{"id":5148,"date":"2006-03-25T13:09:00","date_gmt":"2006-03-25T12:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=5148"},"modified":"2024-10-11T13:16:38","modified_gmt":"2024-10-11T12:16:38","slug":"das-bisschen-bevoelkerungsrueckgang-in-den-industrielaendern-ist-ein-segen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2006\/03\/25\/das-bisschen-bevoelkerungsrueckgang-in-den-industrielaendern-ist-ein-segen\/","title":{"rendered":"Das bisschen Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang in den Industriel\u00e4ndern ist ein Segen"},"content":{"rendered":"<h6>Wider die Hysterie in der gegenw\u00e4rtigen deutschen Familiendiskussion<\/h6>\n<p>***<\/p>\n<p><em>Unkorrigiertes Manuskript eines Vortrags, den ich erstmals im M\u00e4rz 2006 gehalten habe.<\/em><\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Meine sehr verehrten Damen und Herrn,<\/p>\n<p>neue Hiobsbotschaften von der deutschen Geburtenfront versetzten Mitte M\u00e4rz die Republik neuerlich in Aufregung. Anlass war die Publikation einer Studie des \u201eBerlin-Instituts f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung\u201c. Danach sei die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder pro 1000 Einwohner die niedrigste weltweit. Nur noch 1,36 Kinder bringe eine Frau hier zu Lande zur Welt.<br \/><br \/>Die Zahl stimmt, die damit verbundene Zuweisung der Weltspitze durch das Berlin-Institut ist allerdings falsch. Laut Deutsche Stiftung Weltbev\u00f6lkerung liegt die so genannte \u201eGesamtfruchtbarkeitsrate\u201c beispielsweise fast in allen L\u00e4ndern des ehemaligen Sowjetblockes niedriger, vorneweg im katholischen Polen mit 1,2 Kindern pro Frau. Die ebenfalls \u00fcberwiegend katholischen und bekannterma\u00dfen besonders kinder-n\u00e4rrischen Italiener und Spanier geb\u00e4ren seit Jahren weniger Kinder als die Deutschen: In beiden L\u00e4ndern liegt die Rate bei 1,3 Kindern pro Frau. Das nur der Korrektheit halber.<\/p>\n<p>In der Tat aber sind solche Geburtenraten viel zu niedrig, um die Bev\u00f6lkerungszahl in den betreffenden L\u00e4ndern &#8211; auf der Basis eigenen Nachwuchses &#8211; auch nur stabil zu halten, von Wachstum ganz zu schweigen. Die Nachrichten von Mitte M\u00e4rz f\u00fcr Deutschland sind im Grundsatz jedoch nicht neu, denn die \u201eGesamtfruchtbarkeitsrate\u201c nimmt bei uns schon seit rund 40 Jahren kontinuierlich ab.<\/p>\n<p>Die Wissenschaft hat ausgerechnet, dass das so genannte \u201eErsatzniveau\u201c \u2013 also die Zahl der Geburten, die notwendig sind, um die bestehende Gr\u00f6\u00dfe einer Population zu halten \u2013 bei durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau liegt. 2,1! Wir haben derzeit 1,36; Tendenz: weiter abnehmend. KATASTROPHE \u2013 DEN DEUTSCHEN GEHEN DIE KINDER AUS, DIE DEUTSCHEN STERBEN AUS schreit da die Zeitung mit den gro\u00dfen Buchstaben, und beileibe nicht nur die. Was sich indes bei genauerem Betrachten der Fakten als Panik- und Stimmungsmache erweist. Hochgerechnet, ergibt sich aus einer Fruchtbarkeitsrate von 1,3 Kindern pro Frau, dass die Einwohnerzahl Deutschlands von heute 82 Millionen bis zum Jahr 2050 auf etwa 75 Millionen sinken k\u00f6nnte. Ein Minus von 7 Millionen also, oder, anders ausgedr\u00fcckt: Berechnet man die k\u00fcnftige Bev\u00f6lkerungszahl allein auf Basis der biologischen Reproduktion, so k\u00f6nnte\/w\u00fcrde sie bis 2050 um rund 8 Prozent abnehmen. Minus 8 Prozent! Mit Verlaub, 8 Prozent weniger Berufspendler w\u00fcrde Ihnen morgens die Zubringerstra\u00dfen nach Koblenz, Wiesbaden oder Mainz nicht gerade leer fegen; Sie w\u00fcrden dieses Minus vermutlich gar nicht merken.