{"id":5126,"date":"2009-07-05T16:26:00","date_gmt":"2009-07-05T15:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=5126"},"modified":"2024-10-10T16:35:53","modified_gmt":"2024-10-10T15:35:53","slug":"britannien-und-die-musikalische-klassik-europas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2009\/07\/05\/britannien-und-die-musikalische-klassik-europas\/","title":{"rendered":"Britannien und die (musikalische) Klassik Europas"},"content":{"rendered":"<h6>\u00dcber die Anziehungskraft des historischen englischen Musikmarktes auf Komponisten (H\u00e4ndel, Haydn, Mendelssohn Bartholdy) vom Kontinent <\/h6>\n<p>***<\/p>\n<p><em>(Unkorrigiertes Rohmanuskript f\u00fcr einen Langvortrag im Rahmen einer halbt\u00e4gigen Veranstaltung der Marienberger Seminare am 4. Juli 2009 in Bad Marienberg. Der m\u00fcndliche Vortrag wich teils erheblich vom Manuskript ab)<\/em><\/p>\n<p>***<br \/>ape. Meine sehr verehrten Damen und Herrn,<\/p>\n<p>\u201eBritannien und die Klassik Europas\u201c ist unsere heutige Veranstaltung betitelt. Gemeint ist die musikalische Klassik, weshalb es im Verlaufe des Nachmittags selbstverst\u00e4ndlich auch eine ganze Menge Musik geben wird.<br \/>Und zwar live dargeboten von unseren beiden G\u00e4sten Frau Ulrich und Herr Siefert.<\/p>\n<p>Sie werden das Seminar mit drei kleinen Konzertbl\u00f6cken zwischendurch auflockern und mit einem weiteren Block beschlie\u00dfen. Die beiden haben daf\u00fcr St\u00fccke von eben jenen Komponisten ausgew\u00e4hlt, die in meinem Vortrag eine gro\u00dfe, kleinere oder ganz kleine Rolle spielen. Wobei diese Musik hier nicht als Unterrichtsmaterial missbraucht werden soll. Vielmehr wird sie in erster Linie gegeben, um Sie\/uns an diesem Nachmittag zu erfreuen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich werde auch ich noch etwas Musik beisteuern. Daf\u00fcr allerdings nicht selbst zum Instrument greifen, Gott bewahre Sie davor. Sondern blo\u00df die eine oder andere CD auflegen lassen, damit Sie ein paar H\u00f6reindr\u00fccke von gr\u00f6\u00dfer besetzter Musik aus dem Schaffen der zur Rede stehenden Komponisten gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>*** Freie Vorrede \u00fcber<br \/>a) Gro\u00dfbritannien = Musiksupermacht des Pop-Zeitalters<br \/>b) Im 17.\/18. Jahrhundert klang die Musik ziemlich anders als wir es heute in der Regel gewohnt sind = Instrumente, \u00dcbebedingungen etc. ***<\/p>\n<p>\u201eBritannien und die Klassik Europas\u201c. Wie kommt man freiwillig auf so ein Thema? Schlie\u00dflich bin ich von keiner Seite gebeten, beauftragt oder gezwungen worden, mich dessen anzunehmen. Der Vorschlag f\u00fcr dieses Seminar kam von mir selbst. Ob das wirklich so eine gute Idee war, dar\u00fcber geriet ich im Laufe der Vorbereitung auf den heutigen Vortrag allerdings mehrfach in Zweifel: Je n\u00e4her ich an die Sache herantrat, umso uferloser erschien mir die Stofff\u00fclle. Wie also kommt man ohne Not auf dieses Thema?<\/p>\n<p>Es ist da, war immer schon da. Bei jedem, der sich berufsm\u00e4\u00dfig oder als Hobby mit klassischer Musik befasst, flackert dieses Thema als Fragezeichen immer wieder am Rande des Blickfeldes auf. Man bereitet sich als Musiker, Dozent, Programmheftschreiber, Konzertbesucher oder Konzertkritiker auf sein jeweiliges Gesch\u00e4ft vor, und fast jedesmal st\u00f6\u00dft man wieder auf einen Hinweis, dass dieser oder jener Komponist zu diesem oder jenem Zeitpunkt das oder das mit London, mit England oder Schottland zu tun hatte.<\/p>\n<p>Solche Hinweise gibt es nicht nur vereinzelt und gelegentlich, es gibt sie dauernd und in gro\u00dfer F\u00fclle. Irgendwann verfestigt sich der Eindruck, dass England f\u00fcr viele namhafte Klassikkomponisten irgendwie wichtig war, und dass man deshalb dem historischen britischen Musikleben bei Gelegenheit mal erh\u00f6hte Aufmerksamkeit zuwenden sollte \u2013 um dahinter zu kommen, warum es so wichtig war. Doch wie das so ist im Leben: Es bleibt beim guten Vorsatz. Bis, ja bis der Lauf der Zeiten zuf\u00e4llig die britischen Bez\u00fcge europ\u00e4ischer Klassik mit Macht auf die Tagesordnung und damit ins Zentrum der Aufmerksamkeit dr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Solch einen Zufall brachte das Jahr 2009 mit sich: Eine Klumpung von f\u00fcr die Musikwelt bedeutsamen Jubil\u00e4en. Die da w\u00e4ren:<br \/>&#8211; 250. Todestag von Georg Friedrich H\u00e4ndel<br \/>&#8211; 200. Todestag von Joseph Haydn<br \/>&#8211; und 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy<br \/>Es erschienen aus diesen Anl\u00e4ssen neue Biografien, die Zeitungen druckten gro\u00dfe W\u00fcrdigungen, Radio und Fernsehen taten das Ihre, Konzertprogramme und dazugeh\u00f6rige Programmhefte lie\u00dfen sich verst\u00e4rkt und vertiefend auf die drei Jubilare ein. Und was fiel pl\u00f6tzlich besonders auf: Alle drei hatten ein besonderes Verh\u00e4ltnis zu Britannien.<\/p>\n<p>H\u00e4ndel lebte und arbeitete die letzten 50 seiner 74 Lebensjahre in England.<br \/>Haydn verbrachte insgesamt drei seiner sp\u00e4ten Jahre auf den Inseln und hatte ernsthaft \u00fcberlegt, auch dorthin umzusiedeln und die britische Staatsb\u00fcrgerschaft anzunehmen. Mendelssohn Bartholdy reiste w\u00e4hrend seines 38 Jahre kurzen Lebens neun oder zehn Mal f\u00fcr jeweils mehrere Wochen oder Monate nach England, das er seine \u201ezweite Heimat\u201c nannte.<\/p>\n<p>Damit der Zufallsklumpung nicht genug. Unabh\u00e4ngig von den musikalischen Jubil\u00e4en machte auch der rheinland-pf\u00e4lzische Kultursommer eine seit vielen Jahren gehegte Absicht wahr: Er stellte das Landesfestival 2009 unter das Jahresmotto \u201eCool Britannia\u201c, um einmal schwerpunktm\u00e4\u00dfig die teils uralten und vielf\u00e4ltigen kulturellen Beziehungen wie wechselseitigen Beeinflussungen zwischen Gro\u00dfbritannien und Deutschland genauer in Augenschein zu nehmen. Das alles zusammen war f\u00fcr mich der unmissverst\u00e4ndliche Wink mit dem Zaunpfahl, besagtes Fragezeichen vom Rande des Bildschirms zu holen, in dessen Mitte zu schieben und das seit Jahren latente Thema endlich mal in Angriff zu nehmen.<\/p>\n<p>Deshalb stehe ich heute hier, spreche \u00fcber \u201eBritannien und die Klassik Europas\u201c. Mein Vortrag wird sich konzentrieren auf das 18. Jahrhundert. Ein Schwerpunkt wird Georg Friedrich H\u00e4ndel sein, der Brite aus Halle an der Saale, weil sich an seiner Vita sch\u00f6n verdeutlichen l\u00e4sst, was kontinentale Musiker immer wieder so sehr nach England zog, was dort anders war als in den Klassikzentren \u00d6sterreichs, Italiens oder Deutschlands. Ich werde \u00fcber Joseph Haydn sprechen und unter anderem der Frage nachgehen, was ihn bewogen hat, in schon recht fortgeschrittenem Alter sich auf ein gro\u00dfes britisches Abenteuer einzulassen.