{"id":533,"date":"2006-05-25T22:00:00","date_gmt":"2006-05-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2006\/05\/25\/ein-vivat-auf-die-schoenste-nebensache-der-welt\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:23","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:23","slug":"ein-vivat-auf-die-schoenste-nebensache-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2006\/05\/25\/ein-vivat-auf-die-schoenste-nebensache-der-welt\/","title":{"rendered":"Ein Vivat auf die sch\u00f6nste Nebensache der Welt"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Seltsam, dass in einem so sehr dem Sport zugetanen Land wie dem unsrigen \u00dcbergewichtigkeit eine Volkskrankheit ist. \u201eStop!\u201c schreit Walter: \u201eKeine akademischen Spitzfindigkeiten, die mir doch blo\u00df den Spa\u00df am TuS-Aufstieg und an der WM vermiesen wollen.\u201c Der sonst so zur\u00fcckhaltende Freund droht die Contenance zu verlieren. Das kommt von was? Vom Fu\u00dfball. Diese Sportart verursacht auch bei an sich vern\u00fcnftigen Zeitgenossen eine Art fiebriger Erregung, unabh\u00e4ngig davon, ob sie im Schwei\u00dfe ihres Angesichts mitkicken oder das Spiel nur als Zuschauer verfolgen \u2013 was bisweilen nicht minder schwei\u00dftreibend abgeht.<\/p>\n<p>\u201eDu wei\u00dft doch gar nicht, wovon du redest, warst seit 20 Jahren in keinem Stadion mehr\u201c, schimpft Walter. Fu\u00dfballmuffel sind ihm ein totales R\u00e4tsel. Mir geht\u00b4s mit eingefleischten, flammenden Fu\u00dfballfans \u00e4hnlich. Womit wir beide ein ziemlich genaues Abbild der Meinungsverteilung im Land sein d\u00fcrften: die eine H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung fu\u00dfballerisch enthusiasmiert, die andere distanziert bis desinteressiert. Das mit den 20 Jahren Stadionabstinenz stimmt: Je \u00e4lter ich werde, umso mehr befremden mich Massenaufl\u00e4ufe von begeisterungstaumeligen Mitmenschen, sei\u00b4s im Sport, beim Pop oder Papst. Was keinesfalls \u2013 Nietzsche bewahre \u2013 abwertend gemeint ist, nur eben meine Sache nicht (mehr).<\/p>\n<p>In einem Punkt allerdings muss Walter widersprochen werden: Ich wei\u00df schon, wovon ich rede. Mit den Reglement des Fu\u00dfballs, auch mit dem Finanzgebaren in dieser Gro\u00dfindustrie, ja selbst mit der Geschichte der Sportart bin ich recht ordentlich vertraut (erstes vergleichbares Spiel 3000 vor Chr. in China nachgewiesen; Anf\u00e4nge des modernen Fu\u00dfballs im 19. Jahrhundert an englischen Eliteschulen, sp\u00e4ter Ansteckung deutscher Oberschulen; 1848 Festschreibung der bis heute in Grundz\u00fcgen noch geltenden \u201eCambridgeregeln\u201c; 1878 Gr\u00fcndung des ersten deutschen Fu\u00dfballvereins in Hannover; 1903 die ersten deutschen Meisterschaften).&nbsp; Ich kann auch ein gutes von einem schlechten Spiel unterscheiden. Und,&nbsp; Sie werden staunen, ich kann ein gutes Match am Fernseher durchaus mit einigem Genuss gucken.<\/p>\n<p>\u201eWenn das stimmt\u201c, jetzt wieder Walter, \u201ewelches ist dann deine Mannschaft?