{"id":6354,"date":"2026-08-11T13:33:24","date_gmt":"2026-08-11T12:33:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=6354"},"modified":"2026-08-11T13:34:11","modified_gmt":"2026-08-11T12:34:11","slug":"ueberraschung-der-klimawandel-ist-schon-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2026\/08\/11\/ueberraschung-der-klimawandel-ist-schon-da\/","title":{"rendered":"\u00dcberraschung! Der Klimawandel ist doch tats\u00e4chlich schon da"},"content":{"rendered":"<p><em>ape.<\/em> Beim Blick auf die Wetterprognose f\u00fcr die kommenden Tage in der heutigen Fr\u00fchst\u00fcckszeitung (11.8.26) entfleucht mir ein frustrierter Seufzer: &#8222;Au, weh.&#8220; Heute 28 Grad, morgen 32, am Donnerstag 36 und am Freitag 39. Regen? Null. Himmel hilf, es will einfach kein Ende nehmen! Da wird es mir, dem 70-J\u00e4hrigen, k\u00f6rperlich wieder schlecht gehen &#8211; trotz ausgefeiltem Rolladenballett im Erdgeschoss und Aufr\u00fcstung mit thermobeschichteten Rollos im Obergeschoss.<\/p>\n<p>Zwei Herzen nun, ach, in meiner Brust. Das eine, entnervt und zornig, m\u00f6chte den naiven Ignoranten, den dumpfen Idioten und sowieso den ausgebufften Propaganda-Ideologen der AfD-Trollarmee ihre immergleichen, die Realit\u00e4t ausblendenden, leugnenden oder uml\u00fcgenden Spr\u00fcche mit Schmackes in den Hals zur\u00fcckstopfen: &#8222;Wetter war immer so, es gibt keinen Klimawandel.&#8220; Oder: &#8222;Es war immer so, Klimawandel hat es zu allen Zeiten gegeben.&#8220; Oder: &#8222;Es ist halt Sommer, alles ganz normal.&#8220; Oder: &#8222;Blo\u00df Klimawandel-Panikmache der Systemwissenschaftler und Systemmedien.&#8220;<\/p>\n<p>Das andere Herz sagt, um Rationalit\u00e4t bem\u00fcht: Herumstreiten mit der Fraktion aus Ignoranz, Idiotie, Ideologie ist v\u00f6llig sinnlos, damit vertr\u00f6deln wir nur Kraft, die wir f\u00fcrs Eigentliche br\u00e4uchten, und Zeit, die wir im Kampf gegen den Klimawandel nicht mehr haben. Wer heute kein Klimawandel-Problem sieht (sehen will) &#8211; trotz aller wissenschaftlich eindeutigen Befunde und der mittlerweile tagt\u00e4glich erfahrbaren, vielfach dramatischen Klimawandelfolgen &#8211; den l\u00e4sst man am besten unbeachtet links liegen, weil er zur Probleml\u00f6sung sowieso nichts beitragen kann und will.<\/p>\n<p>Viel wichtiger ist der Umgang mit und das Einwirken auf eine andere Fraktion, der leider (nicht nur in Deutschland) auch jede Menge regierende Politiker angeh\u00f6ren. Darin sind jene versammelt, die um den menschengemachten Klimawandel wissen, ihn auch f\u00fcr ein Problem halten, das irgendwann irgendwie gel\u00f6st werden muss &#8211; nachdem man sich um die &#8222;vorrangigen Problemfelder&#8220; gek\u00fcmmert hat, um Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsf\u00e4higkeit, Staatsfinanzen, Rente, Gesundheits- und Bildungswesen, Migration, Kriegst\u00fcchtigkeit etc. pp.<\/p>\n<p>In dieser Fraktion macht sich jetzt, angesichts der wiederkehrenden und zunehmenden klimatischen Krisenlagen, (sehr langsam) eine gewisse Verunsicherung breit, ob die Politik-Priorit\u00e4ten noch richtig gesetzt sind. Ein treibender Faktor bei dieser Verunsicherung sind die inzwischen exorbitanten volkswirtschaftlichen Kosten, die die Klimawandelfolgen allein im aktuellen Hitzesommer schon verursacht haben, von Niedrigwasser, Stra\u00dfensch\u00e4den, unterbrochenen Lieferketten \u00fcber Arbeitsausf\u00e4lle, Sonderkosten im Gesundheitswesen bis zu D\u00fcrre auf den \u00c4ckern und Waldbr\u00e4nden. Auch die Einbr\u00fcche an Lebensqualit\u00e4t und die Verluste an Menschenleben m\u00f6gen bei der Verunsicherung mitspielen. Eine Gesamtbilanz in Geldwert-Kosten f\u00fcr den bisherigen Rekordhitzesommer hat m.W. noch niemand aufgemacht, aber sie d\u00fcrfte mindestens bei einem hohen zweistelligen Millardenbetrag liegen.