<\/p>\n<p>W\u00fcrde das Seminar zwei Tage dauern, k\u00f6nnten wir auch dem 8-j\u00e4hrigen Wolfgang Amadeus Mozart nach London folgen. K\u00f6nnten ihn dort in enger Freundschaft mit und kindlicher Bewunderung f\u00fcr einen jungen Mann und Musicus namens Johann Christian Bach finden, dem j\u00fcngsten Sohn von Johann Sebastian Bach. Wir k\u00f6nnten Felix Mendelssohn Bartholdy wieder und wieder nach England begleiten, und uns beim Blick auf seine Konzertprogramme dort wundern, wie seltsam doch die Konzertgepflogenheiten dereinst waren. Ein Beispiel wenigstens will ich kurz erz\u00e4hlen:<\/p>\n<p>Mendelssohn war ein musikalischer Fr\u00fchentwickler, der schon als Knabe komponierte und zwar sehr ordentlich. Im alter von 11 Jahren hatte er ein Streichoktett geschrieben, also ein St\u00fcck f\u00fcr achtk\u00f6pfiges Streicher-Ensemble. Zehn Jahre sp\u00e4ter, 1829, weilte Felix erstmals in London; er sollte und wollte dort seine 1. Sinfonie auff\u00fchren. Bei der Vorbereitung auf sein Konzertdeb\u00fct in England schaute er nochmal die Partitur f\u00fcr die Sinfonie durch. Der Menuett-Satz darin kaum ihm pl\u00f6tzlich \u201eschrecklich langweilig\u201c und \u201emonoton\u201c vor. Das Konzertprogramm brauchte seines Erachtens an dieser Stelle unbedingt ein bisschen Pep. Was tat der 21-J\u00e4hrige? Er schrieb kurzerhand den Scherzo-Teil seines alten Streichoktetts f\u00fcr Orchester um \u2013 und lie\u00df dieses muntere St\u00fcckchen mitten in die Sinfonie hinein spielen. An seine Eltern schreibt Felix nacher: \u201eDas war sehr dumm, aber es klang sehr nett. Steinigt mich nicht!\u201c<\/p>\n<p>Da haben Sie, meine Damen und Herrn, eines jener Beispiele f\u00fcr eine historische Konzertkultur, die wir heute ganz ungeh\u00f6rig, ja v\u00f6llig unm\u00f6glich f\u00e4nden. Da wurden Sinfonien auseinandergerissen, besonders beliebte S\u00e4tze spontan wiederholt oder zwischen die S\u00e4tze ganz andere St\u00fccke, Solistenauftritte, Tanzdarbietungen, Gedichtrezitationen oder Speis und Trank geschoben. Das strenge, puristische, ehrfuhrchtsvolle, ja fast gottesdienstliche Reglement der Konzerte, wie wir es kennen, ist eine noch recht junge Mode, geht wahrscheinlich zur\u00fcck auf den ma\u00dflosen Genie-Kult der mittleren und sp\u00e4ten Romantik.<\/p>\n<p>Wenn wir dann noch mehr Zeit h\u00e4tten, k\u00f6nnten wir die Blickrichtung auch einmal umdrehen und schauen, was urbritische Komponisten wie Henry Purcell oder Benjamin Britten zur europ\u00e4ischen Klassik beigetragen haben.<\/p>\n<p>So aber wird kurz nach 18 Uhr hier die Abendverpflegung serviert, w\u00e4hrend bei mir daheim in einem Zelt vor dem Haus der Nachbar schon das erste Bierfass anschl\u00e4gt, um das allj\u00e4hrliche Stra\u00dfensommerfest zu er\u00f6ffnen, in das auch ich mich dann alsbald zu st\u00fcrzen gedenke. Also konzentrieren wir uns auf Georg Friedrich H\u00e4ndel und Joseph Haydn als Stellvertreter f\u00fcr viele, an denen exemplarisch ergr\u00fcndbar ist, was es mit der Beziehung zwischen Britannien und der musikalischen Klassik Europas Eigent\u00fcmliches auf sich hat.<\/p>\n<p>Jetzt aber wird es Zeit f\u00fcr den ersten musikalischen Block. \u2026&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>Georg Friedrich H\u00e4ndel, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy waren vier von vielen gro\u00dfen deutschen respektive deutschsprachigen Komponisten, f\u00fcr die Britannien von einiger Wichtigkeit war. Warum die Einschr\u00e4nkung \u201edeutschsprachig\u201c. Ei, weil \u201eunser\u201c Mozart gar nicht uns geh\u00f6rt, sondern zeitlebens \u00d6sterreicher war \u2013 und blo\u00df f\u00fcr jene ber\u00fcchtigten kurzen 1000 Jahre des Herrn Hitler dem gro\u00dfdeutschen Kulturerbe einverleibt. Weil auch Haydn ein Landsmann Mozarts war, also \u00d6sterreicher. Und, weil schlie\u00dflich H\u00e4ndel zwar Geburtsdeutscher war, dann aber doch Brite geworden ist.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind all diese nationalen Zuordnungen ohnehin fragw\u00fcrdig oder zumindest unscharf. Denn sie wurden von der Nachwelt vorgenommen. In jener Zeit selbst war der Nationalstaatsgedanke noch gar nicht oder erst schwach entwickelt, man dachte in Reichen und F\u00fcrstent\u00fcmern. Ethnisch gesehen k\u00f6nnte beispielsweise der in Nieder\u00f6sterreich geborene Haydn auch als Tscheche oder Slowake durchgehen. Musikalisch etwa griff er vielfach folkloristische Elemente auf, die aus der tschechischen Volkskulturlinie seiner Heimatregion stammen.<\/p>\n<p>Wie sind unsere zwei heutigen Haupthelden zeitlich zu verorten?<br \/>H\u00e4ndel ist der \u00e4ltere, geboren 1685 wie gesagt in Halle an der Saale und stammt also noch aus dem 17. Jahrhundert. Er starb 1759 wo? In London selbstredend. Dort wurde er am 20. April mit einem Staatsbegr\u00e4bnis in Westminster Abbey inmitten der verstorbenen K\u00f6nige und Lords von Britannien beigesetzt. Zur vergleichenden Erinnerung sei erw\u00e4hnt: Mozart wurde von der \u00d6ffentlichkeit unbeachtet in einem Wiener Armengrab verscharrt.<\/p>\n<p>Haydn kam 1732 im nieder\u00f6sterreichischen Rohrau zur Welt und starb 1809 in Wien.<br \/>H\u00e4ndel 1685 bis 1759, Haydn 1732 bis 1809.<\/p>\n<p>Ich mache nun etwas, was bei allen, auch den bedeutendsten Komponisten \u00fcblich und v\u00f6llig normal war: \u00f6konomische Nutzung des eigenen Oeuvres in Form von Mehrfachverwendung eigener Ideen, St\u00fccke, Kompositionsteile f\u00fcr diverse Werke. Wer von Ihnen neulich bei unserem Bach-Seminar dabei war, wird sich erinnern, dass der gro\u00dfe Johann Sebastian Bach ausgiebig mit solchen Synergien arbeitete. Ja dass er nicht einmal davor zur\u00fcckscheute, auch Werke von Kollegen und Vorl\u00e4ufern als Ideen-Steinbruch zu benutzen. G. F. H\u00e4ndel, mit dem wir uns nun gleich etwas genauer befassen, machte von der Kunst der Mehrfachnutzung wohl noch um einiges mehr Gebrauch als der alte Bach. Aber was hei\u00dft hier alter Bach: H\u00e4ndel und der Leipziger Thomaskantor sind Zeitgenossen. Die beiden musikalischen Gro\u00dfmeister des Barock sind sogar Jahrgangsgenossen \u2013 beide geboren 1685.<\/p>\n<p>Weshalb ich nun, der Praxis der Gro\u00dfen folgend, m\u00fchelos ein Kapitel aus meinem eigenen Bach-Vortrag klauen und heute in anderem Zusammenhang ein zweites Mal verwenden kann. Zitat Pecht, dabei den Namen Bach durch H\u00e4ndel ersetzend:<\/p>\n<p>\u201eLassen sie uns ganz kurz und grob kl\u00e4ren, in welchem welthistorischen Umfeld wir uns bei der Besch\u00e4ftigung mit G.F. H\u00e4ndel bewegen. Als H\u00e4ndel 1685 zur Welt kommt, herrscht Ludwig der XIV. (der Sonnenk\u00f6nig) im 42. Jahr \u00fcber Frankreich, 30 weitere sollten noch folgen. Der Westf\u00e4lische Friede und damit die Neuordnung Europas nach katholischen und protestantischen Einflusssph\u00e4ren liegt 37 Jahre zur\u00fcck. W\u00e4hrend H\u00e4ndels Lebzeit schwingt sich Preu\u00dfen von einem bedeutungslosen F\u00fcrstentum zum K\u00f6nigreich von europ\u00e4ischem Gewicht auf, versucht Zar Peter der Gro\u00dfe Russland zu einer modernen europ\u00e4ischen Gro\u00dfmacht zu entwickeln. Kurzum: H\u00e4ndel wird ins \u201eZeitalter des Absolutismus\u201c und der Aufkl\u00e4rung hineingeboren, und zwar \u2013 genau wie Bach \u2013 auf der protestantischen Seite. Zu seinen Zeitgenossen z\u00e4hlen etwa Isaac Newton, John Locke, Leibniz, Voltaire, Rousseau. Was sagt uns das? Die Welt zu H\u00e4ndels Zeit befand sich auf allen Ebenen im Umbruch und steckte voller Widerspr\u00fcche \u2013 politisch, technisch, \u00f6konomisch, geistig.\u201c<\/p>\n<p>So weit die politisch-geistige Gro\u00dfwetterlage. Wann immer wir Heutigen uns mit dem Wirken von Menschen in historischer Zeit befassen, sollten wir allerdings auch die Bedingungen des damaligen Alltages mitdenken. F\u00fcr das heutige Thema wichtig sind beispielsweise folgende Faktoren:<br \/>&#8211; Eine Reise von Halle nach Rom konnte im 18. Jahrhundert selbst ohne ausschweifende Besichtigungs- oder Bildungsaufenthalte und zu bester Sommerzeit gut und gerne 14 Tage dauern. Sie war obendrein gef\u00e4hrlich und eine arge Tortur f\u00fcr s\u00e4mtliche Knochen und Muskeln im Leib \u2013 wie etwa Goethe und Heinrich Heine \u00fcber ihre Fahrten nach Italien berichten.