<\/p>\n<p>Ich will hier die Probleme, die sich aus einem Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang in Deutschland ergeben (k\u00f6nnten), keineswegs klein reden. Aber betrachtet man die alarmistische \u00f6ffentliche Diskussion im Land w\u00e4hrend der vergangenen zwei bis drei Jahre, gelangt man leicht zu dem Schluss, an der Geb\u00e4rfront st\u00fcnde Ragnar\u00f6k, die letzte G\u00f6tterschlacht vor dem Untergang bevor. Bisweilen greift eine Stimmung um sich, als best\u00fcnde die Gefahr, dass schon morgen etwa Diez oder Mayen Geisterst\u00e4dte werden, auf der A3 Pilze wachsen und Hirsche grasen. Man soll doch bitte die Kirche im Dorf lassen: Von einer Entv\u00f6lkerung der Republik, gar einem Aussterben der Deutschen kann \u00fcberhaupt keine Rede sein!<\/p>\n<p>Gott sei Dank formiert sich inzwischen gegen diese Notstandshysterie auch eine Gegenbewegung. In deren publizistischem Zentrum steht im Moment, wenn ich richtig orientiert bin, vor allem die Wochenzeitung \u201eDie Zeit\u201c. Dort schimpfte unl\u00e4ngst meine verehrte Berufskollegin Iris Radisch: &#8222;Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein neuer \u00e4lterer Herr die jungen Frauen an ihren Auftrag f\u00fcr Vaterland, Rentenkasse und Kulturnation erinnert.&#8220; In der gleichen Zeitung erschien die Woche darauf ein bemerkenswerter Artikel von Mitherausgeber Josef Joffe unter der provokanten \u00dcberschrift: \u201eKinderschwund \u2013 na und?\u201c. Die Anmoderation zu diesem Artikel spricht gar vom \u201e\u00fcberbev\u00f6lkerten Deutschland\u201c.<\/p>\n<p>Es ist beruhigend, zu wissen, dass doch noch ein paar namhafte Journalisten Statistiken lesen k\u00f6nnen und gegen die allgemeine Meinungshysterie in der Familienfrage bei Verstand geblieben sind. Joffe bedient sich derselben Datenquellen wie ich. Das sind in erster Linie UN-Erhebungen aus den Jahren 2003 bis 2005 sowie Faktenmaterial der EU und des Statistischen Bundesamtes. Danach leben zurzeit in Deutschland 231 Menschen auf den Quadratkilometer Landesfl\u00e4che. In Frankreich sind es 110, in den USA 52, in Finnland 15. Wer will uns denn da noch wei\u00df machen, ein weniger dicht besiedeltes Deutschland sei eine Katastrophe. Joffe jedenfalls meint, ein paar Millionen Bewohner weniger k\u00f6nnten uns und unserer Natur nicht schaden.<\/p>\n<p>Ich will es pointierter sagen: Ein gewisser Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang w\u00e4re eine Wohltat! Allerdings bin ich ziemlich skeptisch, ob das hochgerechnete 8-prozentige Minus bis 2050 \u00fcberhaupt eintreten wird. Nicht etwa, dass der biologische Faktor, die Fruchtbarkeitsrate also, sich in gr\u00f6\u00dferem Umfang wieder aufw\u00e4rts bewegen w\u00fcrde. Daran zu glauben, darauf zu hoffen oder dieses zu bef\u00fcrchten, ist m\u00fc\u00dfig. Die Zeiten, da Frauen in unseren Breiten im Durchschnitt 3, 4 oder mehr Kinder zur Welt brachten, sind vorbei, endg\u00fcltig vorbei. Kein noch so opulentes F\u00f6rderprogramm, auch keine staatlich organisierte Ganztagsversorgung kann das R\u00e4derwerk der historischen Gesellschaftsentwicklung r\u00fcckw\u00e4rts laufen lassen. Alles, was in Hinsicht Familiepolitik derzeit vollmundig angek\u00fcndigt und geplant wird, kann h\u00f6chstens dazu dienen, das weitere Sinken der Geburtenrate abzubremsen.<\/p>\n<p>Wobei, wie schon gesagt, Deutschland mit dieser Entwicklung keineswegs alleine steht. Im EU-Durchschnitt liegt die Fruchtbarkeitsrate derzeit bei 1,4 Kindern. Genau genommen weisen s\u00e4mtliche Industriel\u00e4nder sinkende Geburtenraten unterhalb des Ersatz-Niveaus aus. Das gilt sogar f\u00fcr die immer mal wieder als Gegenbeispiel angef\u00fchrten USA, wo Familienidylle \u2013 unterst\u00fctzt durch propagandistisches Dauerbombardement aus Hollywood \u2013 zu einer Art Staatsreligion hochstilisiert wird. W\u00e4hrend \u00fcbrigens zugleich die Zahl der Singlehaushalte nirgendwo auf der Welt schneller w\u00e4chst, als in den amerikanischen Metropolen. In den USA betr\u00e4gt die Fruchtbarkeitsrate derzeit 2,0 Kinder pro Frau. Womit sie erstens auch dort unter dem Ersatzniveau (2,1) liegt. Zweitens h\u00e4ngt die Geburtenrate in den Vereinigten Staaten wesentlich ab von der Geb\u00e4rfreude ihrer hohen Bev\u00f6lkerungsanteile mit Migrationshintergrund. Insbesondere bei den Latinos liegt die Geburtenrate weit \u00fcber dem amerikanischen Durchschnitt.