{"id":553,"date":"2019-10-21T22:00:00","date_gmt":"2019-10-21T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/10\/21\/ballett-wiesbaden-holt-nussknacker-aus-dem-schrank\/"},"modified":"2019-10-21T22:00:00","modified_gmt":"2019-10-21T21:00:00","slug":"ballett-wiesbaden-holt-nussknacker-aus-dem-schrank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/10\/21\/ballett-wiesbaden-holt-nussknacker-aus-dem-schrank\/","title":{"rendered":"Ballett Wiesbaden holt &#8222;Nussknacker&#8220; aus dem Schrank"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Wiesbaden\/ape<\/em><\/strong>. Das Ballett \u201eDer Nussknacker\u201c von 1892 ist ewiger Dauerbrenner f\u00fcr die Vorweihnachtszeit geblieben. In der Regel auf Familientauglichkeit angelegt, verbieten sich heftige Eingriffe in die m\u00e4rchenhafte Handlung sowie allzu viel abstrakte Moderne im Tanz. Tim Plegge, Chef des Hessischen Staatsballetts, h\u00e4lt sich bei seiner Choreografie weitgehend an dieses Prinzip. Ergebnis ist ein gef\u00e4lliger 135-Minuten-Abend, pr\u00e4chtig bis monumental ausgestattet, personell um Kinderballett und Jugendeleven verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/der_nussknacker_regina_brocke.jpg\" title=\"Reizendes Schneeflockenballett in Plegges &quot;Nussknacker&quot;-Choreografie. Foto: Regina Brocke  \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-552\" alt=\"\" class=\"image-large\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/der_nussknacker_regina_brocke.jpg\" style=\"height:320px; width:480px\" title=\"Reizendes Schneeflockenballett in Plegges &quot;Nussknacker&quot;-Choreografie. Foto: Regina Brocke  \" width=\"480\" height=\"320\" \/><\/a><\/p>\n<p>Einen befremdenden Faktor gibt es gleichwohl. Wie schon vor einem Jahr in Koblenz Steffen Fuchs, so hat auch Plegge in die Nussknacker-Musik von Tschaikowsky eingegriffen. Das Wiesbadener Orchester unter Patrick Lange spielt eine ver\u00e4nderte Reihenfolge der Nummern und hat ein zus\u00e4tzliches Instrument zur Seite: eine elektrische Hammondorgel, die in ihrem typischen Vibratosound der 1\u207960er swingend zum Weihnachtsfest bei Familie Silberhaus aufspielt. Das geht an, solange Organist Ralph Abelein als Solist agiert. Wenn sich aber die Hammond ins Orchestergeschehen einmischt, wird die Sache sehr eigent\u00fcmlich.<\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne bleibt es beim bekannten Spiel der zwei Sph\u00e4ren: Hier quasirealistisches Weihnachtsgetriebe und Beschenkung des M\u00e4dchens Marie mit einer Nussknacker-Figur; da geheimnisvolles M\u00e4rchentreiben \u2013 Maries Fantasie \u2013, das den Nussknacker, allerhand Puppen, Blumen und gar den ganzen Hofstaat von Zuckerburg lebendig werden l\u00e4sst. Plegges Choreografie hebt vor allem auf die fantastische Sph\u00e4re ab, w\u00e4hrend der Erz\u00e4hlstrang \u00fcber das reale Weihnachtsfest eher knapp ausf\u00e4llt und die dort handelnden Personen recht blass bleiben. Mit einer Ausnahme: Masayoshi Katori tanzt famos eine gallig-knorzig die Feststimmung st\u00f6rende Oma, die nachher zur Rattenk\u00f6nigin mutiert.<\/p>\n<p>Den \u00dcbergang zwischen beiden Sph\u00e4ren markieren Schr\u00e4nke. Jene M\u00f6bel also, in deren dunklem Inneren Kinder seit jeher Geheimnisvolles bis Bedrohliches vermuten. Das ist eine feine Idee, die Frank Philipp Schl\u00f6\u00dfmann f\u00fcr seinen B\u00fchnenbau einnehmend variiert: bald tanzen kleinere Schr\u00e4nke einen Reigen; bald kommt sich Marie vor einem meterhohen Schrankunget\u00fcm winzig vor; bald sitzen sie und der Nussknacker oben auf einer gewaltigen Schrankpyramide und betrachten vergn\u00fcgt das Treiben drunten.<\/p>\n<p>Zu sehen gibt es da allerhand, n\u00e4mlich die Parade der Solo- und Paart\u00e4nze, die dem klassischen Ballett als Divertissement so wichtig war. Hier wird daraus ein Abfolge spa\u00dfiger Nummern von Pferdetanz bis Cowboy-und-Indianer-Duett. Gef\u00e4hrlich wird es, als Maries Lumpenpuppen gegen die Rattenschar fechten. Und vollends Schluss mit Lustig ist, als das M\u00e4dchen es mit zwei Dutzend puppigen Abbildern ihrer selbst zu tun bekommt, die auch sie in eine Puppe verwandeln wollen.<\/p>\n<p>Vanessa Shield ist als Marie eine treffliche Besetzung. Klein und zart von Statur, verstr\u00f6mt ihr flotter, gel\u00f6ster, oft verspielter Tanzstil unschuldige M\u00e4dchenhaftigkeit. Bei Daniel Myers\u2018 Nussknacker bestechen die beiden Verwandlungen von steif-eckiger H\u00f6lzernheit in Lebendigkeit und sp\u00e4ter wieder zur\u00fcck. Die Compagnie ist reihum gut eingestellt, auch wenn Plegge bei&nbsp; Figurendichte und Schwierigkeitsgrad durchaus etwas h\u00e4tte zulegen d\u00fcrfen. Aber man soll nicht zu kleinlich urteilen \u00fcber eine Produktion, die vor allem eines will: dem Publikum vorweihnachtliche Freude bereiten. Und die unter anderem etwas so h\u00fcbsches hervorbringt wie das Schneeflockenballett, bei dem sich Kinder und Compagnie ganz in Wei\u00df unter leise rieselnden Flocken zu reizenden Tableaus finden.&nbsp;&nbsp; <em>Andreas Pecht<\/em>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiesbaden\/ape. Das Ballett \u201eDer Nussknacker\u201c von 1892 ist ewiger Dauerbrenner f\u00fcr die Vorweihnachtszeit geblieben. In der Regel auf Familientauglichkeit angelegt, verbieten sich heftige Eingriffe in die m\u00e4rchenhafte Handlung sowie allzu viel abstrakte Moderne im Tanz. Tim Plegge, Chef des Hessischen Staatsballetts, h\u00e4lt sich bei seiner Choreografie weitgehend an dieses Prinzip. 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