<br \/>&#8211; Gleiches gilt f\u00fcr Abstecher nach England. Was auf dem Weg gen S\u00fcden die Alpen sind, ist auf dem Weg nach Norden das Meer: Unberechbares, oft buchst\u00e4blich lebensgef\u00e4hrliches Reisehandikap, das sich nicht selten zum un\u00fcberwindlichen Hindernis wird. Man geht davon aus, dass im 17.\/18. Jahrhundert etwa ein F\u00fcnftel der Transporte \u00fcber den \u00c4rmelkanal mit schweren Besch\u00e4dungen oder dem Totalverlust der Schiffe endete.<\/p>\n<p>Und trotzdem legten zahlreiche Musiker zeitlebens viele Tausend Reisekilometer quer durch Europa zur\u00fcck. Mozart beispielsweise lebte als Kind mehr aus Koffern denn daheim in Salzburg. Ein ums andere Mal packt Vater Leopold Mozart den Wolfgang Amadeus und dessen Schwester Nannerl in die Kutsche, um bei ausgedehnten Konzerttourneen der Welt seine beiden \u201eWunderkinder\u201c vorzuf\u00fchren. Eine dieser Tourneen begann 1763 und dauerte bis 1766. Drei Jahre, die von Salzburg \u00fcber M\u00fcnchen unter anderem nach Frankfurt am Main, Br\u00fcssel und Paris f\u00fchrten. Von da aus ging&#8217;s erst nach London, dann wieder in die Niederlande, von dort \u00fcber Utrecht erneut nach Paris. Schlie\u00dflich f\u00fchrte der Weg die Mozarts \u00fcber Lyon, Genf, Bern, Z\u00fcrich, Ulm und M\u00fcnchen zur\u00fcck nach Salzburg. Ein paar Monate sp\u00e4ter Aufbruch nach Wien, im Jahr darauf Reise nach Rom. In den drei Folgejahren noch zwei ausgedehnte Italienreisen.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herrn, solche Operationen sind schon mit dem Auto eine Tortur; wie erst mit der Pferdekutsche. Und dennoch waren die meisten Musiker, Maler, Schriftsteller, ebenso die S\u00f6hne (seltener die T\u00f6chter) gebildeter und wohlhabender Kreise in schier unvorstellbarem Umfang buchst\u00e4blich auf Achse. Mal der Notwendigkeit des Broterwerbs und der Stellungssuche geschuldet, mal um sich einen Namen zu machen, mal um sich zu bilden und zu entwickeln \u2013 um zu wachsen an der Auseinandersetzung mit Lebensarten, mit Zeugnissen vergangener Kultur und gegenw\u00e4rtigen Kunstentwicklungen in anderen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Und ich behaupte, die wechselseitige Kenntnis von kulturellen wie auch politisch-geistigen Str\u00f6mungen in Europa war damals umfassender und intensiver als heute. Denn logischerweise: Man nimmt nicht die Beschwernisse einer zweiw\u00f6chigen Kutschfahrt auf sich, um in Rom blo\u00df drei Tage Sigthseeing zu betreiben. Wer es sich einigerma\u00dfen leisten kann verweilt \u2013 ein paar Wochen, mag sein ein paar Monate. Man lebt in der Fremde und mit ihr, taucht ein ins dortige Kulturgeschehen. Man logiert bei Einheimischen, besucht \u00f6rtliche Salons und Konzerte, beteiligt sich am Diskurs, gibt selbst Konzerte, nimmt eventuell sogar vor\u00fcbergehend einen Job an als Gastmusiker, Hauskompositeur auf Zeit oder Musiklehrer irgendeines notablen Gastgeberz\u00f6glings.<\/p>\n<p>*** Erkl\u00e4re \u201eKavaliersreise\u201c als Initiationsritus ins m\u00e4nnliche Erwachsenenleben. ZB Mendelssohn: Vier Jahre dauerte seine Tour. Gl\u00fcck: Er musste unterwegs nicht verdienen, weil reich von Hause aus. Stationen: London, Schottland; Leipzig, Weimar, M\u00fcnchen, Wien; Florenz, Venedig, Rom, Neapel; die Schweiz, Paris, dann wieder London. Siehe auch: Romantischer Britentourismus am Mittelrhein.<\/p>\n<p>Dieses intensive Reisen erkl\u00e4rt auch &#8211; teilweise &#8211; ein f\u00fcr uns heute kaum fassbares Ph\u00e4nomen: Selbst in den abgeschiedensten Ecken Deutschlands oder im fernen London wussten Musiker und Musikliebhaber sehr gut Bescheid \u00fcber das, was sich in musikalischen Zentren wie Wien, Paris oder Mailand, Florenz, Venedig, Rom Neues tat. Trotz seiner Leipziger Zur\u00fcckgezogenheit war beispielsweise Bach \u00fcber den franz\u00f6sischen oder italienischen Musizierstils seiner Zeit stets sehr gut im Bilde \u2013 ganz ohne Telegraf, Telefon, Radio und Fernsehen.<\/p>\n<p>Angenommen wird, dass auch schon der zehnj\u00e4hrige H\u00e4ndel \u00fcber seinen fr\u00fchen Musiklehrer Friedrich Wilhelm Zachow in Halle nicht nur mit Musik aus dem gesamten deutschen Raum, sondern ebenso aus Italien in Kontakt kam. Vorallem in Form geschriebener und gedruckter Noten, von denen der Kleinstadtkantor Zachow eine ansehnliche Sammlung besessen haben soll. Zum musikalischen Lernen jener Zeit geh\u00f6rte etwas, das es so l\u00e4ngst nicht mehr gibt: Kopieren, Noten abschreiben. Jeder Musiksch\u00fcler tat das ausgiebig. Aus zwei Gr\u00fcnden: Erstens, um an der praktischen Vorlage Schreibarten und Stile diverser Komponisten kennenzulernen; zweitens, wer daheim \u00fcben will, braucht bekanntlich Noten daf\u00fcr \u2013 und gedruckte Notenbl\u00e4tter waren zu jener Zeit schweineteuer.<\/p>\n<p>Warum? Warum waren gedruckte Musikalien noch bis vor 20 Jahren wesentlich teurer als gedruckte Schriftwerke vergleichbaren Umfangs? Weil Musiknoten sich dem Druck mit beweglichen Lettern entziehen. Das Gutenbergsche Druckverfahren l\u00e4sst sich auf Noten nicht oder nur mit erheblich Umst\u00e4nden anwenden. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man bleierne Notenbuchstaben herstellen genau wie Schriftbuchstaben. Aber anders als bei der Druckschrift, k\u00f6nnen Noten nicht einfach auf einer Basislinie hintereinander weg gesetzt werden, sondern m\u00fcssen in, auf, unter, \u00fcber f\u00fcnf Notenlinien in st\u00e4ndig wechselnder H\u00f6he angeordnet sein.<\/p>\n<p>F\u00fcr den normalen Druck war das bis zur Einf\u00fchrung des digitalen Schriftsatzes seit den 1980er-Jahren ein richtiges Problem. Weshalb wahrscheinlich im 16. Jahrhundert als Seitenzweig der Kupferstecherei das Spezialhandwerk des \u201eNotenstechers\u201c entstand: Versierte Handwerker \u00fcbertrugen mit Stichel, Mei\u00dfel, H\u00e4mmerchen und anderen Werkzeugen Komposition auf Platten aus Kupfer oder sonstigen weichen Legierungen, die dann direkt als Druckplatten oder als Gussformen f\u00fcr Druckplatten benutzt wurden.<\/p>\n<p>Gedruckte Noten waren in historischer Zeit folglich ein teures Gut \u2013 deshalb aber auch ein wertvolles Mitbringsel, als Geschenk in Musikerkreisen hochgesch\u00e4tzt. Wer einem Musiker seine Referenz erweisen wollte, schickte Noten oder brachte sie von Reisen mit. Der Kavalier, der bei einer musizierenden Gr\u00e4fin, Prinzessin oder nachher auch h\u00f6heren B\u00fcrgerstochter Eindruck schinden wollte, machte gedruckte Noten zur Liebesgabe. So verbreiteten sich musikalische Stile, Trends, Moden schnell in ganz Europa; zwar nicht im Tagestempo wie heute, aber doch schon binnen weniger Monate. Und interessanterweise war das ferne London stets eine der ersten Metropolen Europas, die von neuen Musikmoden oder aufstrebenden Sternen am Komponistenhimmel des Kontinents erfuhr.<\/p>\n<p>Wieso das? Ganz einfach: Britannien wurde im 17. Jahrhundert DIE aufstrebende Wirtschaftsmacht in Europa; London war bald DAS Finanzzentrum der Welt. Britische Kaufleute, Banker, Milit\u00e4rs, Politiker trieben sich scharenweise \u00fcberall herum, wie umgekehrt jeder kontinentale Gesch\u00e4ftsmann fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in London oder mit Londoner Partnern zu tun hatte. Und wie man noch heute nach dem Messebesuch ins Theater, zum Konzert, in den Gourmettempel oder zum Tingeltangel geht, so auch damals. Es mag einem gefallen oder nicht: B\u00fcrgerliche Gesch\u00e4ftsleute, Offiziere, um Krieg und Frieden feilschende Diplomaten sowie abenteuernde Wohlstandz\u00f6glinge waren zugleich die wichtigsten Botschafter und Verbreiter der Kunst.