{"id":525,"date":"2006-11-25T23:00:00","date_gmt":"2006-11-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2006\/11\/25\/die-stille-der-nacht-wird-abgeschafft\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:23","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:23","slug":"die-stille-der-nacht-wird-abgeschafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2006\/11\/25\/die-stille-der-nacht-wird-abgeschafft\/","title":{"rendered":"Die Stille der Nacht wird abgeschafft"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Lebkuchen und Marzipan stapeln sich seit Oktober in den L\u00e4den. Die Stra\u00dfenbeleuchtung hat putzige Verst\u00e4rkung bekommen. Die Dauerbeschallung in den Einkaufsmeilen wurde von kaufbelustigendem Fahrtstuhlpop auf kaufberauschende Herzerweichung durch \u201eKling-Still-S\u00fc\u00df-Kindel-Tann-Gl\u00f6ck\u201c umger\u00fcstet. Seit auf mittelrheinischen Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen obendrein Brettlb\u00fcdlis wieder das St\u00fcck \u201eAnno-dunnemals-Markt\u201c geben und Schwaden vom Gl\u00fchwein frohes Hirnwinden versprechen, seither steht fest: Weihnachten ist nicht mehr aufzuhalten.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nEs sei denn &#8230;? Es sei denn, der Stifter des Festes selbst geb\u00f6te dem Treiben Einhalt: Etwa wegen Versto\u00dfes gegen den urspr\u00fcnglich der Uneigenn\u00fctzigkeit verpflichteten Stiftungszweck. Doch ER wird \u2013&nbsp; wie es in nachbiblischer Zeit seine Gewohnheit geworden \u2013 auch in diesem Fall nicht eingreifen wollen. Was sollte ER sich auch mit Leuten herumstreiten, die jeden Gerichtspr\u00e4sidenten am liebsten kreuzigen w\u00fcrden, der nicht jedes Gerichtszimmer mit Kreuzen beh\u00e4ngt. Gebt Gott, was Gottes ist und dem Staat, was des Staates. Sagte wer? Vergessen. Gescheit ist\u00b4s trotzdem, denn es h\u00e4lt auseinander, was leichtfertig vermengt nach \u201eGottesstaat\u201c kl\u00e4nge und zum schlechten Ende wom\u00f6glich \u201eGottesurteile\u201c f\u00e4llte.<\/p>\n<p>Hierzulande wird im Namen des Volkes, auf Grundlage irdischer Gesetze und (zumindest zumeist) mit klarem Verstand Recht gesprochen. Gott sei Dank! W\u00fcrde bitte jemand bei Gelegenheit den kurtrierischen Eiferern folgende Schul-Selbstverst\u00e4ndlichkeiten erl\u00e4utern: Dass es, erstens, in dieser Republik keine Staatsreligion gibt. Dass, zweitens, unsere Kultur gleicherma\u00dfen auf griechisch-r\u00f6mischer Antike und Judentum und Christentum und europ\u00e4ischer Aufkl\u00e4rung gr\u00fcndet. Dass, drittens, unsere Justiz unabh\u00e4ngig und sowieso kein Rechtsfolgeorgan der vatikanischen Inquisition ist.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Anderes Weihnachtsthema. Heiligabend f\u00e4llt heuer auf einen Sonntag. Was die Chance bietet, nochmal&nbsp; einen richtigen Sonntag zu erleben, einen, an dem das ganze Land f\u00fcr ein paar Stunden wirklich zur Ruhe kommt. Oft wird es das nicht mehr geben. Oder glaubt noch jemand an einen Weihnachtsmann, der die letztendliche Einf\u00fchrung der 7-Tage-rund-um-die-Uhr-Gesch\u00e4ftswoche verhindern w\u00fcrde? Der Feierabend ist schon abgeschafft: die Industrien werkeln ununterbrochen, die Einkaufszentren rumoren bis in die Nacht oder gleich die Nacht durch. Das freie Wochenende ist durchl\u00f6chert wie ein Schweizer K\u00e4se: Der Samstag bereits Vollarbeitstag, und auch der Sonntag auf dem besten Wege zum 24-Stunden-Werktag. Das soll bald hundsgew\u00f6hnliche Normalit\u00e4t sein \u2013 ganz ohne Nacht-, Wochenend- und Feiertagszulagen. Sie nennen das Freiheit und Service und Lebensqualit\u00e4t. \u201eAlles Quatsch\u201c, schimpft Walter, \u201eman will uns blo\u00df das Gef\u00fchl f\u00fcr Arbeitsruhe und Mu\u00dfe ratzebuzz austreiben. Frag mich jetzt ja nicht nach dem Warum. Selber denken!\u201c<\/p>\n<p>Walter z\u00fcrnt \u2013 \u00fcber die Bl\u00f6dsinnigkeit im Gang der gro\u00dfen Dinge. Halt Freund, mach nicht so einen Verdruss, schau lieber auf die TuS! Und justament flackert ihm wieder jener seltsame Ausdruck durchs Gesicht, den wir seit der Erfolgsserie der Koblenzer Kicker gegen K\u00f6ln, Essen und Karlsruhe auf vielen Gesichtern fr\u00fcher ganz bodenst\u00e4ndig gewesener Mittelrheiner sehen. Das ist so eine Art aufgesetzter Realismus, hinter dem indes klammheimlich inbr\u00fcnstiger Hoffnungswahn irrlichtert. Keiner wagt zu sagen, wovon alle tr\u00e4umen: \u201eEs ist zwar v\u00f6llig ausgeschlossen, aber wir k\u00f6nnten trotzdem \u2013 aufsteigen, in die erste Liga.\u201c Ei, warum nicht? Staatspolitisch zumindest w\u00e4r\u00b4s vern\u00fcnftig: Wenn jetzt nach den Pf\u00e4lzer Teufelchen auch noch der 05er Karnevalsverein den Bundesgeist aufgibt, dann muss eben Koblenz die Landesehre retten. W\u00e4re nicht das erste Mal.<\/p>\n<p>Weil Weihnachten ansteht, sei an dieser Stelle noch von einem Wunder gek\u00fcndet. Sieben europ\u00e4ische St\u00e4dte (keine deutsche dabei) wollen ihre Verkehrprobleme&nbsp; auf ausgefallenem Wege l\u00f6sen: Ampeln abschaffen, Verkehrsschilder um 80 Prozent reduzieren. Vorbild ist das holl\u00e4ndische Drachten, wo seit drei Jahren nur noch zwei Verkehrsregeln gelten: rechts vor links, und, wer andere behindert, wird abgeschleppt. Bei allen \u00fcbrigen Verkehrsfragen m\u00fcssen die 45 000 Drachtener nebst Besuchern selbst zusehen, wie sie am besten miteinander k\u00f6nnen. \u201eAnarchie! Chaos!\u201c kreischt es da den ehemals preu\u00dfischen Mittelrhein rauf und runter. Jawohl, es herrscht Verkehrs-Anarchie in Drachten: Man winkt, blinkt, wedelt, deutet, nickt mit dem Kopf, ruft, klingelt, hupt auch mal. Das Wunder: Der Verkehr flie\u00dft und nirgendwo sonst in Europa gingen die Unf\u00e4lle so stark zur\u00fcck wie in Drachten. Das k\u00f6nnte einen doch auf Ideen bringen \u2013&nbsp; in Koblenz, Neuwied, Mayen, Bad Ems \u2026.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Lebkuchen und Marzipan stapeln sich seit Oktober in den L\u00e4den. Die Stra\u00dfenbeleuchtung hat putzige Verst\u00e4rkung bekommen. 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