<\/p>\n<p>Die Geburtenrate in den Industriel\u00e4ndern sinkt also reihum. Warum zweifle ich dennoch an dem besagten 8-Prozent-Minus in Deutschland bis 2050? Weil der biologische Faktor nur einer unter mehreren ist. Ein entscheidender zweiter Faktor ist die Migration, sind Einwanderung und Auswanderung. Sollte es tats\u00e4chlich irgendwann gravierende Probleme aufgrund des heimische Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckganges in Deutschland geben: Was glauben Sie denn, wie schnell dann Wirtschafts- und Sozialverb\u00e4nde eine offensive Einwanderanwerbung fordern w\u00fcrden, und wie schnell die politischen Parteien jedweder Couleur die Grenzen aufrei\u00dfen und Deutschland ganz regul\u00e4r zum Einwandererland machen w\u00fcrden?! Wenn die Not, sprich der Menschenmangel (insbesondere Arbeitskr\u00e4fte) wirklich einmal gro\u00df w\u00fcrde, die Bedenkentr\u00e4ger in Sachen \u00dcberfremdung w\u00fcrden rasch verstummen. Wie sie verstummten, als im 19. Jahrhundert Fremdarbeiter nebst Familien aus ganz Europa ins Ruhrgebiet str\u00f6mten. Wie sie verstummten, als sp\u00e4ter nacheinander Polen und Jugoslawen, dann Italiener und Griechen, nachher die T\u00fcrken und zuletzt (vergeblich) studierte Inder als Arbeitskr\u00e4fte ins Land gerufen wurden. Sollte sich Kindermangel je zu einer tats\u00e4chlich \u2013 oder auch nur spintisiert \u2013 existenziellen Frage f\u00fcr das Land auswachsen, wird es kein langes Z\u00f6gern geben, vor allem geb\u00e4rfreudige Landsmannschaften als Einwanderer anzuwerben.<\/p>\n<p>Und es wird nicht schwer sein, sie hierher zu bekommen, denn im Gro\u00dfteil der \u00fcbrigen Welt entwickeln sich die Bev\u00f6lkerungsverh\u00e4ltnisse nach wie vor genau andersherum als in den Industriel\u00e4ndern. Zwar sinkt \u2013 von einigen wenigen Landstrichen wie den Pal\u00e4stinensergebieten einmal abgesehen \u2013 die Geburtenrate auch in den Entwicklungsl\u00e4ndern und in den Schwellenl\u00e4ndern schon seit etlichen Jahren. Dennoch liegt die Fruchtbarkeitsrate dort anhaltend weit \u00fcber dem Ersatzniveau. Im Schnitt aller Entwicklungsl\u00e4nder werden 3 Kinder pro Frau geboren. Rekordhalter ist der afrikanische Kontinent mit 5,1, mit gro\u00dfem Abstand folgen Lateinamerika (2,6) und Asien (2,5). Wobei die erstaunlich niedrige Rate in Asien sich aus dem ziemlich rasch zunehmenden Bildungsstandard in Japan und den \u201eTigerstaaten\u201c erkl\u00e4rt, vor allem aber aus der chinesischen Ein-Kind-Politik. Den gesamten Erdball in den statistischen Blick genommen, ergibt sich eine globale Fruchtbarkeitsrate von durchschnittlich 2,7 Kindern pro Frau. Das entspricht 21 Geburten pro 1000 Erdenbewohnern im Jahr, dem stehen 9 Todesf\u00e4lle pro 1000 gegen\u00fcber. Mithin w\u00e4chst die Menschheit immer weiter, zurzeit um 1,2 Prozent pro Jahr.<\/p>\n<p>Ich qu\u00e4le Sie mit all diesen Zahlen, weil sie den Blick auf die eigentliche Problematik lenken, die in der hysterischen deutschen Nabelschau v\u00f6llig untergeht: Die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen der Gegenwart und der n\u00e4chsten Zukunft r\u00fchren nicht von Unterbev\u00f6lkerung in einigen Gegenden des Erdballs, sondern von gravierender \u00dcberbev\u00f6lkerung in den meisten Teilen der Erde. 6,5 Milliarden, also 6500 Millionen Menschen leben derzeit auf dem Globus. Das biblische \u201ewachset und mehret euch\u201c hat in erschreckendem Ma\u00dfe gut funktioniert \u2013 genau genommen allerdings erst ab der industriellen Neuzeit. Die Historiker gehen f\u00fcr die Zeit um Christi Geburt von einer Weltbev\u00f6lkerung zwischen 200 und 400 Millionen Menschen aus. Die Zahl stieg bis ins Jahr 1804 extrem langsam auf 1 Milliarde an. Von da an ging es dann rasant aufw\u00e4rts: Binnen nur 123 Jahren bis 1927 hatte sich die Menschheit auf 2 Milliarden verdoppelt; als ich 1955 geboren wurde, waren es knapp 3 Milliarden, bei Geburt meines Sohnes 1981 wurden 4,8 Milliarden gez\u00e4hlt; heute sind es 6,5, sp\u00e4testen 2013 werden es 7 Milliarden sein. F\u00fcr 2050 rechnet man im g\u00fcnstigsten Fall mit etwa 8,5, wenn\u00b4s schlecht l\u00e4uft mit mehr als 10 Milliarden Menschen auf der Welt.