<\/p>\n<p>Obendrein, auch das mag einem gefallen oder nicht: die Kunst folgt dem Geld \u2013 nicht immer, aber doch in der Regel. Weil ohne Brot der K\u00fcnstler nicht leben kann, und weil ohne angemessene Finanzausstattung gewisse Kunstformen gar nicht zu realisieren sind. F\u00fcr Sinfonien braucht&#8217;s ein gr\u00f6\u00dferes bis gro\u00dfes Orchester; f\u00fcr Oratorien braucht&#8217;s Instrumentalisten, Solos\u00e4nger und Ch\u00f6re; f\u00fcr die Oper brauchts zus\u00e4tzlich noch B\u00fchne, Kost\u00fcme und allerhand technische Maschinerie. Das alles kostet Geld, viel Geld \u2013 womit wir nun endg\u00fcltig speziell bei H\u00e4ndel w\u00e4ren. Der war nicht nur einer der bedeutendsten und auch ber\u00fchmtesten Musiker des Barocks, sondern auch einer der erfolgreichsten Gesch\u00e4ftsleute unter den K\u00fcnstlern seiner Zeit.<\/p>\n<p>Wir steigen im Jahre 1706 in H\u00e4ndels Biographie ein. Da ist der Sohn eines in Ostdeutschland weithin hoch angesehenen Arztes gerade 21 Jahre alt, als er sich auf seine erste Reise nach Italien begibt. Die Musikhistoriker sind uneins, ob er damit der Einladung eines ebenso reichen wie kunstsinnigen Medici-F\u00fcrsten folgt, oder ob er sich auf eigene Gefahr und Rechnung auf diese rund vier Jahre dauernde Studienreise \u00fcber Florenz, Rom, Neapel und Vendig begibt.<\/p>\n<p>Eigentlich hatte G.F. zuerst in L\u00fcbeck die Nachfolge des alten Cheforganisten Dietrich Buxtehude antreten wollen. Die Absicht lie\u00df er aber schnell fallen, als er erfuhr, dass eine Bedingung f\u00fcr diese Stellung lautete: Der Bewerber m\u00fcsse, um sie zu erhalten, Buxtehudes Tochter ehelichen. Die Maid war schon etwas \u00e4lter und besonders h\u00fcbsch soll sie auch nicht gewesen sein. Das klingt f\u00fcr uns ziemlich schrullig, hat aber einen handfesten, zeittypischen Hintergrund: Staatliche Rentenversicherung gab es nicht, dem betagten Buxtehude drohte Altersarmut, sollte er keinen Schwiegersohn finden, der ihn mitversorgt.<\/p>\n<p>H\u00e4ndel aber mochte von dieser Heirat nichts wissen und wandte sich nach Hamburg mit der Absicht, dort als Komponist Karriere zu machen. \u201eIch komponierte damals wie der Teufel\u201c beschrieb er sp\u00e4ter einmal seine intensiven Bem\u00fchungen in jener Zeit. Was dabei herauskam charakterisiert H\u00e4ndels Hamburger Mentor, Freund und Konkurrent Mattheson als \u201esehr lange, lange Arien, und schier unendliche Cantaten\u201c &#8211; mithin das, was schon damaliges Publikum nicht besonders mochte. Wobei ich zu bedenken gebe, dass \u201elang\u201c damals etwas v\u00f6llig anderes bedeutete als heute. Die f\u00fcnfst\u00fcndige Auff\u00fchrung eines Schiller-Schauspiels fand man in Goethes Weimar beispielweise gar nicht \u00fcbertrieben lang.<\/p>\n<p>Hamburg war anfangs schwierig f\u00fcr H\u00e4ndel. An der Hamburger Oper fing er in der Stellung des zweiten Geigers an. Seine daheim in Sachsen bereits anerkannte Tastenvirtuosit\u00e4t kam an der Elbe erst zur Geltung, als er zuf\u00e4llig den erkrankten Opern-Cembalist vertreten durfte. Dann aber kamen die Dinge in Bewegung: Im Januar 1705 deb\u00fctierte H\u00e4ndel mit seiner ersten Oper \u201eAlmeria\u201c, einen Monat sp\u00e4ter kam gleich die zweite auf die B\u00fchne, \u201eNero\u201c. Der Erfolg war gar nicht schlecht, aber Hamburg war seinerzeit kein gutes Pflaster f\u00fcr die Oper, zumal im italienischen Stil, dem H\u00e4ndel von Anfang an zuneigte und an dem zeitlebens sein Herz hing.<\/p>\n<p>Wie Johann Sebastian Bach immer wieder von th\u00fcringischen Pietisten wegen \u201eopernhafter Kirchenmusik\u201c angefeindet wurde, so r\u00fcckten die hanseatischen Pietisten ausdauernd moralisierend dem angeblich verderbten Operngeschehen in ihrer Stadt auf den Pelz. Das Klima war verdorben, die Arbeit f\u00fcr Opernschaffende schwierig \u2013 das machte H\u00e4ndel die Entscheidung leicht, nach Italien zu reisen. Er blieb eine Weile in Florenz, wechselte dann nach Rom, wo er auf den ersten Blick vom Regen in die Traufe geriet: Denn in der Heiligen Stadt waren \u00f6ffentliche Auff\u00fchrungen von Opern generell verboten.<\/p>\n<p>Aber wie sie halt so waren und teils noch immer sind, unsere lieben Italiener, zumindest die st\u00e4dtischen: Irgendwie kriegen sie ihn doch immer wieder hin, den lebenspraktischen Kompromiss zwischen Katholizismus und Dolce vita. Offiziell ge\u00e4chtet, wird das Musiktheater in den Palazzi und Salons der Reichen und M\u00e4chtigen privatim eifrig gepflegt. H\u00e4ndel schreibt weltliche Kantaten f\u00fcr Sologesang und kleines Ensemble, die szenisch angedeutet, in gesellschaftlichen Diskurszirkeln aufgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Diese Musiken basieren, wie Opern und Oratorien auch, auf dem Wechsel von Rezitativen und Arien. Zur Erinnerung: Rezitativ ist jener fast frei gestaltbare Sprechgesang, der meist die Handlung eines Werkes erz\u00e4hlt oder vorantreibt. Arien sind dann vollst\u00e4ndig auskomponierte Gesangnummern dazwischen, die vor allem Gef\u00fchle und Stimmungen des jeweiligen Protagonisten ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>So gesehen arbeitet H\u00e4ndel, wenn er eine Kantate oder ein Oratorium komponiert, musikalisch immer auch im Opernfach. Tats\u00e4chlich macht er nachher vielfach kein langes Federlesen, schiebt musikalische Werkelemente aus dem Kirchenfach ins Opernfach und umgekehrt. Diese Arbeitsweise und die daraus folgende Flexibilit\u00e4t wird ihn nacher in England vor Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit und finanziellem Ruin bewahren. In Rom jedenfalls komponiert er auch seine ersten zwei gro\u00dfen Oratorien: \u201eIl trionfo\u201c und \u201eLa Resurrezione\u201c. Beide erz\u00e4hlen, wie es sich f\u00fcr ein Oratorium geh\u00f6rt, Geschichten aus dem religi\u00f6sen Raum. Die Historiker sind allerdings dahinter gekommen, dass die Urauff\u00fchrung von \u201eLa Resurrezione\u201c am Ostersonntag 1708 im r\u00f6mischen Palazzo Bonelli des Marchese Ruspoli ziemlich aus dem \u00fcblichen Oratorienrahmen herausfiel.<\/p>\n<p>Belegt sind opulente Handwerkerrechnungen f\u00fcr B\u00fchnenbau, B\u00fchnentechnik, Requisiten und Kost\u00fcmerie. Was dort zur Auff\u00fchrung kam, war die szenisch-musikalische Darstellung einer Handlung und nicht nur deren s\u00e4ngerische Erz\u00e4hlung. Die Story ist zwar religi\u00f6ser Natur, da sie aber szenisch gespielt wird, handelte es sich bei jener Auff\u00fchrung per definitionem um eine Oper und nicht um ein Oratorium. Wir m\u00f6gen diese Unterscheidung kleinkarriert finden; damals konnte sie zwischen Gef\u00e4ngnis oder nicht entscheiden. Und selbst heute noch findet mancher Pfarrer gar nichts daran, hochdramatische Stoffe in seiner Kirche als Oratorium musikalisch erz\u00e4hlen zu lassen, w\u00e4hrenddessen er gegen\u00fcber einer opernhaft-szenischen Darbietung derselben Geschichten im Altarraum erhebliche Bedenken h\u00e4tte.<\/p>\n<p>H\u00e4ndel jedenfalls hatte in Marchese Ruspoli offenbar einen M\u00e4zen gefunden, der sein brennendes Verlangen, Opern zu schaffen, goutierte. Dieses Verlangen f\u00fchrte H\u00e4ndel schlie\u00dflich nach Venedig. Dort wurde 1709 seine Oper \u201eAgrippina\u201c uraufgef\u00fchrt. Ein fulminanter Erfolg, der zugleich den Durchbruch in die Weltspitzenklasse der damaligen Opernkomponisten bedeutete. H\u00e4ndel war w\u00e4hrend der vier Jahre in Italien dort fast schon eine Legende geworden, wozu auch seine au\u00dferordentlichen Fertigkeiten als Cembalo- und Orgelvirtuose beitrugen, die er durchaus lukrativ zur Schau stellte. H\u00e4ndel wurde ein umschw\u00e4rmter Star in den Salons der feinen Gesellschaft Italiens. Die Italiener nannten ihn bald \u201eIl Sassone\u201c, der Sachse; die Italienerinnen \u201eIl caro Sassone\u201c, der geliebte Sachse.