{"id":563,"date":"2019-11-24T23:00:00","date_gmt":"2019-11-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/11\/24\/gretchenfrage-wie-haeltst-du-es-mit-weihnachten\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:11","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:11","slug":"gretchenfrage-wie-haeltst-du-es-mit-weihnachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/11\/24\/gretchenfrage-wie-haeltst-du-es-mit-weihnachten\/","title":{"rendered":"Gretchenfrage: Wie h\u00e4ltst du es mit Weihnachten?"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Doch ja, ich mag Traditionen. Ein paar zumindest. Am liebsten jene, die alle Jahre wieder gute Laune, gem\u00fctliche Plauderrunden nebst ordentlich Speis\u2018 und Trank in die Bude bringen. Und bei denen ich sicher sein kann, dass sie auch diesmal so angenehm ablaufen wie in vielen Vorjahren. Weshalb ich nicht begreife, warum manche Leute und Familien stets aufs Neue versuchen, Weihnachten, Ostern, Silvester, Kirmes etc. zu feiern. Denn es gibt da reichlich Zeitgenossen, bei denen allj\u00e4hrlich au\u00dfer Stress, Muffigkeit, gar Zankerei wenig rumkommt. Soziologisch ist das ein altbekanntes Ph\u00e4nomen: Nirgends wird mehr gestritten als bei famili\u00e4ren Festen und unterm Weihnachtsbaum.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nFreund Walter teilt meine Vorliebe f\u00fcr Traditionsfeiern nicht. Er behauptet, nur ein einziges Volksfest zu m\u00f6gen. Das sei Karneval, weil da die Sitten des Turtelns zwischen den Geschlechtern weniger verkrampft ausfielen und er es unbeanstandet genie\u00dfen d\u00fcrfe, sich von wuschigen Narrhallesinnen erobern zu lassen. Doch hockt er stets bei uns am Festtagstisch, wann immer Essen, Trinken, Plaudern angesagt sind. Da verdr\u00fcckt er etwa am Weihnachtsabend vergn\u00fcgt mein seit ewigen Zeiten stets gleiches Festessen aus ganzem Truthahn mit Kn\u00f6deln und Rotkraut. Anbei l\u00e4stert er \u00fcber die Verwachsungen unseres geschm\u00fcckten Tannenbaums aus nachbarlichem Halbwildwuchs und am\u00fcsiert er sich \u00fcber meinen Schwips, der w\u00e4hrend dreier Stunden am Herd infolge besorgten Pr\u00fcfens der Temperierung von Wein und Weihnachtsbockbier zuf\u00e4llig \u00fcber mich kommt.<\/p>\n<p>Das sind seit Jahrzehnten feste Rituale, deren beruhigender Reiz von ihrer Absehbarkeit r\u00fchrt.&nbsp;&nbsp; Ambitionierte \u00dcberraschungen, gar \u00c4nderungen des Speiseplans oder Neuerungen etwa durch Weglassen des Tannenbaums \u2013 solche Initiativen stie\u00dfen allemal reihum auf Protest. Was auch f\u00fcr die Geschenke gilt: Das waren und bleiben Kleinigkeiten. Vor Jahren hatte sich Walter mal mokiert: \u201eWie kannst du als eingefleischter Atheist nur so viel Freude an diesen christlichen Festen haben?\u201c Damals verpasste ich ihm jene Belehrung, die der Leserschaft dieser Kolumne bekannt ist, weil hier wiederholt vorgetragen: Fast s\u00e4mtliche christlichen Feste haben Brauchtumsvorl\u00e4ufer in lange vorchristlicher Zeit.<\/p>\n<p>Weihnachten etwa wird seit mindestens 5000 Jahren begangen, weil die \u201egeweihte Nacht\u201c oder auch die \u201erauhe Nacht\u201c eben die l\u00e4ngste des Jahres ist, Wintersonnwende. Tannenbaum und Lichterkranz sind ebenso vorchristlichen Ursprungs wie Osterhase und Eier oder der Rutenstreich des Nikolaus. Letzterer wurde urspr\u00fcnglich zwischen die Beine junger Frauen und M\u00e4nner gef\u00fchrt \u2013 auf dass sie sich eifrig miteinander vergn\u00fcgen und fruchtbar seien. Selbst f\u00fcr den Laternenzug oder Martinszug lassen sich vorchristliche Urspr\u00fcnge finden, gleicherma\u00dfen f\u00fcr Weihnachtsm\u00e4rkte oder Fastnacht.<\/p>\n<p>Weshalb es v\u00f6llig in Ordnung geht, wenn auch Nichtdeutsche, Andersgl\u00e4ubige oder das religionslose gute Drittel der Bev\u00f6lkerung diese Feste feiern. Denn es sind Traditionen unserer Landschaft \u2013 die keltische, germanische, r\u00f6mische, christliche Elemente miteinander verschmolzen haben. Was mich um diese Traditionen derzeit am meisten besorgt macht, ist ihre Totalkommerzialisierung. An die Stelle von Besinnlichkeit und Behaglichkeit tritt immer noch mehr das Geschrei \u201eKaufen, kaufen, kaufen!\u201c. Walter h\u00e4lt stoisch-trotzig dagegen: \u201eDu machst doch hoffentlich wieder deinen Truthahn?!\u201c Ei sicher dat.&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Doch ja, ich mag Traditionen. Ein paar zumindest. 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