{"id":6029,"date":"2026-01-30T11:13:45","date_gmt":"2026-01-30T10:13:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=6029"},"modified":"2026-01-30T11:27:47","modified_gmt":"2026-01-30T10:27:47","slug":"zur-ehrenrettung-der-wetterfroesche-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2026\/01\/30\/zur-ehrenrettung-der-wetterfroesche-quergedanken\/","title":{"rendered":"Zur Ehrenrettung der Wetterfr\u00f6sche (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre>   Monatskolumne Nr. 247, 30. Januar 2026<\/pre>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-875\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a> Ich muss mal eine Lanze brechen f\u00fcr die ernsthafte meteorologische Zunft, die uns in seri\u00f6sen Medien das Wetter vorhersagt. Herrgott, was wurde sie j\u00fcngst wieder bekrittelt, beschimpft, niedergemacht. Warum? Weil in der ersten Januarh\u00e4lfte jene gro\u00dfe Winterkatastrophe ausblieb, die sie angeblich prognostiziert hatte. Hatte sie das \u00fcberhaupt? Oder waren es doch eher Nichtmeteorologen in TV-Magazinen, Boulevardbl\u00e4ttern und in den sowieso sensationsl\u00fcsternen Netzwerken, die aus eigentlich soliden Unwetterwarnungen partout Katastrophenerwartungen stricken mussten?<\/p>\n<p>Wettervorhersagen sind Wahrscheinlichkeitsrechnungen auf Basis der beobachteten Entwicklungen in der Atmosph\u00e4re unserer ozeanischen und kontinentalen Umgebung. Je n\u00e4her sie zeitlich und \u00f6rtlich dem Vorhersagegebiet liegen, umso h\u00f6her die Wahrscheinlichkeit, dass das prognostizierte Wetter eintritt. Je weiter entfernt, umso niedriger die Prognosesicherheit. Das ist Meteorologenhandwerk. Freund Walter brummt: \u201eInteressiert viele Leute nicht. Die verlangen von ihrer Wetterapp, am ersten Tag des Monats zu erfahren, ob es am 15. um 18.04 Uhr bei ihnen in Pusemuckel regnet. Wenn sie entgegen einer vagen Langzeitvermutung hier doch nass werden, und nur der Nachbarort Sonne hat, gibt\u2019s Haue f\u00fcr die Wetterfr\u00f6sche.\u201c<\/p>\n<p>Wettervorhersagen sind dank Wissenschaft und Technik deutlich besser geworden. Zugleich indes hat sich im Publikum eine irre Erwartung auf schiere Unfehlbarkeit breitgemacht. Andererseits wird gemault, wenn man trotz Unwetterwarnung p\u00fcnktlich zur Arbeit kam, nicht sechs Stunden im Schneestau auf der A1 steckte, nicht wegen Blitzeis daheim bleiben musste. \u201eMan nennt es Winter\u201c kanzeln dann Oberschlaue die Unwetterwarnungen ab \u2013 und schieben oft mit \u201ewir haben fr\u00fcher&#8230;\u201c Erinnerungen an robustere Lebensart in noch nicht klimagewandelten Wintern der 1950er\/60er nach. Rasch grassiert auch die Frage: \u201eK\u00f6nnen wir Winter noch?\u201c Nein, selbst Wintereinbr\u00fcche von nur mittelm\u00e4\u00dfiger Heftigkeit k\u00f6nnen wir in T\u00e4lern, Flachlagen und urbanen Ballungsr\u00e4umen nat\u00fcrlich nicht. Das sind wir nicht mehr gewohnt und darauf infrastrukturell nicht mehr eingerichtet.<\/p>\n<p>Es sind heute viermal mehr LKW auf den Stra\u00dfen als vor 70 Jahren. Unser Stra\u00dfennetz ist viele hundert Kilometer umf\u00e4nglicher. Millionen Menschen haben erheblich weitere Fahrwege zum Arbeitsplatz als dunnemals. Zehntausende Sch\u00fcler, die 1960 noch zu Fu\u00df in ihre Dorfschulen kamen, m\u00fcssen jetzt in Mittelpunktschulen kutschiert werden. Das n\u00e4chste Gesch\u00e4ft liegt vielerorts nicht mehr um die Ecke, sondern kilometerweit entfernt. Inzwischen sitzt eine ganze Generation von Autofahrer*innen hinterm Steuer, die kaum oder gar keine Erfahrungen mit richtigem Stra\u00dfenwinter haben. Die Bahn ist auf Geschwindigkeit getrimmt, nicht auf Robustheit. \u2026<\/p>\n<p>Kurzum: \u201eWir haben fr\u00fcher\u201c sind unn\u00fctze Narrative zur Beurteilung der heutigen Situation in der ungeheuer mobilen, deshalb aber auch schon f\u00fcr kleine St\u00f6rfaktoren enorm anf\u00e4lligen Gesellschaft. \u201eDaf\u00fcr k\u00f6nnen die Wetterfr\u00f6sche nix\u201c, knurrt Walter. Stimmt. Dennoch sind Gef\u00e4hrdungspotenziale f\u00fcr den Normalbetrieb des hiesigen Lebens ein wichtiges Kriterium der Meteorologen f\u00fcr die Herausgabe einer Unwetterwarnung. Danke, liebe Wetterfr\u00f6sche, f\u00fcr eure Hinweise auf das, worauf ich mich einrichten sollte, weil es mit erh\u00f6hter Wahrscheinlichkeit eintreten k\u00f6nnte \u2013 auch wenn es nicht immer und \u00fcberall so eintreten muss.<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumne Nr. 247, 30. 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