<\/p>\n<p>Bald nach dem Agrippina-Triumpf taucht H\u00e4ndel am kurf\u00fcrstlichen Hof zu Hannover auf. Bis dorthin war sein Ruhm gedrungen, und F\u00fcrst Georg Ludwig warb den 25-J\u00e4hrigen als Hofkapellmeister an \u2013 mit einem horrenden Jahressal\u00e4r und dem Projekt, die darnieder liegende Hannoversche Hofoper zu reanimieren und zu neuem Glanz zu f\u00fchren. Opernnarr H\u00e4ndel sah seine Chance auf ein quasi eigenes Opernhaus gekommen, aber er misstraute der Sache offenbar auch. Jedenfalls hatte er f\u00fcr seinen Vertrag darauf gedrungen, ohne Honorarverluste \u00f6fter f\u00fcr gewisse Zeit auch anderweitig t\u00e4tig sein zu d\u00fcrfen, also quasi nach eigenem Gusto unbezahlt l\u00e4nger Urlaub nehmen zu k\u00f6nnen. Der Kurf\u00fcrst war einverstanden.<\/p>\n<p>Es ergab sich in sehr engem Zeitraum dann dieses:<br \/>Erstens verlie\u00df den Hannoverschen F\u00fcrsten die Courage, als ihm klar wurde, was ein Opernbetrieb von europ\u00e4ischem Rang an seinem Hofe tats\u00e4chlich kosten w\u00fcrde. Georg Ludwig z\u00f6gerte, die Mittel fl\u00fcssig zu machen. Weshalb, zweitens, H\u00e4ndel seine Freiheit nutzte, andernorts andere M\u00f6glichkeiten auszuloten. Noch einmal richtet sich seine Aufmerksamkeit gen Hamburg, wo eine Art Generalmusikdirektor f\u00fcr die f\u00fcnf Hauptkirchen und die hamburgische Oper gesucht wird. Er muss aber zu seinem Leidwesen feststellen, dass der Einfluss der protestantischen Pietisten dort weiter gewachsen ist, und Opernschaffen wie er es sich vorstellte, ein immer neues z\u00e4hes Ringen und K\u00e4mpfen sein w\u00fcrde. Also betrachtet er, drittens, mit wachsendem Interesse Avancen, die ihn von London her erreichen, einer Metropole, die damals als Hort von Weltoffenheit und Liberalit\u00e4t gilt.<\/p>\n<p>Am 16. Juni 1710 hatte H\u00e4ndel seinen Dienst in Hannover angetreten, viereinhalb Monate sp\u00e4ter bestieg er ein Schiff nach London, drei Monate darauf kam am 24. Februar 1711 dort im Haymarket Theatre seine Oper \u201eRinaldo\u201c zur Urauff\u00fchrung \u2013 und London lag ihm zu F\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>\u2026&#8230;. Es wird Zeit f\u00fcr eine weiter Runde sch\u00f6ner Musik \u2026&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>G.F. H\u00e4ndel kam also im Herbst 1710 nach London. Wie war sein erster Eindruck von dieser Stadt? Wie \u00fcberhaupt wirkte sie damals auf vom Kontinent her\u00fcberkommende Zeitgenossen? H\u00e4ndels Briefe geben dazu wenig her, denn der in Gesellschaft meist spr\u00fchend, lebhaft und unterhaltsam auftretende Mensch war einer der knochentrockensten Briefeschreiber, die sich denken lassen. Deshalb greife ich auf eine Schilderung von Mendelssohn B. \u00fcber seine Erstbegegnung mit London zur\u00fcck. Die fand zwar 100 Jahre sp\u00e4ter statt, aber der Diskrepanzeindruck zwischen Kontinent und \u201emoderner\u201c Weltmetropole d\u00fcrfte im Grundsatz \u00e4hnlich gewesen sein.<br \/>***Zitat MB 48<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine Musikkultur fand H\u00e4ndel in London vor? Welche M\u00f6glichkeiten des Opernschaffens gab es? Das Musikleben in Gro\u00dfbritannien war grunds\u00e4tzlich anders strukturiert und organisiert als in Deutschland, \u00d6sterreich und Italien. Zwar veranstalteten auch britische Aristokraten Privatkonzerte in ihren Domizilen. Dass sie aber dauerhaft eigene Ensembles oder Orchester unterhielten, Kapellmeister oder Hauskompositeure fest anstellten, das war nicht sehr weit verbreitet. Hoftheater, vom Hof, also vom Staat unterhaltene Opernh\u00e4user und Konzerthallen mit regelm\u00e4\u00dfigem Programm waren unbekannt.<\/p>\n<p>Zwar wurde das Haymarket Theatre, in dem H\u00e4ndel seine gro\u00dfen Anfangserfolge feierte, nach der Regierungs\u00fcbernahme durch K\u00f6nig Georg I. 1714 in King&#8217;s Theatre umbenannt. Das \u00e4nderte allerdings am objektiven Charakter des Hauses gar nichts: Es blieb ein Privatunternehmen, das sich selbst finanzieren und am Markt behaupten musste. Auch die sp\u00e4ter von H\u00e4ndel neu eingerichteten Royal Academie of Music blieb im Grunde ein Privatunternehmen. Die Betitelung Royal brachte eigentlich nur zum Ausdruck, dass das K\u00f6nigshaus dem Unternehmen wohlwollend gegen\u00fcberstand. In diesem speziellen Fall immerhin sponserte der Hof das Theater mit 1000 Pfund pro Jahr.<\/p>\n<p>Das war viel Geld, aber schon damals nur ein Bruchteil dessen, was ein halbwegs ordentlicher Opernbetrieb verschlang. Zumal die gesanglichen Publikumsbringer alle vom Kontinent engagiert werden mussten. Denn erstens hatte England selbst bis dato kaum eigene Gesangsstars hervorgebracht, vor allem keine Starkastraten wie Senesino oder Farinelli, die H\u00e4ndel dann nach London holte und die dort eine Sensation wurden. Zweitens wollte die kulturbeflissene britische Oberschicht unbedingt das Beste und die Besten der europ\u00e4ischen Musikkunst in London versammeln. Man f\u00fchlte sich schlie\u00dflich als Angelpunkt der zivilisierten Welt, gewisserma\u00dfen als Speerspitze der Moderne \u2013 und fand es deshalb unertr\u00e4glich, dass zwar alle Welt in England und England mit aller Welt Gesch\u00e4fte machte, aber kulturell nur von Venedig, Wien oder Dresden die Rede war. Sie sehen auch hier wieder diesen uralten Mechanismus am Werk, dass Geld und Macht sich nie selbst gen\u00fcgen k\u00f6nnen, dass sie sich ohne die Gesellschaft von Kunst und Kultur minderwertig f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Deshalb letztlich sind auf dem Kontinent zuerst die F\u00fcrstenresidenzen zu Kulturzentren geworden. Deshalb auch wurde in London das zu Wohlstand gekommene B\u00fcrgertum viel fr\u00fcher zu einer tragenden S\u00e4ule des Kulturlebens als auf dem Kontinent. Deshalb auch avancierte New York ab dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert Zug um Zug zu einer Kulturstadt von Weltgeltung. Deshalb entfaltete die alte Kr\u00e4mer- und Messestadt Frankfurt am Main im 20. Jahrhundert eine Kulturoffensive nach der andern, um nur ja nicht auf dem dr\u00f6ge-banausigen Titel Bankfurt sitzen zu bleiben.<\/p>\n<p>Kunst und Kultur sind nicht alles, aber ohne sie f\u00fchlen sich auch Geld und Macht als Nichts. So hat es also G.F. H\u00e4ndel 1710 erstmals und dann mit seiner endg\u00fcltigen Umsiedlung nach England 1712 dauerhaft mit einer Art Kulturleben zu tun, das weniger von den individuellen Launen feudaler Herrscher abh\u00e4ngig ist als von der Verkaufbarkeit der Kulturprodukte an ein allgemeines Publikum. Und in diesem Publikum wird der Anteil der Aristokraten immer kleiner in Relation zum rasch anwachsenden Teil wohlhabender b\u00fcrgerlicher Kunstfreunde.<\/p>\n<p>Diese Sache hat aber auch Schattenseiten, die H\u00e4ndel bald ziemliches Kopfzerbrechen bereiten sollten. Dazu geh\u00f6rt etwa der Umstand, dass Oper in der s\u00e4ngerischen Qualit\u00e4t und Opulenz wie das Publikum sie w\u00fcnschte, als dauerhaft tragf\u00e4higes und rentables Privatunternehmen am Markt per se einfach nicht machbar war \u2013 es genau genommen bis heute nicht ist. Weshalb H\u00e4ndels Opernengagement in London eine Geschichte vielf\u00e4ltiger Wechself\u00e4lle zwischen Triumph und leeren Theaterkassen ist, die ich im Einzelnen gar nicht aufdr\u00f6seln will; wir s\u00e4\u00dfen morgen noch hier.