<\/p>\n<p>Frage: Wann ist das Boot voll? Bei welcher Kopfst\u00e4rke s\u00e4uft das Schiffchen Erde ab? Im Jahre 1741 ver\u00f6ffentlichte der Denker und Wissenschaftler Johann Peter S\u00fc\u00dfmilch in Berlin eine Schrift, in der er vorrechnete, dass die maximale \u201eTragf\u00e4higkeit der Erde\u201c, wie er es nannte, 14 Milliarden Menschen umfasse. Zu S\u00fc\u00dfmilchs Zeit lebten \u00fcber 90 Prozent der Bev\u00f6lkerung in und von der Landwirtschaft. Das w\u00fcrde so nicht bleiben, wusste er: Und setzte eine enorme Produktivit\u00e4tssteigerung in Landwirtschaft und Handwerk voraus, spekulierte auf die Urbarmachung von W\u00fcsten, S\u00fcmpfen und Urw\u00e4ldern, auf eine zu jener Zeit noch kaum vorstellbare Ausdehnung des Welthandels und der manufakturm\u00e4\u00dfigen Arbeitsteilung. S\u00fc\u00dfmilch war ein kluger, weit vorausschauender und fantasievoller Mann. Immerhin erkannte er, dass die Belastbarkeit des Planeten letztlich begrenzt ist.<\/p>\n<p>Aber dieses Limit lag f\u00fcr S\u00fc\u00dfmilch in schier unendlicher Ferne. Wir erinnern uns: zu seiner Zeit lebten noch nicht einmal eine Milliarde Menschen auf Erden. F\u00fcr ihn war der Globus vorderhand ein gigantischer Entwicklungs- und Wachstumsraum. Grenzen des Wachstums, Verknappung der Ressourcen, Umweltverschmutzung bis hin zur Klimabeeinflussung, schmelzende Polkappen, verdunstende Meere, versteppende \u00c4cker etc pp. \u2013 das ganze Problemszenario heutiger Zeit entzog sich seiner Vorstellungskraft ebenso wie der Sachverhalt, dass es einmal Milliarden Menschen geben k\u00f6nnte, von denen jeder direkt und indirekt 1000 mal mehr Luft, Boden, Wasser, Energie und Rohstoffe verbraucht als der Zeitgenosse des mittleren 18. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Angesichts der heutigen Realit\u00e4ten bei noch nicht einmal halb so vielen Menschen auf Erden, erweist sich die 14-Milliarden-Gr\u00f6\u00dfe als unhaltbar. Dennoch gibt es auch heute wieder ein paar Leute, Gen-Wissenschaftler und religi\u00f6se Fundamentalisten in der Hauptsache, die die Gr\u00f6\u00dfenordnung von S\u00fc\u00dfmilchs \u201eTragf\u00e4higkeit der Erde\u201c f\u00fcr durchaus annehmbar halten. Viele andere tun einfach so, als existiere das \u00dcberbev\u00f6lkerungsproblem einfach nicht: Beispielsweise die gesamte Weltwirtschaft, insofern ihr quasi ur- oder eigengesetzliches Streben vollst\u00e4ndig auf Wachstum ausgerichtet ist.<\/p>\n<p>Um Wachstum zu generieren gibt es drei M\u00f6glichkeiten. Erstens: Die vorhandenen Menschen konsumieren immer gr\u00f6\u00dfere Mengen von produzierten G\u00fctern, so dass in der Folge immer mehr G\u00fcter produziert und verkauft werden k\u00f6nnen. Zweitens kann Wachstum generiert werden, indem die absolute Zahl der Menschen w\u00e4chst, so dass immer gr\u00f6\u00dfere Mengen von G\u00fctern gebraucht werden. Die dritte M\u00f6glichkeit schafft kein Wachstum, sie lagert es nur um: Man konkurriert den Mitbewerber in Grund und Boden, jagt ihm M\u00e4rkte ab oder \u00fcbernimmt ihn gleich vollends. Die bisherige Menschheitsgeschichte zeigt ein ebenso lebhaftes wie unter sozialen Gesichtspunkten problematisches Nebeneinander aller drei M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Eigentlich sind die Grenzen des quantitativen Wachstums l\u00e4ngst \u00fcberschritten. Und zwar jene Grenzen, unterhalb derer die Spezies Mensch noch leben konnte, ohne ihren Lebensraum so sehr zu sch\u00e4digen, dass der eigene Bestand gef\u00e4hrdet ist. Das Wachstum der globalen Population und ihres Konsums lappt seit geraumer Zeit sehr deutlich \u00fcber ihre nat\u00fcrlichen Grenzen hinaus \u2013 doch der \u00f6konomische Mainstream betreibt Business as usual, als gelte noch immer die Berechnung des Herrn S\u00fc\u00dfmilch von 1741. Ich will bestimmt nicht die Anstrengungen und Errungenschaften des modernen Umweltschutzes wegreden. Aber ich bef\u00fcrchte, dass die sch\u00f6nen, allerdings vergleichsweise doch bescheidenen Fortschritte \u00f6kologisch orientierter Politik und Lebensweise vom globalkapitalistischen Gang der Dinge platt gewalzt werden. Denn zur gewohnten Raubbau- und Expansions\u00f6konomie der alten Industriel\u00e4nder kommt nun auch noch der durchaus begreifbare Drang der Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder, nach Jahrhunderten endlich ihren Anteil am Wohlstand haben zu wollen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte dieses Plattwalzen am Beispiel der weltweiten Automobilisierung verdeutlichen, weil es den Irrwitz der Wachstumsideologie besonders augenf\u00e4llig macht. (Das Beispiel fand bereits in meinem Essay vom &gt; 2006-01-02 \u201eDie Moderne in der eigenen Falle\u201c Verwendung). Nehmen wir den Traum der Automobilindustrie von der Motorisierung der bislang unterentwickelten L\u00e4nder. Allein die Vorstellung, es k\u00f6nnte etwa in China ein Motorisierungsgrad wie in Deutschland erreicht werden, muss jedem, der nur ein bisschen \u00f6kologischen Verstand besitzt, den Angstschwei\u00df auf die Stirn treiben. Die wahnwitzige deutsche Automobilrate (ein Auto pro zwei B\u00fcrger, Tendenz weiter steigend) auf China \u00fcbertragen, hie\u00dfe: Die globalen Ressourcen m\u00fcssten 650 Millionen zus\u00e4tzliche Verbrennungskraftwerke auf R\u00e4dern aushalten. Das w\u00e4re grob eine Verdoppelung des derzeitigen Weltbestandes von rund 750 Millionen Fahrzeugen.<\/p>\n<p>Schon heute verursachen Automotoren ein F\u00fcnftel des weltweiten CO2-Aussto\u00dfes. Nimmt man die Produktion der Autos sowie Herstellung und Erhalt der Infrastruktur f\u00fcr ihren Betrieb hinzu, ist es ein Drittel. S\u00e4mtliche Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder weisen eine eindeutige Tendenz in Richtung Automobilgesellschaft nach westlichem Vorbild auf. Deshalb soll es in 25 bis 30 Jahren nach Experten-Hochrechnung etwa 2,5 Milliarden (!) Autos auf Erden geben; so viele, wie es 100 Jahre davor Menschen gab. Das ist jede Menge vom hei\u00df ersehnten Wachstum. Das ist aber zugleich auch blanker Irrsinn.<\/p>\n<p>F\u00fcr jeden, der einen Blick auf und ein bisschen Verantwortungsgef\u00fchl f\u00fcr die Zukunft des Planeten hat, ist v\u00f6llig klar: Jedwede Reduzierung der Geburtenrate ist eine kleine Zukunftshoffnung mehr. Deshalb begr\u00fc\u00dft die UNO den Geburtenr\u00fcckgang in Europa und die Wirkung der Ein-Kind-Politik der Volksrepublik China. Deshalb ist die Eind\u00e4mmung, ja letztlich der Stop des globalen Bev\u00f6lkerungswachstums eines der zentralen Ziele der Weltorganisation. Interessanter Weise gilt bei der UNO, bei Entwicklungshelfern und Bev\u00f6lkerungswissenschaftlern neben Sexualaufkl\u00e4rung und Verbreitung von Verh\u00fctungsmitteln die Bildungsf\u00f6rderung vor allem f\u00fcr Frauen als wesentliches Instrument zur Senkung der Geburtenrate. Warum? Weil es einen eindeutigen statistischen und lebenspraktischen Zusammenhang zwischen der Schulbildung der Frauen und der Zahl der Kinder gibt, die sie zur Welt bringen. Ein Beispiel f\u00fcr viele: In Honduras geb\u00e4ren Frauen ohne Schulbildung durchschnittlich 7,1 Kinder, solche mit Grundschulbildung 5,3 Kinder und Frauen mit h\u00f6herer Schulbildung 2,9 Kinder. Diese Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit findet sich in jedem Erdteil wieder; nur dass in Afrika die Kinderzahl in allen Kategorien noch h\u00f6her und in Europa insgesamt erheblich niedriger liegt. Doch generell gilt: Je h\u00f6her der Bildungsgrad der Frauen, umso niedriger im Durchschnitt die Kinderzahl.