{"id":542,"date":"2005-07-25T22:00:00","date_gmt":"2005-07-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2005\/07\/25\/schleichgeworben-brutto-wie-netto\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:24","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:24","slug":"schleichgeworben-brutto-wie-netto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2005\/07\/25\/schleichgeworben-brutto-wie-netto\/","title":{"rendered":"Schleichgeworben \u2013 brutto wie netto"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Gerade noch mal davongekommen. Wetterm\u00e4\u00dfig gesehen. Zwar zeichnete den Sommer 2005&nbsp; die l\u00e4ngste Zeit seines Seins ein ziemlich mieses Sosein aus. Immerhin lie\u00df sich das Gaukler-Fest zu Koblenz mit nur m\u00e4\u00dfig nassen F\u00fc\u00dfen im Pullover \u00fcberstehen und flutschte das rheinische Flammfest im Jubil\u00e4umsjahr passgenau zwischen zwei Tiefs. Auch einige andere Veranstaltungen kamen glimpflich davon, ansonsten wurde Kunstgenuss oft zur Probe aufs fr\u00f6stelnde Stehverm\u00f6gen. Das scheint betr\u00e4chtlich, denn kaum ein Veranstalter vermeldete bis dato eine vollends abgesoffene Saison. Brutto, hei\u00dft es, habe man schon einige Schwierigkeiten bew\u00e4ltigen m\u00fcssen, netto sei das Ergebnis allerdings passabel bis blendend.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nVerstehen wir das auch richtig? Bei Brutto-netto-Ausk\u00fcnfte ist dieser Tage Vorsicht geboten. K\u00f6nnte ja sein, dass \u00fcberm Strich nur die optimistischen Selbsteinsch\u00e4tzungen gelistet werden, darunter indes die Probleme klein gerechnet. Kompliziert? Dann mal weg von den Kulturmachern, die sich letztlich doch nur&nbsp; redlich m\u00fchen, uns den germanischen Sommer zu vers\u00fc\u00dfen. Nehmen wir die Deutsche Bahn AG. Brutto hat das privatisierte Unternehmen unl\u00e4ngst erstmals schwarze Zahlen geschrieben und den versch\u00f6nbesserten Hauptbahnhof Koblenz in Betrieb genommen. Davon abzuziehen w\u00e4re, was der Firma alle Tage in den Medien zur Last gelegt wird, etwa: Behinderung von Behinderten (beim Transport und auf dem Klo); unwillige Bezahlautomaten und \u00e4hnlich gestimmte Zugschaffner; eine Preisstruktur, gegen die selbst die Billig!-Billig!-Zeitfenster von zwei Dutzend Telefonanbietern fast \u00fcberschaubar sind. Das, nebst Entlassungen, Streckenausd\u00fcnnungen, Versp\u00e4tungen und Verteuerungen, geht vom Brutto ab; \u00fcbrig bleibt das Bahn-Netto.<\/p>\n<p>Sie durchblicken weder das Kultur- noch das Bahnbeispiel? Macht nichts, Sie sind in bester Gesellschaft: Die Kanzlerin in spe hat\u00b4s mit \u00fcber oder unterm Strich auch nicht so, und der bayerische Ex-Kanzler in spe sprang ihr unl\u00e4ngst mit dem Spruch in die Seite: \u201eBrutto, netto \u2013 welche Nebens\u00e4chlichkeiten\u201c. Einmal angefangen, konnte der Chef einer \u201eregionalen 9-Prozent-Splittergruppe\u201c (ARD-Presseclub) von der H\u00fcpferei dann nicht mehr lassen. So sind sie, die \u201eSpontis aus S\u00fcddeutschland\u201c (Die Zeit). Womit die Verwirrung gro\u00df w\u00e4re, weil Angie die Kernkompetenz ihres Vereins pl\u00f6tzlich links liegen l\u00e4sst, Edmund die F\u00fchrung im Anti-CDU-Wahlkampf \u00fcbernimmt, und die Herren von der Presse ihn mit jenem Kn\u00fcppel verdreschen, der vor Zeiten zur Abstrafung der Gr\u00fcnen benutzt wurde. Derweil meinen die Sozis, den Lafontaineisten mit dem Begriff \u201eHospitanten der PDS\u201c eins auswischen zu k\u00f6nnen. Was sich so recht nicht begreifen l\u00e4sst, weil das Wort Hospitant eigentlich ein honoriges ist und den aufmerksamen Gast meint.<\/p>\n<p>Besser, wir lassen die Finger vom Wahlkampf, denn wom\u00f6glich missverstehen wir das Gemache ebenso wie \u00fcber viele Jahre den \u201eTatort\u201c. Der galt uns als&nbsp; Krimi mit \u00f6ffentlich-rechtlicher Qualit\u00e4tsgarantie \u2013 darin Schimi der erste unter den Helden, weil einer von unten, der das Gleichheitsprinzip vor dem Gesetz auch hochwohlgeborenen Gaunern um die Ohren haute. Dann kommt pl\u00f6tzlich auf, dass unser Lieblingskrimi eine Dauerwerbesendung ist und unser K\u00e4mpfer f\u00fcr Gerechtigkeit trotz Trinkfreude, Schlagkraft, Schmuddel und Beziehungsresistenz doch nur eine Litfa\u00dfs\u00e4ule. \u201eSchleichgeworben\u201c wurden wir, wie es die ehrw\u00fcrdige Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hochsprachlich formulierte. Also klammheimlich geleimt. Das wird bekanntlich \u00fcberall versucht. Aber unter Schimis und der ARD Augen \u2013 das ist zu hart. Wem kann man jetzt noch trauen?<\/p>\n<p>Verglichen mit solchen Niederungen d\u00fcrfen dem feucht verflossenen Kultur-Sommer, ganz ohne schleichwerblichen Hintergrund, solide Unterhaltungsqualit\u00e4ten nebst ein paar Kunstspitzen attestiert werden. Zwischen Sommerschauer und Restsonne freut sich die Kulturnase dennoch auf die neue Inhouse-Saison in Theatern, Stadthallen, Museen, Clubs etc. Da hat man ein Dach \u00fcber dem Kopf, wei\u00df, worauf man den Hintern bettet, welche akustischen und optischen Verh\u00e4ltnisse einen erwarten. Open-air-Kultur bleibt in unseren Breiten eben doch ein unberechenbarer Ausnahmezustand w\u00e4hrend der Sommerpause. Die regul\u00e4re Spielzeit beginnt JETZT.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade noch mal davongekommen. Wetterm\u00e4\u00dfig gesehen. Zwar zeichnete den Sommer 2005&nbsp; die l\u00e4ngste Zeit seines Seins ein ziemlich mieses Sosein aus. Immerhin lie\u00df sich das Gaukler-Fest zu Koblenz mit nur m\u00e4\u00dfig nassen F\u00fc\u00dfen im Pullover \u00fcberstehen und flutschte das rheinische Flammfest im Jubil\u00e4umsjahr passgenau zwischen zwei Tiefs. 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