{"id":5804,"date":"2025-08-29T10:19:51","date_gmt":"2025-08-29T09:19:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=5804"},"modified":"2025-08-29T10:19:54","modified_gmt":"2025-08-29T09:19:54","slug":"noch-einmal-sommernachtstraeume-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2025\/08\/29\/noch-einmal-sommernachtstraeume-quergedanken\/","title":{"rendered":"Noch einmal: Sommernachtstr\u00e4ume (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre>    Monatskolumne Nr. 242, 29. August 2025<\/pre>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/quergedanken_logo_0.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-51\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/quergedanken_logo_0.jpg\" alt=\"quergedanken_logo\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a>\u00a0 Mitte August. Nach einem der Hitzetage sitze ich mit Freund Walter in d\u00f6siger Ersch\u00f6pfung auf der Veranda. Wir suchen ein Thema f\u00fcr die September-\u201cQuergedanken\u201c. Den dr\u00f6gen Hirnk\u00e4sten will aber keines einfallen. Es dr\u00e4ngt sich nur immerfort auf, wor\u00fcber alle schreiben, reden, sich aufregen: der Politkram. Ist wichtig, ist n\u00f6tig, denn noch dreht die Menschenwelt sich ja weiter, freilich verkehrt herum. Doch dazu habe ich keine Lust. Walter schl\u00e4gt vor: \u201eDu hast vor langer Zeit mal ein h\u00fcbsches Textchen geschrieben mit Sommerabend-Impressionen. Daran h\u00e4tten viele ihre Freude.\u201c Hmmm, einen alten Text aufw\u00e4rmen? Geht mir irgendwie gegen den Strich. Aber, ach, was soll\u2019s: Im Fernsehen wird st\u00e4ndig alles dutzendfach wiederholt. Da kann ich nach fast 20 Jahren auch ein olles Schmankerl nochmal aufs Tapet bringen, das so sch\u00f6n zum Hochsommerausklang passt. Also denn:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Weg zum Sommerabendgl\u00fcck f\u00fchrt \u00fcber die Parkplatzsuche. Moselufer runter, Rheinufer rauf, zum Schloss r\u00fcber \u2013 schleichen, sp\u00e4hen, hupen, winken, warten. Drumherum str\u00f6mt es Richtung Altstadt: Paare, Gruppen, Einzelg\u00e4nger. Eilig dieser, er darf ein Date nicht verpassen. Gem\u00e4chlich jene beiden, sie haben sich schon gefunden. Laut sich ihrer Kraft versichernd, die Jungs aus den Kasernen; noch zur\u00fcckhaltend ihren Auftritt probend, die h\u00fcbsch herausgeputzten M\u00e4dchen. Die L\u00fccke auf dem Theaterparkplatz, der Weg hin\u00fcber ins Zentrum \u2013 durchs Dunkel der Torb\u00f6gen unterm Rathaus flie\u00dft den Hinzukommenden ein Raunen, Sirren, Summen, entgegen, wie es Hunderte anr\u00fchren, die sich den Freuden von ins Freie verlegten Caf\u00e9s, Gasth\u00e4usern, Kneipen, Weinstuben und allgemeiner Geselligkeit ergeben.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Luft ist schwer, \u00f6lig fast von der nur langsam ablaufenden Schw\u00fcle. Die Stadt aalt sich in mediterraner Nonchalance. Schwitzend erbl\u00fcht die Leichtigkeit des Seins; der Platz wird zur Plaza \u2013 und hinter der n\u00e4chsten H\u00e4userzeile m\u00f6chte man einen abendlich leeren Strand an vor sich hin pl\u00e4tscherndem Meer vermuten, dessen schw\u00e4rzer werdende Oberfl\u00e4che eben das letzte Glutrot der untergehenden Sonne verschluckt hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Durch die Gassen str\u00f6mt Gelassenheit. Die Menschen schlendern, bummeln, flanieren. Diesen ist\u00b4s einerlei, ob man sie betrachtet, \u00fcber sie redet. Jene wollen betrachtet und besprochen sein, ihnen ist die Stra\u00dfe ein Laufsteg. So ein Sommerabend nimmt den M\u00e4nnern H\u00e4rte, unterstreicht der Frauen Anmut. Er \u00fcbergie\u00dft Sch\u00f6nheit mit mehr Sch\u00f6nheit, erhebt Durchschnittlichkeit in den Rang des Besonderen, und selbst graugesichtiger Verkniffenheit flicht er noch eine Blume ins Haar.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Abend geh\u00f6rt dem Cappuccino und dem Wein, dem zischenden Bier, der Zigarre oder der Eist\u00fcte. Und immer wieder geh\u00f6rt er auch dem genie\u00dfenden Blick auf die Gen\u00fcsse anderer. M\u00e4nneraugen bleiben an Frauengestalten h\u00e4ngen, die schwindelig machen. Wie schwebend verweilen sie, wie tanzend ziehen sie weiter. Blicke ertrinken in Gl\u00e4sern oder in den Gesichtern ihrer Gegen\u00fcber. Ein gro\u00dfes Wohlf\u00fchlen, ein Herzen und Streicheln erf\u00fcllt die Stadt \u2013 z\u00e4rtlich und verspielt, neckend und frivol, unschuldig, aber voller Lust. Dies ist die Stunde des Werbens und Umschw\u00e4rmens. Ihr wird die Stunde des Begehrens folgen, w\u00e4hrend der H\u00e4nde einander finden und K\u00fcsse sich auf den Weg machen. Am Ende werden Gl\u00fcckliche von nicht ganz so Gl\u00fccklichen geschieden sein: Paare umschlungen davonziehen, Alleingebliebene ihnen l\u00e4chelnd nachschauen und melancholisch ihre Gl\u00e4ser halten. Sommernachtstr\u00e4ume.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumne Nr. 242, 29. August 2025 \u00a0 Mitte August. Nach einem der Hitzetage sitze ich mit Freund Walter in d\u00f6siger Ersch\u00f6pfung auf der Veranda. Wir suchen ein Thema f\u00fcr die September-\u201cQuergedanken\u201c. Den dr\u00f6gen Hirnk\u00e4sten will aber keines einfallen. 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