<\/p>\n<p>Auf breiter Front zu durchgreifender, die globale Geburtenrate messbar beeinflussender Wirkung kommt dieser Zusammenhang allerdings erst seit etwa 40 Jahren. Genauer: Seit Beginn des Siegeszuges der Antibabypille und damit der j\u00fcngsten Welle der Frauenemanzipation. Da beide, eng miteinander verwobenen, Prozesse in den Industriel\u00e4ndern zuerst begannen und dort am weitesten fortgeschritten sind, liegt folgerichtig die Geburtenrate dort auch am niedrigsten. In den 1960er-Jahren bekam die Menschheit erstmals in ihrer Geschichte effektive, massentaugliche Verh\u00fctungsmittel an die Hand, die die Zeugung verhindern, ohne dazu Sexualit\u00e4tseinschr\u00e4nkung oder -verzicht zu verlangen. Und, ganz wichtig: Es waren\/sind Verh\u00fctungsmittel, die der Anwendungshoheit der Frauen unterstehen, Verh\u00fctungsmittel, die der physischen Mitwirkung des Mannes nicht mehr bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Seither gehen die Geburtenraten Zug um Zug zur\u00fcck \u2013 in den Industriel\u00e4ndern eher als in der Dritten Welt, in Bev\u00f6lkerungsschichten mit ordentlicher Schulbildung schneller als unter Ungebildeten und Armen, in weltlich gepr\u00e4gten Milieus effektiver als in religi\u00f6sen, in den St\u00e4dten durchgreifender als auf dem flachen Land. Sollte sich diese Tendenz fortsetzen, prognostiziert die Wissenschaft einen Umkehrpunkt in der Entwicklung der Weltbev\u00f6lkerung bei einem Maximum von etwa 9 Milliarden Menschen. Voraussetzung daf\u00fcr ist allerdings, dass die Geburtenraten nicht wieder steigen \u2013 auch in Deutschland nicht. Im Grundsatz l\u00e4sst sich die These formulieren: Die Zukunft der Spezies h\u00e4ngt wesentlich davon ab, dass sie auch global m\u00f6glichst rasch in eine l\u00e4ngere Phase negativen Wachstums, also der zahlenm\u00e4\u00dfigen Schrumpfung eintritt.<\/p>\n<p>Kehren wir in heimatliche Gefilde zur\u00fcck, dorthin also, wo das im Ansatz bereits der Fall ist. Ich sage vorwitzig: Im g\u00fcnstigen Fall sinkt die deutsche Bev\u00f6lkerung bis 2050 von 82 auf 75 Millionen. Josef Joffe erinnert in seinem \u201eZeit\u201c-Artikel daran, dass das immer noch 30 Millionen mehr w\u00e4ren als bei der zweiten Reichsgr\u00fcndung 1871, und f\u00fcnf Millionen mehr als zum Zeitpunkt der gr\u00f6\u00dften Ausdehnung von Hitlers Drittem Reich 1942. Nichts spricht daf\u00fcr, die heutige Bev\u00f6lkerungsst\u00e4rke in Deutschland als Normalit\u00e4t, als absolute Messlatte oder als unverzichtbares Muss zu betrachten.<\/p>\n<p>Dass Produktivit\u00e4t keine Frage der Kopf- oder H\u00e4ndezahl ist, lehrt uns die Arbeitsgeschichte, und lehrt uns ziemlich schmerzlich deren Gegenwart. Noch zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren rund 50 Prozent der Deutschen Bauern nebst Angeh\u00f6rigen. Heute sind es noch zwei bis drei Prozent \u2013 und dennoch ist die deutsche Landwirtschaft eine der produktivsten weltweit. Gleiches gilt im Grundsatz f\u00fcr die Industrie: Trotz allf\u00e4lligen Lamentierens gewinnt sie eine Exportweltmeisterschaft nach der anderen \u2013 dank steigender Produktivit\u00e4t bei sinkenden Besch\u00e4ftigtenzahlen.<\/p>\n<p>Warum dann eigentlich diese Kindernotstandshysterie? Wegen der Rentenkasse. Zu wenige Junge k\u00f6nnten zu viele Alte nicht mehr aushalten, geht die verbreitete Logik. Indes: Wir h\u00e4tten diese und manch andere Diskussion gar nicht oder nur in sehr viel gelassenerer Form, st\u00fcnden von unseren f\u00fcnf Millionen Arbeitslosen vier Millionen steuer- und abgabenpflichtig in Lohn und Brot. Will sagen: Das Problem der Rentenkasse ist weniger ein Problem von zu geringer Kinderzahl, eher ein Problem der Besch\u00e4ftigungsquote. Und das l\u00e4sst sich nun mit mehr Kindern gerade nicht beseitigen!