{"id":5749,"date":"2025-05-28T07:22:21","date_gmt":"2025-05-28T06:22:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=5749"},"modified":"2025-05-28T07:22:23","modified_gmt":"2025-05-28T06:22:23","slug":"vom-grossen-glueck-eines-kleinen-gartens-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2025\/05\/28\/vom-grossen-glueck-eines-kleinen-gartens-quergedanken\/","title":{"rendered":"Vom gro\u00dfen Gl\u00fcck eines kleinen Gartens (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre>    Monatskolumne Nr. 239, 28. Mai 2025<\/pre>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/quergedanken_logo_0.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-51\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/quergedanken_logo_0.jpg\" alt=\"quergedanken_logo\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a>\u00a0Als ich Kind war (vor rund 60 Jahren), grummelte ich stets missmutig, wenn der alte Herr mal wieder verk\u00fcndete: \u201eHeute geht\u2019s in den Garten\u201c. Graben, hacken, rechen, s\u00e4en, pflanzen, j\u00e4ten, ernten: Das alles fand der Bub stinklangweilig und unn\u00f6tig anstrengend. Denn schon damals konnte man in seinem Kindheitsst\u00e4dtchen am Neckar beim Gem\u00fcseh\u00e4ndler Maier kaufen, was ein Haushalt an Gr\u00fcnzeug und Obst brauchte. Hielt er dem Papa diese feine Alternative zur schwei\u00dftreibenden Fron im eigenen Garten entgegen, erz\u00e4hlte der jedesmal was von \u201eGeld sparen\u201c und \u201eFreude an der Gartenarbeit\u201c. Was dem Knaben partout nicht in den Kopf wollte.<\/p>\n<p>Das blieb so auch die Jugendzeit hindurch erst in Heidelberg, dann Mannheim, dann Koblenz. Wild-renitenter Sturm-und-Drang in st\u00e4dtischem Umfeld bedurfte keiner erdverbundenen G\u00e4rtelei. Doch kaum hatte der Kerl 1980 jenes kleine, 1946 erbaute H\u00e4uschen im Westerwald bezogen, in dem er noch heute haust, brach sich ein seltsamer Drang Bahn: Er riss von einer ordentlichen Ecke des Grundst\u00fccks die Grasnarbe weg, lie\u00df Spaten und Hacke tanzen \u2013 um fortan und bis heute zu tun, was fast alle Altd\u00f6rfler seit jeher taten: eigenes Gem\u00fcse anbauen.<\/p>\n<p>Freund Walter meint, ich w\u00e4re eben das b\u00e4uerliche Erbe meiner odenw\u00e4lder Herkunft nie losgeworden. \u201eDu brauchst das einfach, dieses Buddeln im Dreck, dieses Erleben und Verantworten von Wachsen und Gedeihen, dieses Ernten und Verzehren der Fr\u00fcchte eigener H\u00e4nde Arbeit \u2013 allerhand Verdruss durch Witterung oder Ungeziefer sowie manch schmerzhaftem Muskelkater zum Trotz.\u201c Mag sein, aber damit bin ich ja nicht allein. Schlie\u00dflich waren die Vorfahren der meisten Menschen Bauern. \u00dcber Jahrtausende stellten sie einen betr\u00e4chtlichen Teil ihrer Lebensmittel selbst her, bis das Industriezeitalter sie von der Scholle zerrte und in St\u00e4dte zw\u00e4ngte. Aber selbst dann noch wirkte und wirkt das Bauernerbe nach: Die Kultur der Schreberg\u00e4rten und Hinterhausg\u00e4rten war in proletarischen und kleinb\u00fcrgerlichen Milieus weit verbreitet, sowohl der Not wie der Sehnsucht nach Naturverbundenheit geschuldet.<\/p>\n<p>Gerade in unseren Tagen boomen solche \u201eErg\u00e4nzungskulturen\u201c oder \u201eFreizeitkulturen\u201c wieder. Im Umland der St\u00e4dte ist die Nachfrage nach Gartenparzellen weithin viel gr\u00f6\u00dfer als das Angebot. Das Erlebnis von selbst angebautem Gem\u00fcse mit ganzem K\u00f6rpereinsatz unter freiem Himmel ist nunmal etwas v\u00f6llig anderes als das sitzende Herumfingern an steril-digitalem Krempel. Freilich, nicht jede und jeden zieht es in der Freizeit zum privaten Ackerbau auf die Scholle. Manchen mangelt es an M\u00f6glichkeiten. Andere sind schon mit ein bisschen Gr\u00fcn zufrieden, durch das sie spazieren oder zwischen dem sie relaxen k\u00f6nnen. Wieder anderen ist das b\u00e4uerliche Erbe derart abhanden gekommen, dass sie selbst ihre winzigen Vorg\u00e4rten mit Schottersteinen zusch\u00fctten.<\/p>\n<p>Letzteres findet selbst Walter \u201eabstrus\u201c, obwohl er auf seiner Pachtparzelle hoch \u00fcber der Mosel von Gartenbau so gar nichts zu halten scheint: Ein paar Holzkl\u00f6tze zum Sitzen an einer Feuerstelle, ein behelfsm\u00e4\u00dfig zusammengezimmerter Unterstand f\u00fcr Schlechtwetter \u2013 drumherum nur Wildwuchs. Dort hocken wir bisweilen, plaudern oder blicken schweigend in die Landschaft, trinken unser Bier und halten Stockw\u00fcrstchen \u00fcbers Feuer. Manchmal aber sinniert er doch: \u201eVielleicht sollte ich die verknorzten Pflaumen- und Kirschb\u00e4ume mal rekultivieren.\u201c Da bricht sein Schnapsbrenner-Erbe durch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumne Nr. 239, 28. Mai 2025 \u00a0Als ich Kind war (vor rund 60 Jahren), grummelte ich stets missmutig, wenn der alte Herr mal wieder verk\u00fcndete: \u201eHeute geht\u2019s in den Garten\u201c. Graben, hacken, rechen, s\u00e4en, pflanzen, j\u00e4ten, ernten: Das alles fand der Bub stinklangweilig und unn\u00f6tig anstrengend. 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