{"id":545,"date":"2005-04-25T22:00:00","date_gmt":"2005-04-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2005\/04\/25\/sommernachtstraeume\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:24","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:24","slug":"sommernachtstraeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2005\/04\/25\/sommernachtstraeume\/","title":{"rendered":"Sommernachtstr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend diese Zeilen aus der Feder flie\u00dfen (\u2026Red\u00b4 nicht so einen Schmus, du hackst den Kram auch blo\u00df in die Tastatur&#8230;) Mir ist aber jetzt nach Schmus: die Heizung bollert, ich habe trotzdem kalte F\u00fc\u00dfe; \u00fcberm Rheintal h\u00e4ngt tief ein h\u00e4ssliches Dach aus Grau, die R\u00e4nder&nbsp; festgezurrt an den umliegenden H\u00f6hen. Drau\u00dfen regnet es. (\u2026Wunderbar, so kriegt die Natur, was sie n\u00f6tig braucht..). Mag sein, aber das Fr\u00fchjahr vertut mit unterk\u00fchlter Tristesse&nbsp; allzu viele Tage, von denen wir uns fr\u00fche Sommerfreuden erhofft hatten.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nNoch einmal: W\u00e4hrend diese Zeilen aus der Feder flie\u00dfen, zerrt das Sehnen nach Sommer am Gem\u00fct. Gebe Gott (\u2026 ach ja, jetzt auf einmal\u2026), dass in den Tagen, die zwischen Niederschreiben und Lekt\u00fcre des Druckwerks liegen, eine Wende sich vollziehe, die der Wetter-Auguren d\u00fcstere Prognose f\u00fcr die Saison 2005 au\u00dfer Kraft setzt. Denn es gel\u00fcstet uns wieder nach jenen wunderbaren lauen Abenden, wie sie die Stadt, unsere Stadt, nur bieten kann, wenn des Tages Hitze zwischen den H\u00e4usern nachbr\u00fctet. (\u2026 Klar, am Stra\u00dfenrand tief und tiefer ins Glas gucken, den M\u00e4dels nachstieren, mit der Nachbarin S\u00fc\u00dfholz raspeln, dass es Sp\u00e4ne sprutzelt bis der Bagger kommt\u2026)<\/p>\n<p>Erinnerung\/Vorfreude.<\/p>\n<p>Der Weg zum Sommerabendgl\u00fcck f\u00fchrt \u00fcber die Parkplatzsuche. Moselufer runter, Rheinufer rauf, zum Schloss r\u00fcber \u2013 schleichen, sp\u00e4hen, hupen, winken, warten, rangieren. Drumherum str\u00f6mt es Richtung Stadt: Paare, Gruppen, Einzelg\u00e4nger. Eilig dieser, er darf ein Date nicht verpassen. Gem\u00e4chlich jene beiden, sie haben sich schon gefunden. Laut sich ihrer Kraft versichernd, die Jungs aus den Kasernen; noch zur\u00fcckhaltend ihren Auftritt probend, die h\u00fcbsch herausgeputzten M\u00e4dchen. Die L\u00fccke auf dem Theaterparkplatz, der Weg hin\u00fcber ins Zentrum \u2013 durchs Dunkel der Torb\u00f6gen unterm Rathaus flie\u00dft dem Hinzukommenden ein&nbsp; Raunen, Flirren, Summen, Sirren entgegen, wie es Hunderte, Tausende anr\u00fchren, die sich in Stra\u00dfen und auf Pl\u00e4tzen den Freuden von ins Freie verlegten Caf\u00e9s, Gasth\u00e4usern, Kneipen, Weinstuben und allgemeiner Geselligkeit ergeben.<\/p>\n<p>Die Luft ist schwer, \u00f6lig fast von der nur langsam ablaufenden Schw\u00fcle. Die Stadt aalt sich in mediterraner Nonchalance. Schwitzend erbl\u00fcht die Leichtigkeit des Seins; der Platz wird zur&nbsp; Plaza \u2013 und hinter der n\u00e4chsten H\u00e4userzeile m\u00f6chte man einen abendlich leeren Strand an vor sich hin pl\u00e4tscherndem Meer vermuten, dessen schw\u00e4rzer werdende Oberfl\u00e4che eben das letzte Glutrot der untergegangenen Sonne verschluckt hat. (\u2026 Vergessen sind das nach Benzin und Pisse stinkende Parkhaus nebenan, das marode Kaufhaus, das Abbruch-Quartier und andere Herrlichkeiten &#8230;) Schweig, Banause!<\/p>\n<p>Durch die Gassen str\u00f6mt Gelassenheit. Die Menschen jung und \u00e4lter gehen nicht, sie schlendern, bummeln, flanieren. Diesen ist\u00b4s einerlei, ob man sie betrachtet, \u00fcber sie redet. Jene wollen betrachtet und besprochen sein, ihnen ist die Stra\u00dfe ein Laufsteg. So ein Sommerabend nimmt den M\u00e4nnern H\u00e4rte, unterstreicht der Frauen Anmut. Er \u00fcbergie\u00dft Sch\u00f6nheit mit mehr Sch\u00f6nheit, erhebt Durchschnittlichkeit in den Rang des Besonderen, und selbst graugesichtiger Verkniffenheit flicht er noch eine Blume ins Haar. (\u2026 Obacht, verehrte Leser, jetzt legt er erst richtig los, der Sommernachtsschw\u00e4rmer\u2026)<\/p>\n<p>Der Abend geh\u00f6rt dem Cappuccino und dem Wein, dem zischenden Bier, der Zigarre oder der Eist\u00fcte. Und immer wieder geh\u00f6rt er auch dem genie\u00dfenden Blick auf die Gen\u00fcsse anderer. M\u00e4nneraugen bleiben an Frauengestalten h\u00e4ngen, die schwindelig machen. Wie schwebend verweilen sie, wie tanzend ziehen sie weiter. Blicke ertrinken in Gl\u00e4sern oder in den Gesichtern ihrer Gegen\u00fcber. Ein gro\u00dfes Wohlf\u00fchlen, ein Herzen und Streicheln erf\u00fcllt die Stadt \u2013 z\u00e4rtlich und verspielt, neckend und frivol, unschuldig, aber voller Lust. Dies ist die Stunde des Werbens und Umschw\u00e4rmens. Ihr wird die Stunde des Begehrens folgen, w\u00e4hrend der H\u00e4nde einander finden, Kniee einander begegnen und K\u00fcsse sich auf den Weg machen. Am Ende werden Gl\u00fcckliche von nicht ganz so Gl\u00fccklichen geschieden sein: Paare umschlungen davonziehen, Alleingebliebene ihnen l\u00e4chelnd nachschauen und sich melancholisch an ihre Gl\u00e4ser klammern. Sommernachtstr\u00e4ume.&nbsp; (\u2026 Es ist schon ein arges Ges\u00e4usel, das du da von dir gibst, aber halt doch sch\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6n!&#8230;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend diese Zeilen aus der Feder flie\u00dfen (\u2026Red\u00b4 nicht so einen Schmus, du hackst den Kram auch blo\u00df in die Tastatur&#8230;) Mir ist aber jetzt nach Schmus: die Heizung bollert, ich habe trotzdem kalte F\u00fc\u00dfe; \u00fcberm Rheintal h\u00e4ngt tief ein h\u00e4ssliches Dach aus Grau, die R\u00e4nder&nbsp; festgezurrt an den umliegenden H\u00f6hen. Drau\u00dfen regnet es. 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