{"id":5790,"date":"2025-07-29T09:45:08","date_gmt":"2025-07-29T08:45:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=5790"},"modified":"2025-07-29T09:45:13","modified_gmt":"2025-07-29T08:45:13","slug":"es-war-einmal-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2025\/07\/29\/es-war-einmal-quergedanken\/","title":{"rendered":"Es war einmal &#8230; (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre>   Monatskolumne Nr. 241, 29. Juli 2025<\/pre>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/quergedanken_logo_0.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-51\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/quergedanken_logo_0.jpg\" alt=\"quergedanken_logo\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a>\u00a0Wenn ich mit jungen Leuten plaudere, taucht oft die Frage auf, wie alt ich sei. Eine Antwort lautet: \u201eIch bin schon so alt, dass ich als Kind noch eine Zeit erlebt habe, in der es noch kein Plastik und keine Superm\u00e4rkte gab.\u201c Dieser Satz ruft verwunderte bis ungl\u00e4ubige Blicke hervor, fast als h\u00e4tte ich mein Geburtsdatum auf \u201eSteinzeit\u201c terminiert. Also gebe ich zu bedenken: Kinners, so lange liegt das gar nicht zur\u00fcck. Nicht mal eine volle Lebensspanne. Da werden die Gesichter nachdenklich und Fragen kommen: \u201eWie ging denn das, wie kam man \u2013 ohne Superm\u00e4rkte \u2013 an seine Lebensmittel und Haushaltswaren? Wie lebte man denn ohne Kunststoffe?\u201c Also erz\u00e4hle ich von meiner Kindheit an der Wende von den 1950ern zu den 1960ern in einer 7000 Einwohner z\u00e4hlenden Kleinstadt.<\/p>\n<p>Entlang einiger hundert Stra\u00dfenmeter reihten sich dort kleine L\u00e4den. Allein im Stadtkern gab es vier B\u00e4ckereien plus zwei Konditoreien mit Caf\u00e9s; dazu drei Metzgereien und acht Wirtsh\u00e4user. Beim B\u00e4cker konnte man neben Backwaren auch Nudeln, Mehl, Hefe, Zucker erstehen \u2013 und sowieso all das an Geschnuckels, was Kinderherzen begehrten. Aus Glaskolben sch\u00f6pfte die B\u00e4ckerin einem f\u00fcr zwei Groschen ein Sch\u00e4ufelchen Gummib\u00e4ren oder Bonbons, Lakritze, Brausestangen in ein Papiert\u00fctchen. Ging man mit der Oma einkaufen, konnte manchmal sogar eine der Schokoladentafeln in der Einkaufstasche landen, von denen in einem Seitenregal drei Sorten lagen.<\/p>\n<p>Da war der Milch-Kramer, der aus seiner K\u00fchlanlage Milch in die von Kunden mitgebrachten Blechkannen oder Glasflaschen zapfte. Kramer f\u00fchrte auch Quark, Yogurt, Sahne und vier Sorten Hartk\u00e4se. Alles in gro\u00dfen Kannen und B\u00fctten schwimmend oder Bl\u00f6cken lagernd, von denen Herr oder Frau Kramer die gew\u00fcnschten Portionen in diverse Glas-, Blech- Keramik-Beh\u00e4ltnisse f\u00fcllte oder in gewachstes Papier wickelte. \u00c4hnlich ging es bei Gem\u00fcse-M\u00fcller zu. Da standen Obst, Gem\u00fcse, Salat in Holzkisten gereiht. Die Ware zu begrapschen war verp\u00f6nt. Man orderte \u201edavon einen Kopf, davon ein Kilo und von denen f\u00fcnf St\u00fcck\u201c. M\u00fcller kam mit der Waagschale, packte drauf, wog ab, sch\u00fcttete in Papiert\u00fcten, wickelte in Zeitungspapier, kippte etwa Kartoffeln oder \u00c4pfel direkt in den Korb oder die Einkaufstasche aus Stoff\/Leder, ohne die dunnemals kein Mensch einkaufen ging.<\/p>\n<p>Bedient wurde \u00fcberall, Selbstbedienung kannte man nicht, Plastikt\u00fcten und -verpackungen ebenso wenig. Die gab es noch nicht und die brauchte auch niemand. Denn viel von dem, was heute aus Plastik ist, existierte damals schon, allerdings bestehend aus Metall, Glas, Keramik, Holz, Papier\/Karton, Leder, Stoff, Horn, (Natur)Gummi etc. Drogerie, Apotheke, Schreibwaren-\/B\u00fccherladen, Eisenhandel\/Werkzeuge\/Maschinen, zwei Schuhl\u00e4den, zwei Bekleidungsgesch\u00e4fte, Schmuck\/Uhren\/Brillen, zwei Radio\/TV\/Elektrik-Gesch\u00e4fte (mit Werkstatt) und manches mehr. Das kleine St\u00e4dtchen war in summa ein Vollsortimenter. Und obendrein fuhren regelm\u00e4\u00dfig laut bimmelnd oder hupend u.a. B\u00e4ckerauto. Gem\u00fcselaster, motorisierter Getr\u00e4nkekutscher die Stra\u00dfen ab, \u00e4u\u00dfere Stadtteile und umliegende D\u00f6rfer an.<\/p>\n<p>Der erste Supermarkt tauchte 1963 auf. Nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben ein winziges M\u00e4rktchen mit einem schmalen kurzen Rundgang zwischen den Regalen. Dort waren alle Warengruppen vertreten, die auch heute noch \u00fcblich sind. Doch gab es von jeder Produktart nur zwei, drei Sorten. Mehr brauchte kein Mensch \u2013 aber es kam mehr, noch mehr und immer mehr. Zeitgleich begann auch die Plastikepoche, die mit T\u00fcten, Flaschen, Sch\u00fcsseln, Boxen, Verpackungen, Klamotten, Spielzeug, Technikger\u00e4ten aus Kunststoff das Alltagsleben geflutet und nachfolgend unsere Meere in die heutigen Plastikkloaken verwandelt hat.<\/p>\n<p>Freund Walter stichelt: \u201eHast du einen Nostalgien-Anfall und meinst, fr\u00fcher sei alles besser gewesen?\u201c Ach was, Quatsch. Fr\u00fcher war das meiste schlechter. Dennoch w\u00e4re es bei einigen Dingen gescheiter, man h\u00e4tte sie beibehalten. Sowieso frage ich mich: Warum werden immer wieder jene Erfindungen Mainstream, die bei massenhafter Daueranwendung zu den \u00fcbelsten Folgen f\u00fchren? <\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumne Nr. 241, 29. 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