<\/p>\n<p>Es gibt schon f\u00fcr die Lebenden nicht gen\u00fcgend ordentlich bezahlte Arbeit. Wieso sollte es die ausgerechnet f\u00fcr st\u00e4rkere Geburtenjahrg\u00e4nge geben? Es ist doch eher umgekehrt so, dass unter den gegebenen Bedingungen eine gr\u00f6\u00dfere Population noch mehr Probleme h\u00e4tte, ihre Menschen in Arbeit zu bringen. Schlussendlich w\u00fcrde \u201emehr Kinder\u201c blo\u00df bedeuten, dass die Zahl derer, die staatliche Sozialzuwendungen bekommen m\u00fcssen, zunimmt. Oder formulieren wir es in aller Sch\u00e4rfe: Es zynisch, nach mehr Kindern zu schreien, wenn man f\u00fcr diese Kinder keine Arbeit hat, wenn diese Kinder dann doch nur in die Perspektivlosigkeit hineingeboren werden. Keines der bestehenden Probleme, auch nicht dasjenige der Rentenkasse, wird durch \u201emehr Kinder\u201c gel\u00f6st. Im Gegenteil, es w\u00fcrden sich s\u00e4mtliche Probleme eher noch versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Gehen wir nun mal ganz weit herunter auf die regionale und lokale Ebene. 8 Prozent Bev\u00f6lkerungsschwund k\u00f6nnte hei\u00dfen: 8 Prozent weniger Sch\u00fcler je Lehrer \u2013 das w\u00e4re ein kleiner Segen! K\u00f6nnte hei\u00dfen: 8 Prozent weniger Ressourcenverbrauch und Dreckerzeugung \u2013 l\u00e4ngst nicht hinreichend, aber doch sch\u00f6n! K\u00f6nnte hei\u00dfen: 8 Prozent weniger Autos auf den Stra\u00dfen \u2013 nicht eben die Welt, aber begr\u00fc\u00dfenswert! K\u00f6nnte hei\u00dfen: 8 Prozent weniger Fl\u00e4chenverbrauch und Landschaftszersiedelung \u2013 l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig! Alles \u00fcber alles gesehen: Die Lebensqualit\u00e4t, auch f\u00fcr die dann verbliebenen Kinder, d\u00fcrfte zunehmen. Der \u00d6kologie t\u00e4te das Minus ohnehin gut.<\/p>\n<p>Eine Schwierigkeit k\u00f6nnte freilich darin bestehen, dass die 8 Prozent Minus sich nicht gleichm\u00e4\u00dfig auf die Republik verteilen. Die Studie des Berlin-Instituts konstatiert ein erhebliches innerstaatliches Gef\u00e4lle und prognostiziert erhebliche innerstaatliche Wanderbewegungen: Von wirtschaftsschwachen in wirtschaftsstarke Regionen, von Gebieten mit geringer Lebensqualit\u00e4t in solche mit hoher, vom Land in die St\u00e4dte. Aber daran ist nichts neu \u2013 auch bei sinkender Geburtenrate w\u00fcrde sich einfach fortsetzen, was wir seit ewigen Zeiten und j\u00fcngst, seit dem Mauerfall, wieder augenf\u00e4llig kennen: Die Menschen gehen dorthin, wo sie sich ein besseres Leben versprechen. Lediglich ein Trend scheint f\u00fcr unsere Gegenden neu: der verst\u00e4rkte Zug vom Land in die St\u00e4dte, der zurzeit beginnt und sich wohl noch verst\u00e4rkt. Wobei damit eigentlich nur eine kurze Zwischenzeit unterbrochen wird, und auch die deutsche Gesellschaft quasi zum Normalzustand oder zur historischen Haupttendenz zur\u00fcckkehrt: und die hei\u00dft Landflucht.<\/p>\n<p>H\u00e4uslebauen und Hauptwohnsitz auf dem Land nehmen, diese starke Str\u00f6mung ist gerade mal 30 bis 40 Jahre alt und nirgendwo so stark ausgepr\u00e4gt wie in Deutschland. Eine Ausnahmeerscheinung also, sowohl regional wie zeitlich; und sie geht jetzt zu Ende. Die Welt tickt eben anders: In diesen Tagen werden erstmals in der Erdgeschichte mehr Menschen in St\u00e4dten leben als auf dem Land. Diese St\u00e4dte reichen von der 20 000-k\u00f6pfigen Gemeinde bis zu teils unglaublichen Monstergr\u00f6\u00dfen. 20 urbane Moloche mit mehr als 10 Millionen Einwohnern gibt es weltweit, Tendenz steigend. Der gr\u00f6\u00dfte davon ist Tokio mit 35 Millionen Einwohnern, gefolgt von Mexiko City und New York mit jeweils knapp 20 Millionen. Daneben nehmen sich Koblenz, selbst K\u00f6ln und Frankfurt wie D\u00f6rfer aus.