\u201c Das war mal, freilich in einem anderen Leben, der SV Waldhof Mannheim. Kennt heute kaum noch jemand. W\u00fcrde jenes andere Leben noch andauern, k\u00f6nnte das jetzt TuS Koblenz sein. Die beiden Vereine haben manches gemeinsam. Regionale Traditionsclubs beide, endlose Zeiten in der Bedeutungslosigkeit, dann pl\u00f6tzlich der wundergleiche Schuss nach oben. In Mannheim war seinerzeit der legend\u00e4re Schlappi, was in Koblenz dieser Tage Sasic ist. Indes w\u00e4hrte der Mannheimer Glanz damals \u00e4hnlich kurz wie j\u00fcngst der Trierer &#8211; was um Himmels Willen kein Kassandra-Ruf \u00b4gen Koblenz sein soll.<\/p>\n<p>Der TuS sei der Aufstieg ebenso geg\u00f6nnt wie den 05ern und der Frankfurter Eintracht der Klassenerhalt. Leid k\u00f6nnen einem K\u00f6ln und Kaiserslautern tun.&nbsp; Walter insistiert: \u201eSchw\u00e4tz nicht, nenn deine Mannschaft!\u201c Tja, lieber Freund, die gibt es nicht. Wenn schon Fu\u00dfball, dann halte ich jeweils zu denen, die besser spielen. Walter tobt: \u201eOh du elender Opportunist, Speichellecker der Sieger, Bayern-Lakai\u2026\u201c Moment mal! Seit wann, bitte, w\u00e4re im Fu\u00dfball&nbsp; besser, sch\u00f6ner und interessanter spielen gleichzusetzen mit gewinnen?<\/p>\n<p>Die andern spielen besser, \u201eaber am Ende gewinnt immer Deutschland\u201c, hei\u00dft es in einer der vielen \u00fcberheblichen WM-Werbungen. Als ginge es bei diesem Weltturnier (neben dem Millionengesch\u00e4ft) blo\u00df um den Sieg Deutschlands. \u201eJa worum denn sonst?!\u201c, sagt Walter. Worauf hin mir fassungslos die Kinnlade runter f\u00e4llt. Tief durchatmen, dann die Gegenposition: Mich interessieren sch\u00f6ne Fu\u00dfballspiele, spielerisches K\u00f6nnen, spielerisch-taktische Raffinesse, sportliche Fairness bei sportiver Einsatzfreude. Mich interessieren weniger Gewinner, und gleich gar nicht interessiert mich, f\u00fcr welche Nation die \u00fcberbezahlten Wanderarbeiter diverser Vereinsligen dieser Welt w\u00e4hrend vier WM-Wochen ausnahmsweise antreten. Das treibt nun wiederum Walter, der im \u201enormalen Leben\u201c gegen National-Ged\u00f6hns v\u00f6llig immun ist, die Maulsperre ins Gesicht.<\/p>\n<p>Schluss mit dem Streit! Jene H\u00e4lfte der Leserschaft, die mit Fu\u00dfball keinen Vertrag hat, haben wir bis hierher schon verloren. Da in dieser Frage eine echte Verst\u00e4ndigung ohnehin unm\u00f6glich scheint, schlage ich folgenden Kompromiss vor: Fu\u00dfball kann eine der sch\u00f6nsten Nebensachen der Welt sein und darf von diesem Verr\u00fcckten so genossen werden, von jenem Verr\u00fcckten ganz anders. Das mit den zwei Sorten Verr\u00fcckter gef\u00e4llt Walter. Gegen die Einstufung \u201eNebensache\u201c w\u00fcrde er vielleicht noch opponieren wollen, spr\u00e4che der warnende Blick seiner derzeitigen Lebensabschnittsgef\u00e4hrtin nicht von wirklichen Hauptsachen &#8211; in den kommenden Sommern\u00e4chten.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seltsam, dass in einem so sehr dem Sport zugetanen Land wie dem unsrigen \u00dcbergewichtigkeit eine Volkskrankheit ist. \u201eStop!\u201c schreit Walter: \u201eKeine akademischen Spitzfindigkeiten, die mir doch blo\u00df den Spa\u00df am TuS-Aufstieg und an der WM vermiesen wollen.\u201c Der sonst so zur\u00fcckhaltende Freund droht die Contenance zu verlieren. Das kommt von was? Vom Fu\u00dfball. 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