{"id":523,"date":"2007-01-25T23:00:00","date_gmt":"2007-01-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2007\/01\/25\/am-mittelrhein-grassiert-morbus-prestissimus-geschwindigkeitsrausch\/"},"modified":"2007-01-25T23:00:00","modified_gmt":"2007-01-25T22:00:00","slug":"am-mittelrhein-grassiert-morbus-prestissimus-geschwindigkeitsrausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2007\/01\/25\/am-mittelrhein-grassiert-morbus-prestissimus-geschwindigkeitsrausch\/","title":{"rendered":"Am Mittelrhein grassiert morbus prestissimus, Geschwindigkeitsrausch"},"content":{"rendered":"<p>Mich schwindelt. Das Hirn rotiert unaufh\u00f6rlich, kommt aber trotzdem kaum noch mit \u2013 bei der momentanen Flut von Richtungs\u00e4nderungen und Grundsatzbeschl\u00fcssen auf den kleinen und gro\u00dfen Politikb\u00fchnen. Die TuS wackelt sich gerade mal die zweite Saison durch die Liga, schon ist ein neues Stadion beschlossen, schon ein Grundst\u00fcck gefunden, schon das Genehmigungsverfahren auf der Expressschiene. Erstmal in Schwung und mit Adrenalin vollgepumpt, kann der Koblenzer Rat sich gar nicht mehr bremsen. Baurecht f\u00fcr Buga-Areal am Schloss erteilt. Wumms! Und was \u00fcber Jahrzehnte nicht ging, pl\u00f6tzlich geht auch das: Eilverfahren zur Genehmigung der Buga-Seilbahn vom Eck hinauf zum Ehrenbreitstein auf den Weg gebracht. Rumms! Und das alles im Februar.<\/p>\n<p>Wo nur ist sie geblieben, die mittelrheinische Gem\u00fctlichkeit? Hinweggerafft von Morbus prestissimus, dem Geschwindigkeitsrausch. Und der scheint ansteckend. Anders l\u00e4sst sich kaum erkl\u00e4ren, wieso der Mainzer Wirtschaftsstaatsekret\u00e4r K\u00fchn neulich in St. Goar ohne Vorwarnung das Publikum mit der Ank\u00fcndigung \u00fcberfallen konnte: Die Rheinquerung \u2013 oben dr\u00fcber oder unten durch \u2013 kommt, und zwar bald. \u201eGell, do guckscht\u201c, sagte in solchen F\u00e4llen einst das \u00c4ffle zum Pferdle als auch Schw\u00e4bisch noch Ausdruck f\u00fcr Betulichkeit war. Ei, wenn schon, denn schon: Warum den Schwung nicht nutzen und in einem Aufwasch den Bahnl\u00e4rm im Welterbe-Rheintal beseitigen? Zweckverbandschef G\u00fcnter Kern hat doch j\u00fcngst die L\u00f6sung skizziert: Eine neue Bahntrasse au\u00dferhalb des Rheintals. Die sch\u00f6ne Idee hat indes eine unsch\u00f6ne Kehrseite: Die H\u00f6henbewohner w\u00fcrden sich bedanken f\u00fcr den quietsch-lebendigen Neunachbarn.<\/p>\n<p>Ein Vorschlag zur G\u00fcte: Die Bahn aufh\u00e4ngen. ??? Ja doch, Sie haben richtig verstanden: h\u00e4ngen, an ein Seil. ??? Nein, nicht den Herrn Mehdorn \u2013 seine Waggons. ???&nbsp; Die Technik ist doch dann bereits da; steht in Koblenz. !!! Richtig: Die Buga-Seilbahn muss blo\u00df um 90 Grad gedreht und um ein paar Kilometer verl\u00e4ngert werden, schon hat man eine schnurrig-leise G\u00fcterschwebebahn. Vom Eck zur Festung darf sie in Koblenz ja sowieso nicht h\u00e4ngen bleiben, weil sonst 2014 als letzte Nachhaltigkeitswirkung der Buga die Aberkennung des Welterbestatus bliebe. ??? Sie meinen, dann k\u00e4me das \u00fcbrige Welterbe in Gefahr? Muss nicht. Denn der Unesco kommt es auf ungest\u00f6rte Blickachsen an \u2013 weshalb ja die Br\u00fccke in St. Goar eher ein Tunnel wird. F\u00fcr die Schwebebahn hie\u00dfe das: Hoch genug droben am Hang aufh\u00e4ngen, ordentlich mit Gr\u00fcn tarnen, dann geht\u00b4s.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Utopie? Ach was. Man muss gro\u00df denken in diesen Zeiten. Richtig gro\u00df! Unsere Kanzlerin will Deutschland zur Speerspitze Europas machen. Frankreichs Pr\u00e4sident ruft gleich eine neue Grande Revolution aus. Die Amerikaner wollen sogar das Universum umbauen und dem Planet Erde einen Saturnring aus 10 Billionen Spiegeln verpassen. Das alles wegen des UN-Klimaberichtes. Da werden wir am Mittelrhein doch ein Schwebeb\u00e4hnchen auf die Reihe kriegen. \u201eJetzt ist es aber genug mit dem Unfug!\u201c, platzte mir Freund Walter am Morgen nach Aschermittwoch in die querdenkerische Vorarbeit. Obwohl auch 24 Stunden Schlaf ihm die Folgen seiner allj\u00e4hrlichen Geheimtour de Carnevale nicht vollends aus Kopf, Gesicht und Leib getrieben hatten, konnte er beim Stichwort Klimaschutzpolitik doch kaum an sich halten.<\/p>\n<p>&nbsp;\u201eSpr\u00fcche, Spr\u00fcche, keine Taten\u201c donnerte er \u2013 das Pariser Lamento des gel\u00e4hmten Heinrich Heine angesicht der unerreichbaren Reize der geliebten Mouche variierend. Was die Idee der Amis vom Spiegelring angeht, der das Erdklima durch Reflektierung des Sonnenlichts retten soll: Die ist so d\u00e4mlich, dass der Freund zwei doppelte Espresso und eine Wasserflasche lang um Fassung ringen musste. \u201eWenn unsere transatlantischen Freunde ein bisschen rechnen k\u00f6nnen\u201c, brummte er schlie\u00dflich, \u201ewerden sie merken, dass zur Herstellung von 10 Billionen weltraumtauglichen Spiegeln nebst der Produktion etlicher Tausend Raketen mitsamt Treibstoff, sie ins All zu schie\u00dfen, mehr Energie aufgewendet werden m\u00fcsste, als alle derzeitigen Kernkraftwerke auf Erden in 50 Jahren liefern k\u00f6nnten.\u201c Wieder auf dem Weg ins Bett murmelt er vor sich hin: \u201eRechnen k\u00f6nnen die das wahrscheinlich: Aber kapiert Bush, was unterm Strich rauskommt?\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mich schwindelt. 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