{"id":594,"date":"2020-03-07T23:00:00","date_gmt":"2020-03-07T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2020\/03\/07\/die-frau-ein-starkes-geschlecht-seit-jeher\/"},"modified":"2020-03-07T23:00:00","modified_gmt":"2020-03-07T22:00:00","slug":"die-frau-ein-starkes-geschlecht-seit-jeher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2020\/03\/07\/die-frau-ein-starkes-geschlecht-seit-jeher\/","title":{"rendered":"Die Frau &#8211; ein starkes Geschlecht seit jeher"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape<\/strong><\/em>. Als J\u00e4ger war der Mann der Hauptern\u00e4hrer. Als &#8222;Nestbauerin&#8220; versorgte die Frau Heim, Herd, Kinder \u2013 so lautete die tradierte Vorstellung, wie Menschen seit der Steinzeit gelebt haben. J\u00fcngere und j\u00fcngste Forschungen aus Arch\u00e4ologie und Anthropologie beweisen indes: Diese Rollenbilder hat es so in der Steinzeit weder beim Homo sapiens noch vermutlich bei seiner Geschwisterspezies der Neandertaler gegeben.<\/p>\n<p>Bewiesen wurde aktuell etwa, dass die steinzeitlichen H\u00f6hlenmalerein in S\u00fcdfrankreich nicht nur &#8211; wie bisher angenommen &#8211; von M\u00e4nnern (J\u00e4gern) angefertigt wurden. Dieser und manch anderer Anhaltspunkt legen nahe: Frauen nahmen an den Jagden teil. Was nach j\u00fcngeren Knochenuntersuchungen auch nicht verwundert: Frauen der Steinzeit k\u00f6nnten Hochleistungsportlerinnen der Gegenwart an Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer locker in den Schatten stellen. Fast alle modernen Forschungen f\u00fchren zu dem Ergebnis: Die steinzeitlichen Lebensgemeinschaften (10 bis 25 Personen) waren nicht patriarchalisch, sondern egalit\u00e4r organisiert.<\/p>\n<p>Andere Annahmen fr\u00fcherer Wissenschaftsgenerationen beruhen gro\u00dfenteils auf unhinterfragten Grund\u00fcberzeugungen der m\u00e4nnlich dominierten Fakult\u00e4ten (J\u00e4ger, Krieger, K\u00fcnstler, F\u00fchrer = starker Mann; Mutter, Sammler, Kindsversorger, Herdh\u00fcter = schw\u00e4chere Frau). Zu welchen Absurdit\u00e4ten diese Grundannahmen\/Vorurteile f\u00fchrten, zeigt ein Beispiel aus der Wikinger-Zeit: Eines der am reichsten mit Waffen und Anf\u00fchrerinsignien ausgestattetes Wikinger-Grab bei Birka (Schweden) wurde seit seiner Entdeckung und \u00fcber Jahrzehnte ganz selbstverst\u00e4ndlich als Grabst\u00e4tte eines bedeutenden Kriegers\/Heerf\u00fchrers betrachtet. Unl\u00e4ngst aber hat die genetische Untersuchung der \u00dcberreste des darin bestatteten Leichnams ergeben: das war in Wahrheit eine Frau.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Befunde gibt es mittlerweile auch von anderen Gr\u00e4bern, weshalb das so lange gepflegte Bild von der streng patriarchalischen Wikingergesellschaft neu \u00fcberdacht werden muss. Vergleichbares gilt auch f\u00fcr andere historische Kulturen. M\u00f6glicherweise m\u00fcssen auch die Frauenfiguren vom Typ G\u00f6nnersdorf aus der sp\u00e4teiszeitlichen Epoche neu bewertet werden. Bislang ging man davon aus, dass diese aus Mammutelfenbein geschnitzten oder in Schieferplatten geritzte hoch-\u00e4sthetische Frauendarstellungen von (schmachtenden, bewundernden, werbenden) M\u00e4nnern hergestellt wurden. Tats\u00e4chlich kann aber niemand ausschlie\u00dfen, dass es sich hier um weibliche Selbstbildnisse handeln k\u00f6nnte.&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wissenschaft stellt heute Zug um Zug fest, dass die reine M\u00e4nnerwissenschaft des 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts mit ihrem Frauenbild den Blick auf die arch\u00e4ologischen Befunde tr\u00fcbte und vielfach einseitig auf M\u00e4nnerdominanz verengte Befundinterpretationen hervorbrachte. \u00c4hnliches konstatierte indirekt auch schon Friedrich Engels in seiner 1884 erschienenen Schrift &#8222;Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates&#8220;. Darin erhellt er u.a., dass sehr viele der fr\u00fchen oder noch im &#8222;pr\u00e4zivilisatorischen&#8220; Stadium befindlichen Kulturen egalit\u00e4r oder matriarchalisch organisiert waren\/sind. Er kommt zu diesem Ergebnis auch, weil er seine Aufmerksamkeit auf eben jene anthropologischen Fakten richtet, die von der Anthropologie seiner Zeit als belanglos abgetan oder missachtet wurden.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte gut sein &#8211; und w\u00e4re zu w\u00fcnschen -, dass alsbald auch die noch immer stillschweigend festsitzende Annahme genauerer Pr\u00fcfung unterzogen wird, wonach die kleinen steinzeitlichen J\u00e4ger-und-Sammler-Gruppen im Kern aus Kleinfamilien heutigen Musters, also Vater\/Mutter\/Kindern, best\u00fcnden. Daf\u00fcr spricht n\u00e4mlich nach arch\u00e4ologischer Befundlage herzlich wenig. &nbsp;<\/p>\n<p>TV-Tip: Hochinteressant und weiterf\u00fchrend in diesem Themenfeld eine gestern auf arte ausgestrahle Wissenschaftssendung unter dem Titel &#8222;Geschlechterkonflikt &#8211; Frauenbilder der Geschichte&#8220; <a href=\"https:\/\/www.sendungverpasst.de\/content\/geschlechterkonflikt-frauenbilder-der-geschichte\">&gt; Hier in der Mediathek<\/a><\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Als J\u00e4ger war der Mann der Hauptern\u00e4hrer. Als &#8222;Nestbauerin&#8220; versorgte die Frau Heim, Herd, Kinder \u2013 so lautete die tradierte Vorstellung, wie Menschen seit der Steinzeit gelebt haben. 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