<\/p>\n<p>Eigentlich ist es schon lange, und auch wissenschaftlich fundiert, kein Geheimnis mehr, dass der menschengemachte Klimawandel heute das Prim\u00e4rproblem der globalen Zivilisation darstellt &#8211; das in wachsendem Ausma\u00df auch auf alle anderen Problemfelder einwirkt. Viel fr\u00fcher als erwartet (also heute und nicht erst ab Mitte des Jahrhunderts) erleben wir in diesem Augenblick, dass Hitze und Trockenheit nicht blo\u00df irgendein \u00f6kologisches Problem sind, sondern direkte Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesundheit, Alltag, ja fast alle Lebensbereiche haben. Was die Fraktion der vermeintlichen Pragmatiker und Realisten in Politik und \u00d6ffentlichkeit viel zu lange nicht wahrhaben wollten, als blo\u00df gr\u00fcne Ideologie und\/oder apokalyptische Spintisiererei abtaten, ist hier und heute Lebenswirklichkeit geworden.<\/p>\n<p>Nach jahrzehntelangem Verdr\u00e4ngen und Nichtwahrhabenwollen der Klimawandel-Gefahren fallen nun bei ihrem tats\u00e4chlichen wirkm\u00e4chtigen Auftreten am Ort die Reaktionen unvorbereitet, unbeholfen bis hilflos, teils l\u00e4cherlich aus. Zu wenig Wasser in der Rhein-Fahrrinne? Buddeln wir sie halt tiefer. Fachleute winken ab: Wird bei extremen Niedrigwasser nichts n\u00fctzen, eher zum beschleunigten Abfluss des Restwassers f\u00fchren; und wenn von oben kein Wasser nachkommt, ist halt keins mehr da. Wenn Frachtschiffe nicht mehr fahren k\u00f6nnen, bringen wir die Fracht eben auf die Stra\u00dfe. Spediteure winken ab: So viele Fahrer und LKW gibt es gar nicht, um die Fracht der bei Normalwasser t\u00e4glich etwa 140 Schiffe, die den Mittelrhein passieren, zus\u00e4tzlich auf der Stra\u00dfe zu transportieren. Um 3000 Tonnen schafft ein Schiff, 25 bis 27 Tonnen ein LKW. Verst\u00e4ndlich und vielfach wohl auch unumg\u00e4nglich ist die verbreitete Forderung nach Aufr\u00fcstung von B\u00fcros, Heimen, Kliniken, Schulen etc. mit Klimaanlagen, aber im Grunde ist das zu kurz gedacht. Denn Klimaanlagen schaufeln ja nur die warme Luft von drinnen nach drau\u00dfen. Hei\u00dft: Je mehr Innenr\u00e4ume gek\u00fchlt, umso hei\u00dfer die Stadt als ganzes.<\/p>\n<p>Klimawandelanpassung w\u00e4re nunmal etwas ganz anderes als ein paar Notma\u00dfnahmen oder gar unbedarfter Aktionismus. So wie durchgreifender, effektiver Klimaschutz etwas ganz anderes w\u00e4re, w\u00fcrde endlich verstanden, dass der Klimawandel tats\u00e4chlich das Prim\u00e4rproblem der Menschheit ist, das auch alle anderen Probleme versch\u00e4rft &#8211; nicht erst morgen oder \u00fcbermorgen, sondern jetzt schon. <em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Beim Blick auf die Wetterprognose f\u00fcr die kommenden Tage in der heutigen Fr\u00fchst\u00fcckszeitung (11.8.26) entfleucht mir ein frustrierter Seufzer: &#8222;Au, weh.&#8220; Heute 28 Grad, morgen 32, am Donnerstag 36 und am Freitag 39. Regen? Null. Himmel hilf, es will einfach kein Ende nehmen! 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