{"id":513,"date":"2007-11-25T23:00:00","date_gmt":"2007-11-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2007\/11\/25\/bombenstimmung-im-centralpark\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:22","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:22","slug":"bombenstimmung-im-centralpark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2007\/11\/25\/bombenstimmung-im-centralpark\/","title":{"rendered":"Bombenstimmung im Centralpark"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>St\u00e4dtische Ratten und V\u00f6gel jubilierten. So etwas hatten beide lange nicht erlebt: Ihre Mitbewohner von der zweibeinigen S\u00e4ugergattung flohen das Rhein-Mosel-Biotop, statt sich, wie sonst am 11.11., mit Tr\u00e4r\u00e4 beim ersten Vorspiel zur Enthemmungs-Session zu verlustieren. Koblenz fiel in eine so tiefe Sonntagsruhe, als habe es eben das von Bibel und Arbeiterbewegung aufgestellte Gebot \u201eam siebten Tage sollst du ruhen\u201c als weisen Ratschluss wiedererkannt und wolle nun f\u00fcr manch arbeitsreichen Sonntag Bu\u00dfe tun.<\/p>\n<p>Ausgerechnet ein nachgelassenes Zeugnis der schlechten Seite menschlicher Existenz erinnerte im vorliegenden Fall an die besseren Errungenschaften der Geschichte: die Weltkriegsbombe an den arbeitsfreien Sonntag. Vielleicht sollte man jenes am Koblenzer Zentralplatz ausgebuddelte Sprengmonster dorten als Mahnmal aufstellen. Damit dereinst, wenn kaufs\u00fcchtige Massen mit leerem Portemonnaie sieben Tage die Woche rund um die Uhr durchs neue Mittelrhein-Einkaufsparadies schlurfen, ein paar Leute aufmerken: Das also kann der Mensch sich antun.<\/p>\n<p>Freund Walter kringelt sich. Man werfe ihm das Stichwort \u201eZentralplatz\u201c zu, schon prustet er los. Derselbe Effekt bei \u201eIntendantensuche\u201c und \u201eLokf\u00fchrerstreik\u201c. Der Tanz ums gro\u00dfe Koblenzer Loch hat es ihm schon lange angetan. Seit j\u00fcngst aber eine neue B\u00fcrgerinitiative auf den Plan getreten ist und selbiges zum Centralpark umgestalten will, kriegt er sich nicht mehr ein. \u201eDas war doch mein und dein Notvorschlag\u201c, feixt er, \u201evon der Politik schn\u00f6de ignoriert und auch sonst von keinem ernst genommen. Dann erkl\u00e4rt eine Politikerin die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr d\u00e4mlich und die Sache f\u00fcr politisch entschieden, gleich f\u00fchlt sich das B\u00fcrgertum am Nasenring gezerrt und geht auf die Barrikaden. Wunderbar!\u201c<\/p>\n<p>Moral von der Geschicht\u2019? Erstens verstehen manche Politiker vom seltsam widerspr\u00fcchlichen Wesen namens Volk herzlich wenig. Zweitens begreifen sie nicht: Dinge k\u00f6nnen politisch erst f\u00fcr entschieden gelten, wenn dieses Volk sie resignierend hinnimmt, sie ihm gleichg\u00fcltig sind, oder es die Entscheidungen beklatscht. Keine der drei Bedingungen trifft f\u00fcr den Koblenzer Zentralplatz zu, weshalb die Sache wieder v\u00f6llig offen ist. So ruft das Leben bisweilen in Erinnerung, dass Politik sich nicht im Tun von Politikern ersch\u00f6pft. Daran sollte denken, wer mit der Findung eines neuen Intendanten f\u00fcr das&nbsp; Theater Koblenz befasst ist. Immerhin geht es um die Besetzung einer nachhaltig wirkenden Position von besonderem \u00d6FFENTLICHEN Interesse. Je transparenter das Procedere umso angemessener. Oder wie Walter sagt: \u201eNach geheimnisvollem Hokuspokus Kaninchen aus dem Zylinder zu ziehen, \u00fcberl\u00e4sst man besser den Illusionisten.\u201c<\/p>\n<p>Vor Illusionen scheinen gerade vermeintliche Pragmatiker nicht gefeit. Das bewies die Deutsche Bahn, als sie mitten im Eisenbahnerstreik mit millionenschweren Anzeigen die \u00f6ffentliche Stimmung gegen die Streikenden wenden wollte. Klar, der Ausstand nervt. Doch seit wir wissen, was auf den Loks verdient wird, nervt Mehdorns Sturheit viel mehr. Und der wirtschaftliche Schaden? Ach Gott, der wird seit jeher bei jedem Streik bejammert.<\/p>\n<p>Wie aber s\u00e4he die Welt heute aus, h\u00e4tten nie starke Arme die R\u00e4der stillstehen lassen? Wie w\u00fcrde die Welt bald aussehen, g\u00e4be es keine Gewerkschaften und Streiks mehr? Ich sehe ein paar Zeitgenossen, die bekommen gl\u00e4nzende Augen. Dazu Walter: \u201eVertut euch nicht, Herrschaften. So wie ihr eben zu ahnen beginnt, dass Einheitsgewerkschaften und Fl\u00e4chentarife wohl das Schlechteste nicht waren, so werdet ihr demn\u00e4chst unter der Knute von Monopolen und Finanzspekulanten die Zeit noch halbwegs geregelter Gesch\u00e4ftigkeit und geordneter Arbeitsk\u00e4mpfe zur\u00fccksehnen.\u201c&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St\u00e4dtische Ratten und V\u00f6gel jubilierten. So etwas hatten beide lange nicht erlebt: Ihre Mitbewohner von der zweibeinigen S\u00e4ugergattung flohen das Rhein-Mosel-Biotop, statt sich, wie sonst am 11.11., mit Tr\u00e4r\u00e4 beim ersten Vorspiel zur Enthemmungs-Session zu verlustieren. 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