{"id":6331,"date":"2026-07-30T07:21:41","date_gmt":"2026-07-30T06:21:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=6331"},"modified":"2026-07-30T07:34:18","modified_gmt":"2026-07-30T06:34:18","slug":"es-ist-so-heiss-wie-auf-hawai-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2026\/07\/30\/es-ist-so-heiss-wie-auf-hawai-quergedanken\/","title":{"rendered":"ES IST SO HEISS WIE AUF HAWAI (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre>   Monatskolumne Nr. 253, 30. Juli 2026\n\n<\/pre>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/quergedanken_logo_0.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-51\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/quergedanken_logo_0.jpg\" alt=\"quergedanken_logo\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a>\u00a0 Freund Walter sieht die \u00dcberschrift und hebt sofort mit Gesinge an: \u201eEs gibt kein Bier auf Hawai, drum bleib\u2019 ich hier. Es ist so hei\u00df auf Hawai, kein k\u00fchler Fleck \u2026.\u201c. Dabei war Walter noch gar nicht geboren, als Paul Kuhn diesen Song 1963 in die Welt setzte. Allerdings wurde der Schlager zu einem der langlebigsten Party- und Volksfestkracher deutscher Zunge, der auch nachgeborenen Alterskohorten wohlbekannt ist. Noch heute sorgt der Ohrwurm gelegentlich in Festzelten f\u00fcr den feuchtfr\u00f6hlichen Ausbruch teutonischen Rudelsingens.<\/p>\n<p>Doch hat die Zeit den Text l\u00e4ngst \u00fcberholt. Das Problem mit dem hawaianischen Biermangel l\u00f6ste die Globalisierung. Gibt es heute noch besiedelte Regionen auf de Erden, in der kein Gerstensaft zu kriegen ist? Kaum. Das Problem mit der Hitze auf Hawai hat der Klimawandel geh\u00f6rig relativiert: Mittlerweile sind die sommerlichen Tagestemperaturen in Europa oft viel h\u00f6her als auf dem Insel-Archipel. Hawai hat in den 2020ern Sommerwerte von 27 bis 30 Grad. \u201cHach, was w\u00e4re das erholsam\u201c, mag man ausrufen, wenn hierzulande die Thermometer mal wieder auf 33, 37, gar 40+ Grad klettern.<\/p>\n<p>In Sachen Hitze hat infolge Klimawandel Europa nicht nur Hawai in den Schatten gestellt. Unser Kontinent erw\u00e4rmt sich eben schneller als andere Gegenden; nur die arktischen Gefilde sind noch flotter. \u201eEs ist so hei\u00df in Germany\u201c k\u00f6nnten heutzutage Hawaianer singen und lieber daheim bleiben als uns am Rhein besuchen. \u201eAch, h\u00f6rt doch uff mit eurem Klimawandel\u201c, kommt nun Onkel Hugo um die Ecke, \u201eich habe schon in den 1950ern\/60ern genauso oft genauso hei\u00dfe Sommertage erlebt.\u201c Nein, liebes Onkelchen, hast du nicht. Das meinst du nur. Auch ich erinnere mich an einige \u201esehr hei\u00dfe\u201c Tage w\u00e4hrend meiner Schulzeit vor gut sechs Jahrzehnten. Und daran, wie wir zwischen 10 und 11 Uhr durchs Schulhaus schmetterten: \u201e25 Grad im Schatten, wir schwitzen wie die Ratten, unser letzter Hilfeschrei: hitzefrei!, hitzefrei!\u201c Denn so war dunnemals das Reglement in den meisten Bundesl\u00e4ndern: 25 Grad im Schatten drau\u00dfen oder 27 Grad im Klassenzimmer, dann konnte die letzte, im Extrem auch noch vorletzte Schulstunde ausfallen.<\/p>\n<p>25\/27 Grad kurz vor Mittag. 30 bis 33 am Nachmittag, das galt damals als \u201eenorme Hitze\u201c. Temperaturen um 35\/36 Grad waren sehr seltene und meist nur kurze \u201eExtreme\u201c. An 40\/41 Grad wagte in Deutschland \u201efr\u00fcher\u201c kaum jemand zu denken. Du, Onkelchen, erinnerst dich an \u201esehr hei\u00dfe Tage\u201c in deiner Jugend. Wir schauen in den Temperaturaufzeichnungen nach und finden f\u00fcr eben diese, die von dir so empfundenen damaligen \u201eHitzetage\u201c 31\/32 Grad bis ganz vereinzelt mal 35\/36 verzeichnet.<\/p>\n<p>Datenlage und Realit\u00e4t sind eindeutig: Der Klimawandel l\u00e4uft. Nat\u00fcrlich kann man zwecks eigener Beruhigung \u2013 oder zur\u00a0 F\u00f6rderung von Ignoranz, Ideologie, Idiotie \u2013 auch an eine Weltverschw\u00f6rung der Thermometer glauben. Was allerdings an den vom Menschen in Gang gesetzten physikalischen Entwicklungen nun mal nichts \u00e4ndert: In den 119 Jahren von 1881 bis 2000 gab es in Deutschland nur 1 Tag mit etwas \u00fcber 40 Grad; in den 25 Jahren von 2000 bis 2025 waren es bereits 9 Tage; 2026 gab es allein im Monat Juni schon 4 Tage mit mehr als 40 Grad, darunter der mit 41,8 Grad hei\u00dfeste jemals gemessene.<\/p>\n<p>\u201eEs ist schon und wird noch viel, viel hei\u00dfer als zu Paulchens Hawai-Zeit. Und wir sind nicht darauf eingerichtet\u201c, brummt Walter, greift, den alten Schlager summend, zum k\u00fchlen Bier \u2013 bei 35 Grad ist es die alkoholfreie Version.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumne Nr. 253, 30. Juli 2026 \u00a0 Freund Walter sieht die \u00dcberschrift und hebt sofort mit Gesinge an: \u201eEs gibt kein Bier auf Hawai, drum bleib\u2019 ich hier. Es ist so hei\u00df auf Hawai, kein k\u00fchler Fleck \u2026.\u201c. Dabei war Walter noch gar nicht geboren, als Paul Kuhn diesen Song 1963 in die Welt setzte. 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