{"id":56,"date":"2018-03-20T23:00:00","date_gmt":"2018-03-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/03\/20\/wie-an-diesem-stinknormalen-tag-so-mag-ich-sie-meine-heimat\/"},"modified":"2018-03-20T23:00:00","modified_gmt":"2018-03-20T22:00:00","slug":"wie-an-diesem-stinknormalen-tag-so-mag-ich-sie-meine-heimat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/03\/20\/wie-an-diesem-stinknormalen-tag-so-mag-ich-sie-meine-heimat\/","title":{"rendered":"Wie an diesem stinknormalen Tag, so mag ich sie &#8211; meine Heimat"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape.<\/strong> Heimatgef\u00fchle, gestern: P\u00fcnktlich wie die sprichw\u00f6rtlichen Maurer beginnen sie in der Fr\u00fch mit der Arbeit, machen punkt 9 Fr\u00fchst\u00fcck, punkt 12 Mittag und ebenso p\u00fcnktlich verdienten Feierabend. Mit Kleinbagger und Schaufel heben die beiden Stra\u00dfenarbeiter bei jedem Wetter unsere Gasse entlang einen schnurgeraden Graben zwecks Gasrohrverlegung aus. Der eine spricht nur wenig Deutsch, ruft mir aber bei jedem Vorbeikommen radebrechend eine humorige Bemerkung zu, die ich leider kaum verstehe. Im Gegensatz zu seinem stets laut auflachenden Seniorkollegen, einem gem\u00fctlichen Ur-Westerw\u00e4lder. Die beiden kommen sichtlich gut miteinander aus, nur dass der Alte den bisweilen \u00fcbereifrigen Jungen hie und da etwas bremst. Sie haben die Ruhe weg und gehen doch mit zielstrebiger Sicherheit ihrem Auftrag nach.<\/p>\n<p>Kleiner Waldspaziergang meinerseits zum Tagesbeginn. Sch\u00f6n, schei\u00dfkalt, aber die Sonne scheint und die V\u00f6gel turtelzwitschern. Hernach steht Resteeinkauf an. Will sagen: Beschaffung jener Allt\u00e4glichkeiten, die nicht aus eigener Ernte oder aus dem Bioladen kommen. Die Metzgerin seit 40 Jahren in breitestem W\u00e4ller-Dialekt (\u00fcbersetzt): &#8222;Ich leg EUCH das Endst\u00fcck so dazu, DU kannst&#8217;s vertragen.&#8220; Meine B\u00e4ckereiverk\u00e4uferin seit 10 Jahren, \u00fcber und \u00fcber t\u00e4towiert, in Ruhrpott-Tonlage mit britischem Einschlag (weil mit einem eingewanderten Schotten verheiratet): &#8222;Au weh, von Ihrem Brot, Herr Pecht, ist keins mehr da. What nu?&#8220;<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter am Tag, runter ins Rheintal nach Koblenz: Gehobenes Essengehen ist angesagt. Im R\u00fccken geht gl\u00fchend die Sonne unter. An der Tankstelle kassiert ein junger Afrodeutscher, der herrliches Ur-K\u00f6lsch spricht. Im Restaurant bedient eine freundliche Asiatin, deren Hochdeutsch nach feinstem Oxford-English klingt und die dir Eingenarten wie Anbauhintergr\u00fcnde der Rhein-Mosel-Weine die Karte rauf und runter erkl\u00e4ren kann. Der vom Ort stammende Koch spricht ein etwas geziertes Deutsch, das wohl die Kowelenzer Grundierung gern los w\u00e4re, aber nicht los wird.<\/p>\n<p>Der Automat im Parkhaus will meinen F\u00fcnfer nicht schlucken. Ich hantiere anhaltend ungehalten &#8211; derweil hinter mir drei junge M\u00e4nner t\u00fcrkischer, afghanischer oder balkanesischer Herkunft miteinander in mir fremder Sprache \u00fcber irgendwas pallavern. Da tippt mir einer von ihnen auf die Schulter und sagt: &#8222;Soll ich sie helfen, Opa.&#8220; Den Opa nehm&#8216; ich krumm, die Hilfe aber an. Der Helfer bringt den Apparat allerdings ebensowenig zur Vernunft. Worauf ich bemerke: &#8222;Du kannst es wohl auch nicht besser, S\u00f6hnchen.&#8220; Verdutzte Blicke, dann allgemeines Gel\u00e4chter.<\/p>\n<p>Wie an diesem stinknormalen Tag, so mag ich sie &#8211; meine Heimat.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Heimatgef\u00fchle, gestern: P\u00fcnktlich wie die sprichw\u00f6rtlichen Maurer beginnen sie in der Fr\u00fch mit der Arbeit, machen punkt 9 Fr\u00fchst\u00fcck, punkt 12 Mittag und ebenso p\u00fcnktlich verdienten Feierabend. Mit Kleinbagger und Schaufel heben die beiden Stra\u00dfenarbeiter bei jedem Wetter unsere Gasse entlang einen schnurgeraden Graben zwecks Gasrohrverlegung aus. Der eine spricht nur wenig Deutsch, ruft [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"archiv":[19,32],"archiv_inhaltlich":[],"class_list":["post-56","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","archiv-19","archiv-2018-03"],"acf":{"bild":"","anhang":""},"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56"},{"taxonomy":"archiv","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv?post=56"},{"taxonomy":"archiv_inhaltlich","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv_inhaltlich?post=56"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}