<\/p>\n<p>Eine weitere Schattenseite r\u00fchrt von dem Umstand her, dass in England kaum jemand genug Italienisch konnte, um zu verstehen, was in H\u00e4ndels italienisch gesungenen Opern eigentlich abging. Dies Manko sollte einerseits durch s\u00e4ngerische Qualit\u00e4t und das entsprechendes Staraufgebot ausgeglichen werden, andererseits durch eine Vielzahl inszenatorischer und b\u00fchnentechnischer Wundereffekte. Mit der Folge, dass die Produktionskosten immer weiter anstiegen. Au\u00dferdem begannen H\u00e4ndels Konkurrenten in London, Opern in englischer Sprache herauszubringen, mit Sujets, die ,anders als die italienische Oper, nicht blo\u00df vom Ungl\u00fcck und Gl\u00fcck in den Sph\u00e4ren feudaler Herrschaften handelten. Diese englischsprachigen \u201eB\u00fcrgeropern\u201c wurden sehr schnell, sehr popul\u00e4r. Die bis heute bekannteste davon ist John Gays \u201eBeggars Opera\u201c von 1728, jene Bettleroper, nach der ziemlich genau 200 Jahre sp\u00e4ter Bertolt Brechts Dreigroschenoper entstand.<\/p>\n<p>Um nicht missverstanden zu werden: trotz aller Malaisen erlebte die Oper in England eine von H\u00e4ndel initiierte Bl\u00fctezeit. Die war kurz, aber heftig, wobei auf der Insel zuerst die italienische Adelsoper wieder aus der Mode kam. H\u00e4ndel reagierte sehr flexibel auf den sich ver\u00e4ndernden Publikumsgeschmack und damit Markt: Er begann englische Opern und englische Oratorien zu schreiben. \u201eEsther\u201c war 1718 sein erstes englischsprachiges Oratorium. Es sollten 21 weitere folgen, die \u00fcbrigens allesamt nicht in Kirchen uraufgef\u00fchrt wurden, sondern in Theatern: \u201eSaul\u201c und \u201eBelsazar\u201c beispielsweise im King&#8217;s Theatre, \u201eSamson\u201c oder \u201eJephta\u201c im Covent Garden Theatre, der allseits bekannte \u201eMessias\u201c in der New Music Hall von Dublin. H\u00e4ndel blieb nicht nur musikalisch, sondern auch \u00e4u\u00dferlich mit den Oratorien seiner geliebten Oper doch recht nahe. Das auch, als es ab Mitte der 1730er Jahre in England mit der Oper generell ziemlich rapide bergab ging.<\/p>\n<p>Als gesch\u00e4ftst\u00fcchtiger Komponist schwenkte H\u00e4ndel rasch von der immer weniger gefragten Oper auf die immer mehr gefragteren Oratorien um. Au\u00dferdem hatte er sich schon sehr fr\u00fch generell um Diversifikation seiner Risiken bem\u00fcht. Seine Instrumentalmusiken waren allgemein wie auch bei Hofe ebenso beliebt wie die Druckausgaben seiner bekanntesten Opernarien. Immer wieder schrieb er auch Festmusiken und Unterhaltungsmusiken f\u00fcr den K\u00f6nigshof, darunter etwa die bekannte \u201eWassermusik\u201c zur Begleitung der Lustfahrten von K\u00f6nig Georg I. oder die \u201eFeuerwerksmusik\u201c f\u00fcr das gro\u00dfe Fest, das Georg II. 1749 aus Anlass der Beendigung des \u00f6sterreichischen Erbfolgekrieges an der Themse gab.<\/p>\n<p>Ich spiele Ihnen jetzt den kurzen dritten Satz dieser wunderbaren Feuerwerksmusik ein. Unter anderem deshalb, weil er ein so sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr ist, wie H\u00e4ndel oft gerade dadurch starke Wirkungen erzeugt, dass er die kompositorischen Mittel bewusst sparsam einsetzt, ohne deshalb oberfl\u00e4chlich zu werden. Wir finden bei ihm sehr oft das Prinzip: Mit satztechnisch minimalem Aufwand gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen musikalischen Ausdruck erzielen. Darin unterscheidet sich H\u00e4ndel in London dann doch betr\u00e4chtlich von Bach in Leipzig. Bach l\u00e4sst sich ohne musiktheoretische Kenntnisse kaum in seiner ganzen Gr\u00f6\u00dfe begreifen. Die Gr\u00f6\u00dfe H\u00e4ndels indes kann \u2013 zumindest bei sehr vielen Werken \u2013 auch der musikalische Laie problemlos ersp\u00fcren.<\/p>\n<p>Nun also dreieinhalb Minuten Feuerwerksmusik, dritter Satz \u201eDer Friede\u201c.<br \/>*** CD<\/p>\n<p>Wir kommen mit H\u00e4ndel allm\u00e4hlich zuende. Der Brite aus Halle an der Sale war in seiner Wahlheimat England bis zu seinem Tod 1759 ein hochangesehener Mann. Schon zu Lebzeiten hat man ihm Denkm\u00e4ler gebaut, dann ihn zwischen K\u00f6nigen bestattet und ihm nachher eine bis heute ungebrochene Reihe von Musik- und Opernfestivals gewidmet. H\u00e4ndel starb nicht nur als anerkannte Musikerpers\u00f6nlichkeit, sondern auch als wohlhabender Mann: \u00dcberliefert ist, er habe \u2013 umgerechnet \u2013 3 bis 5 Millionen Euro hinterlassen.<\/p>\n<p>Rund 30 Jahre nach H\u00e4ndels Tod kam Joseph Haydn im schon fortgeschrittenen Alter von 59 Jahren erstmals nach England und stie\u00df dort auf dreierlei. Erstens eine Form \u00f6ffentlicher Zuneigung, Anerkennung und Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr einen Musikk\u00fcnstler, die er von daheim in \u00d6sterreich \u00fcberhaupt nicht gewohnt war. Zweitens erlebte er in London ein spr\u00fchendes, vielseitiges \u00f6ffentliches Konzertleben, organisiert vorwiegend von b\u00fcrgerlichen Konzertgesellschaften, finanziert durch Subskriptionen (Vorlagen) eines \u00fcberaus kunstverst\u00e4ndigen Publikums sowohl aristokratischer wie b\u00fcrgerlicher Herkunft. Und drittens stellte er fest, dass in England f\u00fcr gute musikalische Leistungen verl\u00e4sslich sehr gutes Geld bezahlt wurde.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber staunte Joseph Haydn nicht schlecht, war er doch zuvor 30 Jahre lang als \u201elivrierte Hausoffizier\u201c am Hofe der \u00f6sterreichisch-ungarischen Magnatendynastie Esterhazys mal mit mehr, mal mit weniger Achtung, aber doch immer als Bediensteter und Untertan behandelt und bezahlt worden.<\/p>\n<p>Sir Simon Rattle, Chef der Berliner Philharmoniker, hat vor ein paar Woche in einem wunderbaren Interview \u00fcber Haydn und seine Beziehung zu ihm gesagt: \u201eWir Engl\u00e4nder waren ja schon zu Haydns Lebzeiten vollkommen verr\u00fcckt nach ihm. Er (Haydn) war regelrecht schockiert, wie die Menschen sich auf seinen Londonreisen pers\u00f6nlich f\u00fcr ihn interessierten. Das kannte der einsame Mann aus Esterhazy gar nicht.\u201c<\/p>\n<p>Und um ein Haar, meine Damen und Herrn, w\u00e4re es gekommen wie bei H\u00e4ndel: Haydn \u00fcberlegte ernsthaft, sich auf Dauer in England niederzulassen und britischer B\u00fcrger zu werden.<br \/>Er besann sich dann aber doch anders und kehrte nach Wien zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wir bleiben ein bei Haydn, denn der 1732 in der nieder\u00f6sterreichischen Provinz geborene Musicus ist in mehrfacher Hinsicht ein interessante Figur. Joseph wird in diversen Lexika als Bruder des Komponisten Michael Haydn und des Tenors Johann Evangelist Haydn vorgestellt. Die Auskunft ist zutreffend, obwohl kaum jemand die beiden Br\u00fcder heute noch kennt. Falsch w\u00e4re aber der Schluss, Joseph sei in eine Familie passionierter Musiker hineingeboren worden. Die Haydns waren seit Generationen Handwerker. Das elterliche Gewerbe war die Stellmacherei oder Wagnerei; man baute und reparierte also Pferdefuhrwerke und Kutschen. Von irgendwelchen besonderen Bindungen an die Musik keine Spur. \u00dcberliefert ist lediglich, dass bei Haydns stets eifrig gesungen wurde.<\/p>\n<p>Und diese Form volkt\u00fcmlich-h\u00e4uslicher Musikpflege hatte das Herz der Eltern offenbar weit genug ge\u00f6ffnet, um dreien ihrer S\u00f6hne eine Musikerlaufbahn zu erm\u00f6glichen. Der kleine Joseph wurde als F\u00fcnfj\u00e4hriger zu einem Verwandten geschickt, damit der ihn in die Kunst des Chorgesangs einf\u00fchre. 1740 entdeckte ihn der Musikdirektor des Wiener Stephansdoms und nahm das Singetalent aus der Provinz als Chors\u00e4nger mit in die gro\u00dfe Stadt. Dort erhielt er auch Klavier- und Geigenunterricht. Allerdings keinen systematischen Kompositionsunterricht. Den hat Joseph Haydn auch sp\u00e4terhin nie genossen \u2013 er war, wie Johann Sebastian Bach \u00fcbrigens auch \u2013 im Hinblick auf das Komponieren ein Autodidakt.