{"id":5333,"date":"2025-01-05T16:07:46","date_gmt":"2025-01-05T15:07:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=5333"},"modified":"2025-01-05T16:09:22","modified_gmt":"2025-01-05T15:09:22","slug":"truebwettergedanken-verflixte-rechtschreiberei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2025\/01\/05\/truebwettergedanken-verflixte-rechtschreiberei\/","title":{"rendered":"Tr\u00fcbwettergedanken: Das Rechtschreib-Hirn hat sich verlaufen"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape.<\/strong><\/em> Herrjeh, wie peinlich. Da steht in deinem Text pl\u00f6tzlich ein ganz banales, allt\u00e4gliches Wort, das du \u00fcber die Jahrzehnte wohl schon tausendemal richtig geschrieben hast, falsch drin. Mit etwas Pech kommt es in dieser Form einer Menge Leute im Netz oder in irgendeinem Printmedium so vor die Augen. Das passiert mir, dem Vielschreiber und Sprachliebhaber zwar selten, aber es passiert immer mal wieder. Was jedesmal die Frage zur Folge hat: Wie nur kann dir sowas passieren? In diesem Fall war es das Wort &#8222;Malerin&#8220;, das mir als &#8222;Mahlerin&#8220; aus der Tastatur geflossen war.<\/p>\n<p>Nun bin ich gewiss kein Gro\u00dfmeister in Sachen Rechtschreibung. Doch d\u00fcrften gut und gerne 98% meines (nicht ganz kleinen) Schriftwortschatzes sehr sicher als korrekte Form im Schriftged\u00e4chtnis abgelegt sein. Und zwar so sicher, dass ihre rechtschriftlich richtige Benutzung automatisch, ohne weiteres Nachdenken erfolgt. Anders w\u00e4re fl\u00fcssige Vielschreiberei auch kaum m\u00f6glich. \u00dcber die Unterscheidung beispielsweise von &#8222;seid vs. seit&#8220; oder von &#8222;das vs. dass (alt: da\u00df)&#8220; muss ich nicht gr\u00fcbeln; das Gehirn checkt automatisch den Sinnzusammenhang und schickt die richtige Schreibweise in die Finger.<\/p>\n<p>Wie also kann es zur unsinnigen Schreibung &#8222;Mahlerin&#8220; kommen? Wahrscheinlich ist es so: Malen, Malerei etc. geh\u00f6rt zu jenen zwei, drei Dutzend W\u00f6rtern, deren Schreibung mir in der Schulkindheit und\/oder Jugend (aus oft unergr\u00fcndlicher Ursache) zeitweise Probleme gemacht haben. Davon ist wohl im Unterbewusstsein eine Restunsicherheit geblieben, die den rechtschriftlichen Hirnautomatismus bisweilen dann unterl\u00e4uft, wenn man sich im gleichen Moment auf ein anderes Rechtschreib- oder Inhaltsproblem konzentriert. Im vorliegenden Ma(h)lerin-Fall war das die Schreibweise des Vornamens von Frida Kahlo. Ich musste mich vergewissern, ob Frieda (wie im Deutschen \u00fcblich) oder eben Frida.<\/p>\n<p>&#8222;Rhythmus&#8220; war bei mir lange ebenso ein Unsicherheitskandidat, trotz Musikstudiums. Das Gehirn mochte sich mit der Kombination aus zwei h und y einfach nicht abfinden. Folge: Beim Schreiben ging immer mal wieder eines der beiden h&#8217;s verloren. Erst in sp\u00e4ten Jahren verschwand die Restunsicherheit &#8211; um dann in umgekehrter Form beim &#8222;Algorithmus&#8220; wieder aufzutauchen, der bei mir wiederholt als &#8222;Algorhythmus&#8220; oder &#8222;Algorhithmus&#8220; erschien.<\/p>\n<p>V\u00f6llig verr\u00fcckt kann es werden, wenn das Hirn einfach Aussetzer hat oder den Weg des geringsten Widerstandes geht. Es ist viele Jahre her, da stand pl\u00f6tzlich und laut lachend der Oberkorrektor an meinem damaligen Schreibtisch im Kulturressort der Rhein-Zeitung: &#8222;Ich wollte nur mal sehen, ob sie noch ihren Kopf auf den Schultern haben&#8220;, so sp\u00f6ttelte er gutm\u00fctig und zeigte auf eine Stelle in meinem Artikel. Da stand doch tats\u00e4chlich &#8222;Ludwig van Beethofen&#8220;. Ich wollte im Boden versinken vor Scham. Doch der pensionierte Studienrat hatte eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Beethofen-Peinlichkeit: In meinem Artikel ging es haupts\u00e4chlich um das Verh\u00e4ltnis Beethovens zum herrschaftlichen Hof erst in Bonn, dann in Wien. &#8222;So viel bei Hof hat wohl auf den Namen unseres Ludwig abgef\u00e4rbt&#8220;, meinte der kluge Senior.<\/p>\n<p>Ja, ja, das Hirn ist gelegentlich schon ein seltsames Instrument. Und sage keine\/r, es sei ihr\/ihm noch nie so oder \u00e4hnlich ergangen.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Herrjeh, wie peinlich. Da steht in deinem Text pl\u00f6tzlich ein ganz banales, allt\u00e4gliches Wort, das du \u00fcber die Jahrzehnte wohl schon tausendemal richtig geschrieben hast, falsch drin. Mit etwas Pech kommt es in dieser Form einer Menge Leute im Netz oder in irgendeinem Printmedium so vor die Augen. 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