{"id":5949,"date":"2025-12-05T17:30:02","date_gmt":"2025-12-05T16:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=5949"},"modified":"2025-12-05T17:55:34","modified_gmt":"2025-12-05T16:55:34","slug":"nachtgedanken-munter-rein-in-die-oekologische-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2025\/12\/05\/nachtgedanken-munter-rein-in-die-oekologische-katastrophe\/","title":{"rendered":"Nachtgedanken: Munter rein in die \u00f6kologische Katastrophe"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape.<\/strong> <\/em>Bernd Ulrich hat in der j\u00fcngsten Ausgabe der \u201eZeit\u201c (Nr. 52, 4.12.25) einen ganzseitigen Artikel tiefer Nachdenklichkeit und zugleich scharfer Analyse geschrieben. Die \u00dcberschrift hat er nicht dem Erfindungsreichtum von H\u00dc-Redakteuren \u00fcberlassen, stattdessen den Zentralgedankens seines Textes an den Seitenkopf gesetzt: \u201eDie Menschheit hat beschlossen, ungebremst in die \u00f6kologische Katastrophe zu gehen\u201c. Diese gnadenlose Zeile erg\u00e4nzte er um eine kleine Unterzeile in Klammern: \u201e(Das kann doch wohl nicht wahr sein! Und wenn doch?)\u201c. Anschlie\u00dfend unterzieht er die \u00dcberschrift einer \u00dcberpr\u00fcfung anhand der Realit\u00e4ten \u2013 auf Widerlegung hoffend, die er aber nicht finden kann, sondern stattdessen im Grunde auf die Fortf\u00fchrung der angestammten Raubbauwirtschaft st\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Ulrichs Text umfasst einen wesentlichen Teil jener Grundgedanken, die schon seit etlichen Jahren meine eigene Wahrnehmung fast aller sich auf der Kurzfrist- oder Mittelfristagenda tummelnden politischen und \u00f6konomischen Themen quasi als Hintergrundraunen begleiten: Da steht immer und \u00fcberall ein Elefant in Raum, der alles zu zertrampeln droht, den aber trotzdem kaum jemand sehen will \u2013 die \u00f6kologische Globalkatastrophe. Drei der Aspekte des Artikels m\u00f6chte ich kurz anrei\u00dfen, die, obwohl essenziell, im allgemeinen Diskurs in dieser Art eher selten auftauchen.<\/p>\n<p>1. Wir m\u00fcssen mit wachsendem Entsetzen zur Kenntnis nehmen, dass die sich peu a peu durchsetzende j\u00fcngste Haupttendenz in der globalen wie nationalen Umweltpolitik (teils auch im gesellschaftlichen Umweltbewusstsein) die De-facto-Abkehr vom Willen zur \u00f6kologischen Wende ist. Als Extremfall wirkt die Trump-Regierung, die nicht nur jedes \u00f6kologische Bem\u00fchen sabotiert, sondern massiv bek\u00e4mpft. Daneben finden wir bei nahezu allen internationalen Umweltkonferenzen und nationalen Politikans\u00e4tzen j\u00fcngster Zeit in der Sache: Stillstand, absehbares Nichterreichen vormals verk\u00fcndeter\/vereinbarter Zielmarken, Ziel-Verw\u00e4sserung, Reduktion und Verlangsamung der Bem\u00fchungen etc. Der CO2-Eintrag in die Atmosph\u00e4re sinkt nicht etwa, er steigt. Ebenso die Plastikverm\u00fcllung von Meeren und Atmosph\u00e4re, ebenso der Fl\u00e4chenverbrauch und das Artensterben.<\/p>\n<p>Ulrich bringt nun zudem einen h\u00e4ufig \u201evergessenen\u201c Umstand in Erinnerung: Selbst wenn die Menschheit die vor 10, 15 Jahren in Paris und anderw\u00e4rts gefassten Wende-Vors\u00e4tze in die Tat umgesetzt h\u00e4tte, und weniger CO2, weniger Plastikm\u00fcll, weniger Fl\u00e4chenverbrauch verursachen w\u00fcrde: \u201eWeniger\u201c ist nicht Null, sondern bedeutet weiterhin \u201emehr\u201c Anwachsen der sich seit Jahrzehnten resp. zwei Jahrhunderten aufsummierenden Belastungen\/Zerst\u00f6rungen, schlie\u00dflich bis hin zu den unumkehrbaren \u00f6kologischen Kipppunkten.<\/p>\n<p>2. \u201eMan k\u00f6nnte lange dar\u00fcber streiten, ob die Klimakrise f\u00fcr sich genommen zu einer \u00f6kologischen Katastrophe ausartet, die unserer heutigen Zivilisation ihre Grundlage entzieht, und wenn ja, wann. Werden wir bis 2050 bei zwei Grad sein oder bei drei? (\u2026) Die wissenschaftlich grundierte Klimadebatte erzeugt immer wieder Genauigkeitserwartungen, die sie dann nicht erf\u00fcllen kann. Daraus entsteht der Eindruck, dass man doch letztlich nicht genau wisse, wie schlimm es komme, und jetzt mal halblang. Das funktioniert jedoch nur, weil die Klimakrise \u00fcblicherweise nicht mit den anderen \u00f6kologischen Krisen zusammengedacht wird. (\u2026).\u201c<\/p>\n<p>Dabei sei sonnenklar, so Ulrich weiter \u201edass die Kombination aus Ausd\u00fcnnung der biologischen Netze, also Artensterben, aus Korallenbleiche und Mikroplastik im Meer bei gleichzeitiger \u00dcberfischung und \u00dcbers\u00e4uerung, aus Bodendegradation, Wasserknappheit und Gletscherschmelze, aus Waldsterben und steigender Pandemie-Wahrscheinlichkeit, aus Insektensterben, Insektenmigration und Pilzbefall der Monokulturen selbst schon den Begriff der Katastrophe rechtfertigen w\u00fcrde, wenn das alles nicht durch die steigenden Temperaturen auch noch ins Quadrat gesetzt w\u00fcrde.\u201c Es sei schier unvorstellbar, dass die Menschheit es noch lange aush\u00e4lt, ihren wichtigsten Beschluss (in die \u00f6kologische Katastrophe zu gehen; ape) nicht zu ihrem wichtigsten Thema zu machen. Denn trotz aller strapazi\u00f6sen Verdr\u00e4ngungsmechanismen sei eigentlich unsere Gegenwart ohne den gr\u00f6\u00dften anzunehmenden Elefanten im Raum nicht mehr zu verstehen.<\/p>\n<p>3. Noch einen Gedanken des \u201eZeit\u201c-Autors, der sich erstmal setzen muss, der in Ruhe \u00fcberdacht sein will: \u201eDer Rechtspopulismus bietet den Leuten eine menschenverachtende, gegenwartsgierige Ideologie an, die zur naturverachtenden, zukunftszynischen Praxis (der regressiven Umweltpolitik. Ape) passt. Planetare Empathielosigkeit auf diese Weise politisch zu bejahen \u2013 f\u00fcr diese Ideologie m\u00fcsste ein Name erst noch gefunden werden, Faschismus w\u00e4re vielleicht zu antiquiert.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Bernd Ulrich hat in der j\u00fcngsten Ausgabe der \u201eZeit\u201c (Nr. 52, 4.12.25) einen ganzseitigen Artikel tiefer Nachdenklichkeit und zugleich scharfer Analyse geschrieben. 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