<\/p>\n<p>Mitte der 1740er war dann Schluss mit dem Chorknabendasein. Der Bub war zum Mann geworden und die Herrschaften am Stephansdom konnten ihn als M\u00e4nnerstimme nicht brauchen. Man schickte den J\u00fcngling einfach fort. Ein \u00fcbliches Verfahren damals. Was tat Haydn? Er versuchte sich in Wien als freischaffender Musiker \u00fcber Wasser zu halten \u2013 fast 10 Jahre lang. Eine schwierige Zeit, die ihn als Kammerdiener eines italienischen Komponisten sah, als Gelegenheitsmusikus im Kaffeehaus, als Klavier- und Geigenlehrer oder Hilfsorganist. Auch als scheinbarer M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger wurde er bisweilen gesehen &#8211; der allerdings in Wahrheit eifrig am Selbststudium arbeitete und nicht minder eifrig komponierte.<\/p>\n<p>1759 wurde Haydn von einem Grafen Morzin als Musikdirektor auf Schloss Lukawetz in B\u00f6hmen engagiert. Da war er 27 Jahre alt, von denen er rund 20 in Wien verbracht hatte. Bald jedoch ging dem Grafen Morzin das Geld aus f\u00fcr die Musik. Weshalb Haydn 1761 beim F\u00fcrsten Paul Anton Esterhazy als Kapellmeister von dessen Hoforchester anheuerte. Der Familie Esterhazy diente er fortan 30 Jahre in Festanstellung. Ein der Musik v\u00f6llig abholder Esterhazy-Erbe schickte ihn dann in Pension. Haydn lie\u00df sich als selbstst\u00e4ndiger Komponist in Wien nieder, blieb aber dennoch den Esterhazys bis zu seinem Tod 1809 dienstbar.<\/p>\n<p>20 Jahre Wien, dann 30 Jahre bei den Esterhazys, danach 1791\/92 und wieder 1794\/95 insgesamt drei Jahre in England und hernach wieder 19 Jahre in Wien und weiter den Esterhazys verbunden: Sie sehen Flatterhaftigkeit l\u00e4sst sich dem Joseph Haydn gewiss nicht nachsagen, eher eine f\u00fcr die damalige Zeit und die Musikerzunft sehr ungew\u00f6hnliche \u2013 nennen wir es mal: Standorttreue. Keine mehrj\u00e4hriger Aufenthalt in Italien wie H\u00e4ndel. Keine Europatourneen wie beim jungen Mozart. Keine gro\u00dfe Kavaliersreise in aller Herren L\u00e4nder wie bei Mendelssohn Bartholdy. Haydn kennt nur seinen Geburtsort und dessen n\u00e4here Umgebung, er kennt Wien, er kennt das b\u00f6hmische Pilsen und die drei Familiensitze der Esterhazys in Wien, in Eisenstadt nahe Wien und im l\u00e4ndlichen Ungarn.<\/p>\n<p>Was war er f\u00fcr ein Mensch, dieser Haydn? Dar\u00fcber wissen wir genau genommen sehr wenig. Die Quellenlage ist d\u00fcrftig, private Zeugnisse \u00fcber ihn, erst recht von ihm sind d\u00fcnn ges\u00e4t. Wir wissen noch nicht einmal, wie er aussah. Denn wenn man die doch recht zahlreichen Portr\u00e4tgem\u00e4lde von ihm nebeneinander h\u00e4lt, zeigen sie v\u00f6llig verschiedene Menschen.<\/p>\n<p>Die diversen Portr\u00e4ts weisen lediglich zwei Gemeinsamkeiten auf: 1. eine markante Nase, mal mehr, mal weniger schmeichelhaft retuschiert. Will sagen: Der Mann hatte wohl einen richtigen Zinken im Gesicht. 2. Zeigen die Gem\u00e4lde allesamt einen auff\u00e4llig glatten Gesichtsteint. Was per se auf das gerade Gegenteil hindeutet. Haydn hatte wie so viele seiner Zeitgenossen die Pocken erlitten und gl\u00fccklicherweise \u00fcberlebt. D.h., sein Gesicht war in Wirklichkeit von auff\u00e4lligen Narben \u00fcberzogen. Er war kein attraktiver Mann, hielt sich selbst auch nicht f\u00fcr einen solchen Weshalb es ihn ma\u00dflos irritierte, dass ihn die Damenwelt bei seinen beiden London-Aufenthalten heftig umschw\u00e4rmte.<\/p>\n<p>Wir wissen, dass Haydn von den Musikern am Esterhazy-Hof wegen seiner Freundlichkeit und seines Humors gesch\u00e4tzt wurde. Eigenheiten, die wir auch in seiner Musik ausgepr\u00e4gt finden \u2013 zumindest seit die Musizierpraxis im sp\u00e4ten 20. Jahrhundert wieder davon abgekommen ist, Haydn&#8217;sche Werke mit unn\u00f6tiger Schwere zu belasten. Simon Rattle beschreibt das in besagtem Interview sehr h\u00fcbsch: \u201eIch habe Haydn in Berlin schon bei meinen Gastauftritten w\u00e4hrend der Karajan-Zeit dirigiert. Das war nicht einfach. Es kam mir damals vor wie ein Ballett mit Elefanten. Alles war zwar perfekt gespielt, die Sechzehntelmaschine ratterte, aber es klang schwer und fest und ohne Flexibilit\u00e4t. Da hat sich inzwischen sehr viel ver\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<p>Und gleich noch einmal darf ich Rattle bem\u00fchen, um die Schattenseite in Haydns Leben anzusprechen: \u201eIch glaube,\u201c sagt Rattle, \u201esein Schaffen war von gro\u00dfer Einsamkeit gepr\u00e4gt. Er war todungl\u00fccklich verheiratet. Seine Ehefrau wollte mit Musik nichts zu tun haben. Er muss auch \u00fcber seine Ehe hinaus isoliert gewesen sein. Auf der einen Seite war es ihm nicht gestattet, sich unter die Aristokraten zu mischen. Auf der anderen Seite konnte er sich nicht mit den ihm untergebenen Musikern gemein machen. Er stand einsam irgendwo dazwischen. Oder nehmen sie den r\u00e4tselhaften Umstand, dass dieser eigentlich vor Neugier brennende Komponist (bald 30 Jahre, ape) auf Schloss Esterhazy sa\u00df und kaum Abstecher ins nahe Wien unternahm, wo \u00fcberaus interessante musikalische Dinge passierten. Er durfte es nicht. Der F\u00fcrst bestand auf den musikalischen Verpflichtungen.\u201c<\/p>\n<p>Dies ist die Kehrseite des in der Literatur bisweilen recht positivistisch beschriebenen Daseins von Haydn in seinem \u201eExperimentierlabor\u201c Esterhazy (***ggf ausf\u00fchrlicher!!!). Immerhin blieb ihm soviel Luft, dass er die Freundschaft mit Mozart einigerma\u00dfen pflegen und mit diesem gelegentlich auch musizieren konnte. Haydns Arbeitspensum war gewaltig: 120 Konzerte und auch Opernauff\u00fchrungen hatte er am Esterhazy-Hof pro Jahr zu leiten, meist mit eigenen Kompositionen zu best\u00fccken.<\/p>\n<p>Haydn hat mehr als 100 Sinfonien geschrieben (von 107 wei\u00df man heute), 83 Streichquartette, 52 Klaviersonaten, 14 Messen, 6 gro\u00dfe Oratorien und 24 Opern \u2013 um nur einige Messzahlen zu nennen. Er gilt als Katalysator f\u00fcr die Entwicklung der Sonatenform, mehr noch als \u201eVater\u201c des Streichquartetts und der klassischen Sinfonie. Wobei \u201eVater\u201c ein etwas irref\u00fchrender Begriff ist, zu betulich und traditionalistisch. Neuerer, Innovator, Reformierer, Experimentator, vielleicht sogar musikalischer Revolution\u00e4r trifft es eher.<\/p>\n<p>Der Eremit zu Esterhazy war ein zwar einsamer, dennoch ein ber\u00fchmter Mann zu seiner Zeit. Seine Kompositionen und die Konzerte am Esterhazy-Hof waren Gespr\u00e4chsthema in der musikalischen Welt bis nach Frankreich, Russland und eben nach England. Zu erstem internationalem Ruf gelangte er \u00fcbrigens schon als junger Mann durch die Ver\u00f6ffentlichung seiner fr\u00fchen Quartett-Divertimenti (gedruckte Noten!) fast zeitgleich in Amsterdam und London.<\/p>\n<p>Er, der Autodidakt, hat die Formensprache der klassischen Musik in einem Ausma\u00df gepr\u00e4gt wie sonst nur noch der alte Bach. Und wie jener, blieb er zu Lebzeiten oft auch missverstanden. Vor allem in Haydns sp\u00e4ten Esterhazy-Jahren fanden selbst seine Musiker bisweilen \u201esehr seltsam\u201c, was der Meister da zusammenexperimentierte. Denn wie Formenstrenge EIN Wesensmerkmal seiner Musik ist, so ist die unkonventionelle bis radikale Aussch\u00f6pfung formaler und tonaler M\u00f6glichkeiten eine andere.<\/p>\n<p>Ich glaube, es w\u00e4re jetzt wieder die rechte Zeit f\u00fcr etwas Lifemusik.