &#8211; und wissenschaftliche Entwicklung g\u00e4be es gleich garkeine, weil niemand aussagekr\u00e4ftige Forschungsberichte schreiben k\u00f6nnte und produktiver Austausch zwischen Wissenschaftlern nicht entstehen w\u00fcrde.<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"x14z9mp xat24cr x1lziwak x1vvkbs xtlvy1s x126k92a\">\n<div dir=\"auto\">Wer nun meint, die Forderung nach K\u00fcrze k\u00f6nne zumindest ein Schutz vor haltlos ausufernder Salbaderei sein, irrt wahrscheinlich in den meisten F\u00e4llen. Denn was auf die L\u00e4nge ohne Gehalt ist, w\u00fcrde in der K\u00fcrze auch keinen gewinnen.<\/div>\n<div dir=\"auto\"><em>Andreas Pecht<\/em><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Heute bekam ich Post von einer wohl \u00e4lteren Dame. Eine nette e-Mail, in der sie erkl\u00e4rt, dass sie seit Jahrzehnten alle Texte von mir lese, die sie in die Finger bekomme. 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