<\/p>\n<p>Man mag diese Urbanisierung bedauern, und ich selbst m\u00f6chte um keinen Preis in solch einem Moloch leben. Aber man muss gedanklich doch akzeptieren, dass die Mehrheit der Menschheit heute aus St\u00e4dtern besteht. Was im \u00fcbrigen eine fast logische Folge der Mechanisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft ist. Ein moderner Bauer kann, rechnerisch, heute hunderte Menschen mit den notwendigen Lebensmitteln versorgen, aber vom Erl\u00f6s kaum mehr als seine eigene Familie ern\u00e4hren. Das ist Segen und Fluch zugleich der Produktivit\u00e4tsentwicklung. <br \/><br \/>Wenn die Landflucht anh\u00e4lt, sinken in Gebieten wie etwa den rheinischen Schiefergebirgen die Mieten und Grundst\u00fcckspreise. Das mag den einen oder anderen Einheimischen schmerzhaft treffen. Sollte die Abwanderung etwa aus dem Taunus und dem Westerwald sehr stark ausfallen, w\u00fcrden sich hier wieder Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Dieses Extrem steht nicht zu erwarten, u.a. weil mit den Ballungsr\u00e4umen Rhein-Main und K\u00f6ln\/Bonn Boom-Regionen direkt nebenan liegen. Au\u00dferdem kann, wie wir vorhin geh\u00f6rt haben, ein Bev\u00f6lkerungsschwund hier zur Erh\u00f6hung der Lebensqualit\u00e4t f\u00fchren, die schon ein Jahrzehnt sp\u00e4ter einen Teil der Landfl\u00fcchtigen wieder zur\u00fcckbringt. Vielleicht. Denn die Launen der Menschen sind wandelbar, und die Motive von Wanderstr\u00f6men bleiben oft r\u00e4stelhaft. Klar sollte jedoch sein, dass mit dieser Situation nur zurecht kommt, wer ein gewisses Absinken der Bev\u00f6lkerungszahl auch als Chance begreift. Global gesehen, ist das Bev\u00f6lkerungs-Minus \u00fcberlebensnotwendig f\u00fcr die Spezies; f\u00fcr Deutschland oder Europa betrachtet, ist es alles andere als eine Katastrophe.<\/p>\n<p>Aber was ist nun mit der Rentenkasse? Ja was ist damit! Fr\u00fcher einmal hie\u00df es, viele Kinder seien die beste Altersversorgung. Bis vor ein paar Jahren wusste die allgemeine Schulbildung noch, dass auf diese Weise vor allem ein ewiger Kreislauf der Armut in Gang gesetzt wird: Elend gebiert zu viele Kinder, und zu viele Kinder haben noch mehr Elend zur Folge. Diese Erkenntnis ist eigentlich schon ziemlich alt, aber die Deutschen scheinen sie in diesen Tagen vergessen zu haben. Denn ihnen f\u00e4llt im Hinblick auf die Altersversorgung nichts besseres ein, als Propaganda f\u00fcr eine Steigerung der Geb\u00e4rfreude zu machen.<\/p>\n<p>Das Problem der Rentenkasse ist ein Problem von Arbeit und Produktivit\u00e4t, keines von mehr oder weniger Kindern. Brauchte es dereinst 9 Kinder, um einem greisen Elternpaar das Gnadenbrot zu sichern, mag heute eine junge, hochproduktive Arbeitskraft hinreichen um einen Rentner zu versorgen. Bei entsprechend gesteigerter Produktivit\u00e4t kann eine solche Arbeitskraft morgen vielleicht zwei oder drei Rentner durchbringen. Zumal, wenn diese selbst bis 67 oder l\u00e4nger arbeiten. Da Produktivit\u00e4t letztlich ein Kollektivfaktor ist \u2013 in den neben den betrieblichen Komponenten auch die gesamte gesellschaftliche und staatliche Infrastruktur vom Stra\u00dfennetz \u00fcber Bildung und Volksgesundheit bis hin zur \u00f6ffentlichen Ordnung einflie\u00dft \u2013, w\u00e4re es nur logisch, die Renten auf Steuerfinanzierung umzustellen. Sind gen\u00fcgend Arbeitspl\u00e4tze vorhanden, ist das Renten-Problem damit weitgehend gel\u00f6st. Sind nicht gen\u00fcgend Arbeitspl\u00e4tze vorhanden, wird das Problem durch mehr Kinder nur noch gr\u00f6\u00dfer.<br \/><br \/>Die entscheidende Frage im Themenfeld Rente lautet also nicht: Wie kriegen wir unsere Familien, insbesondere unsere Frauen dazu, wieder mehr Kinder zu bekommen? Sondern sie lautet: Wie kommen wir zu gen\u00fcgend ordentlichen Arbeitspl\u00e4tzen? Das aber ist ein v\u00f6llig anderes Thema \u2013 allerdings auch eines, bei dem eine etwas kleinere Bev\u00f6lkerung eher hilfreich als hinderlich w\u00e4re.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wider die Hysterie in der gegenw\u00e4rtigen deutschen Familiendiskussion *** Unkorrigiertes Manuskript eines Vortrags, den ich erstmals im M\u00e4rz 2006 gehalten habe. *** Meine sehr verehrten Damen und Herrn, neue Hiobsbotschaften von der deutschen Geburtenfront versetzten Mitte M\u00e4rz die Republik neuerlich in Aufregung. Anlass war die Publikation einer Studie des \u201eBerlin-Instituts f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung\u201c. 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