<\/p>\n<p>Wir haben bei Herrn Haydn 1790 also folgende Situation: Er selbst ist 58 Jahre alt, hat f\u00fcr die damaligen Verh\u00e4ltnisse seine besten Jahre l\u00e4ngst hinter sich. Sein Musikliebender Dienstherr, der Esterhazy-F\u00fcrst Nikolaus hatte gerade das Zeitliche gesegnet. Dessen Erbe ist ein musikalischer Banause, entl\u00e4sst die ganze esterhazysche Hofmusik und schickt den Hofkapellmeister Haydn \u2013 immerhin bei vollen Bez\u00fcgen \u2013 aufs Altenteil. Haydn l\u00e4sst sich in Wien nieder, da flattert ihm pl\u00f6tzlich ein Angebot des Musikimpressarios Johann Peter Salomon ins Haus, er m\u00f6ge doch f\u00fcr eine Weile in England t\u00e4tig werden.<\/p>\n<p>Unschwer vorstellbar, dass f\u00fcr einen derart sesshaften Menschen wie Haydn ein solches Angebot reizvoll und be\u00e4ngstigend zugleich war. Aber die angebotene Honorierung war betr\u00e4chtlich. Au\u00dferdem hing da Salomons spezielle Lockung im Raum: In London k\u00f6nne der verehrte Herr Kompositeur seine neuen Sinfonien endlich mal mit einem wirklich gro\u00dfen Orchester musizieren. Sie erinnern sich an H\u00e4ndel: der war mit der Aussicht auf ein eigenes Opernhaus nach Hannover gelockt worden. F\u00fcr Haydn mag der Hinweis auf Verf\u00fcgbarkeit \u00fcber einen gro\u00dfen Klangk\u00f6rper aus professionellen Musikern der letzte Schups gewesen sein, sich f\u00fcr die Reise nach England zu entscheiden.<\/p>\n<p>Wenden wir einen Augenblick die Aufmerksamkeit auf diese Orchestersache, denn daran wird ein weiterer Faktor deutlich, warum es so viele Kontinentalmusiker immer wieder nach England zog. F\u00fcr die Engl\u00e4nder gingen Orchestermusiker einem ordentlichen und angesehenen Beruf nach, der seinen Mann auch n\u00e4hren k\u00f6nnen muss. Konzerte waren f\u00fcr die Briten ein Handel auf gegenseitigen Nutzen zwischen Gesch\u00e4ftspartnern auf im Prinzip gleicher Augenh\u00f6he. Musiker erbrachten stark nachgefragte und wertvolle Dienstleistungen, denen angemessene Bezahlung und Anerkennung geb\u00fchrt (*** junger Kapitalismus: Kunst = Ware). Deshalb gab es in den britischen Gro\u00dfst\u00e4dten eine erklekliche Anzahl hauptberuflicher Orchestermusiker von hohem spielerischem Niveau und dementsprechend auch einige gro\u00dfe Orchester von hohem Niveau.<\/p>\n<p>Wie anders dagegen die Situation in den Feudalresidenzen auf dem Festland. Wo es an den H\u00f6fen festangestellte Musiker gab, entsprach deren offizielle Stellung in der Regel derjenigen von Hauslakaien. Meist hatten sie neben ihrem Musizierdienst nach allerhand andere Pflichten zu erledigen. Die Bezahlung war mies, die Unterbringung noch mieser und die Behandlung in der h\u00f6fischen Hierarchie eben so, wie es f\u00fcr Lakaien \u00fcblich war. Nun gut, die britischen Musiker waren vom Auf und Ab des Marktes abh\u00e4ngig. Und da gab es auch Tiefschl\u00e4ge in Serie. Die kontinentalen Hofmusiker allerdings waren auf Gedeih und Verderb den pers\u00f6nlichen Launen irgendeines Grafen, F\u00fcrsten, K\u00f6nigs und seiner Schranzen ausgesetzt.<\/p>\n<p>Selbst frei herumreisende und ber\u00fchmte Musiker wussten erst nach einem Gastspiel bei Hofe, ob die M\u00fche sich gelohnt hat: Honorarabsprachen vorab, gar Vertr\u00e4ge waren nicht \u00fcblich \u2013 wenn dem Hausherrn und seiner notablen Bagage die Musikdarbietung gefallen hat und ihm auch sonst keine Laus \u00fcber die Leber gelaufen war, fiel wom\u00f6glich ein ordentlicher Batzen f\u00fcr den Musicus ab. Andernfalls konnte er ebenso v\u00f6llig leer ausgehen. Nicht nur Leopold Mozart klagte oft und laut \u00fcber die Knausrigkeit adliger Gastgeber, vor denen sein Wolferl musiziert hatte.<\/p>\n<p>Die F\u00fcrsten nahmen das Musizieren hin wie eine Pflichterf\u00fcllung, die die Untertanen sowieso zu erbringen haben. F\u00fcr die breite Masse der Berufsmusiker auf dem Kontinent war ihr Job oft ein materiell prek\u00e4rer von obendrein geringem sozialen Ansehen. Weshalb es so furchtbar viele hauptberufliche Instrumentalisten auch gar nicht gab. In der klassischen Musikhochburg Wien beispielsweise sa\u00dfen bei gro\u00dfen Orchesterkonzerten einem Teil Berufsmusiker zumeist ein \u00e4hnlich gro\u00dfer Teil Hobbymusiker zu Seite. So manche Beethoven-Sinfonie wurde dort in solch gemischter Besetzung und mit den entsprechenden qualitativen Einschr\u00e4nkungen aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund wird deutlicher, warum Jospeh Haydn nach Salomons Wink mit einem gro\u00dfen Profiorchester nicht mehr allzu lange gez\u00f6gert hat, die Einladung nach England anzunehmen. Freunde warnten ihn freilich vor diesem beschwerlichen und ungewissen Unternehmen. Unter diesen Freunden auch ein ganz besonderer: Wolfgang Amadeus Mozart, der den 24 Jahre \u00e4lteren Haydn liebevoll scherzend \u201ePapa\u201c zu nennen pflegte. Sagt also Mozart zu Haydn, als das Gespr\u00e4ch auf das England-Angebot kommt: \u201ePapa! Sie haben keine Erziehung f\u00fcr die gro\u00dfe Welt gehabt und reden zu wenige Sprachen.\u201c In der Tat konnte Haydn \u00fcberhaupt kein Englisch, lie\u00df sich aber dadurch nicht verdrie\u00dfen und antwortete Mozart selbstbewusst: \u201eOh! Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt.\u201c Er meinte nat\u00fcrlich die Musik. Bei einem letzten gemeinsamen Essen vor der Abfahrt nach England unkte Mozart: \u201eDu wirst es nicht lange aushalten und wohl bald wiederkommen, denn du bist nicht mehr jung.\u201c Haydns ebenso lebenskluge wie entschlossene Replik: \u201eIch bin aber noch munter und bei guten Kr\u00e4ften\u201c.<\/p>\n<p>Beide Englandreisen Haydns wurden zum Triumpf. Jeweils eineinhalb Jahre blieb er da, genoss die Aufmerksamkeit, die man ihm schenkte, und die Annehmlichkeiten, die man ihm bot \u2013 respektvolle Wertsch\u00e4tzung von Seiten des K\u00f6nigshofes eingeschlossen. Beide Aufenthalte waren auch kompositorisch ungemein produktiv, das der Musik positiv gesonnene Umfeld wirkte sich inspirierend auf ihn aus. Eine Erfahrung die sp\u00e4ter auch Felix Mendelssohn Bartholdy bei seinen zahlreichen Englandreisen immer wieder machte.<\/p>\n<p>Das Paket der Kompositionen die w\u00e4hrend Haydns englischer Phase entstanden sind, ist riesig: Streichquartette, Klaviersonaten, Klaviertrios, Schottische Lieder, M\u00e4rsche, Menuette, Englische Kanzonetten oder englische Psalmen. Darunter einige seiner besten Werke. Darunter nat\u00fcrlich auch und an erster Stelle die zw\u00f6lf Londoner Sinfonien, entstanden entweder im Verlauf der beiden Reisen oder in der kurzen Zeit dazwischen, w\u00e4hrend der er sich wieder Wien aufhielt. Unter den zw\u00f6lf Londoner Sinfonie popul\u00e4re Repertoirhits bis heute: die 94., genannt surprise oder Sinfonie mit dem Paukenschlag; die 96. The Miracle, und nat\u00fcrlich die 100., die Milit\u00e4rsinfonie.<\/p>\n<p>Den zweiten Satz, also das Andante der 94., derjenigen mit dem Paukenschlag will ich Ihnen vorspielen. Nicht nur, damit Sie sich &#8211; wie Millionen H\u00f6rer vor Ihnen vom Paukenschlag erschrecken lassen. Sondern vor allem, um diesen Abschnitt \u00fcber Josphe Haydn und damit dann auch bald meinen ganzen Vortrag abzuschlie\u00dfen mit einem Musikbeispiel, das auf geniale Weise Volksn\u00e4he und menschlichen Humor mit dem Raffinement hoher Tonsetzkunst verbindet. <em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Anziehungskraft des historischen englischen Musikmarktes auf Komponisten (H\u00e4ndel, Haydn, Mendelssohn Bartholdy) vom Kontinent *** (Unkorrigiertes Rohmanuskript f\u00fcr einen Langvortrag im Rahmen einer halbt\u00e4gigen Veranstaltung der Marienberger Seminare am 4. Juli 2009 in Bad Marienberg. Der m\u00fcndliche Vortrag wich teils erheblich vom Manuskript ab) ***ape. 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