{"id":504,"date":"2008-08-25T22:00:00","date_gmt":"2008-08-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2008\/08\/25\/hilferufe-aus-absurdistan\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:21","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:21","slug":"hilferufe-aus-absurdistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2008\/08\/25\/hilferufe-aus-absurdistan\/","title":{"rendered":"Hilferufe aus Absurdistan"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>So aus intellektueller Distanz betrachtet, kann Kapitalismus bisweilen recht lustig sein. Beispiel: Es rufen die Wirtschaftsverb\u00e4nde unisono nach mehr Geld in Volkes Hand. Auf dass ein kr\u00e4ftiger Konsumschub der Konjunktur beistehe. Ist recht, denkt sich unsereins naiv: Legt mal auf die L\u00f6hne ordentlich was drauf. N\u00f6, n\u00f6, so nicht, kontern die andern gleich: H\u00f6here L\u00f6hne w\u00e4ren Gift f\u00fcrs Gesch\u00e4ft. Darauf wir, wieder naiv: Ei, woher sollen die Kr\u00f6ten f\u00fcr den Konsumrausch denn kommen, wenn nicht aus der Lohnt\u00fcte? Antwort: Aus der Senkung der Lohnnebenkosten. Was auf&nbsp; gut deutsch hei\u00dft: Nehmt`s gef\u00e4lligst vom Staat und den Sozialkassen.<\/p>\n<p>Da lacht Walter wieder \u2013 und denkt an das Gezeter derselben Wirtschaftsverb\u00e4nde, wenn die Stra\u00dfen verrotten, die Schulabg\u00e4nger nichts k\u00f6nnen, die Unis zu wenige Ingenieure liefern, die Bev\u00f6lkerung schrumpft, die Hartz-IV-Zusch\u00fcsse f\u00fcr Niedrigl\u00f6hner oder die Fr\u00fchverrentung in Frage stehen. Das Lachen \u00fcber Absurdistan tut dem Freund wohl, nachdem er zwei Olympia-Wochen lang eher mies drauf war. Wie Sie wissen, Walter hat f\u00fcr Sport&nbsp; einiges \u00fcbrig. Jedenfalls in der Rolle des Zuschauers. Und als solchen frustrierte ihn die Olympia-Berichterstattung der \u00f6ffentlich-rechtlichen TV-Anstalten arg. F\u00fcr die Zeitdifferenz zwischen den Weltst\u00e4dten Peking und Koblenz k\u00f6nnen ARD und ZDF zwar nichts. Ebenso wenig f\u00fcr den Umstand, dass Werkt\u00e4tige hierzulande mit \u00dcbertragungen zwischen 3 und 17 Uhr meist wenig anfangen k\u00f6nnen. Verwiesen war der Sportsfreund also auf Zusammenfassungen am Abend.<\/p>\n<p>Aber welch ein Krampf flimmerte da ins Haus: Statt Wettkampflust nebst Interesse an den&nbsp; Leistungen anderer Sportler blo\u00df deutsche Medaillenparade, Geschwafel und Tinnef der Marke \u201eOma weint in Pusemuckel \u00fcber ihren Goldbuben in China\u201c. Auf der Flucht vor Beckmann wie Kerner&nbsp; und der Suche nach der \u201erichtigen\u201c Olympiade nudelten Walter und ich zwischen Feierabend und orts\u00fcblicher&nbsp; Schlafenszeit die Programme durch. Mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg: \u201eEurosport\u201c folgte vor allem den Spuren der US-Athleten; das so genannte Deutsche Sport Fernsehen kaprizierte sich derweil auf Leibes\u00fcbungen in den nichtolympischen Rubbel- und Sch\u00fctteldisziplinen. \u00dcbermenschliches auf beiden Kan\u00e4len.<\/p>\n<p>Die Leserschaft m\u00f6chte obigen Weltstadtvergleich Peking\/Koblenz f\u00fcr mutwillig&nbsp; halten? Wenn sie sich da mal nicht t\u00e4uscht. Hinsichtlich Gr\u00f6\u00dfe wie politischer Eigenheiten w\u00e4re der Vergleich Unfug, logisch. Aber die Weltl\u00e4ufigkeit der beiden St\u00e4dte, die, Herrschaften, kann man durchaus ins Verh\u00e4ltnis setzen. Hier wie da ist Englisch vorherrschende Sprache geworden. F\u00fcr Olympia haben auch die letzten Pekinger noch geschwind Englisch gelernt. F\u00fcr Koblenz beweist schon ein kleiner Stadtbummel: Rund um German Corner wird englisch spoken.<\/p>\n<p>Die Beschriftungen quer durch Oldcity und Shopping-Center schreien nach einer postolympischen Partnerschaft mit Peking. Man sollte die jetzt arbeitslos gewordenen chinesischen Volunteers herholen. Sie k\u00f6nnten den Koblenzern beim Stadtgang behilflich sein. Schlie\u00dflich wei\u00df der geschulte Chinese, dass ein \u201eHairkiller\u201c ungef\u00e4hrlich ist und weder \u201eJuice in the City\u201c noch \u201eBeauty in the City\u201c etwas mit einem \u201eErotic-Store\u201c im Sinne von \u201eSex in the City\u201c zu tun haben. Auch w\u00fcrde der Chinese seinen Schutzbefohlenen vorbeilotsen an \u201eSale\u201c, \u201eFinal Sale\u201c oder gar \u201ePower Final Sale\u201c mit dem Hinweis \u201eCome in and find out\u201c. Was nach Konfuzius meint: Komm herein, um hinauszufinden. Solch weise Belehrung k\u00f6nnte vor dem Verhungern bewahren. Denn wer denkt bei \u201eFactory\u201c schon an&nbsp; Brotladen oder bei \u201eSubway\u201c an Stullen-B\u00fcfett \u2013 in dieser Stadt, die dir strotzend vor globalophilem Heimatbewusstsein zuruft: Eat fresh! Meet your style! Feel glamorous! Thank God: You are a Middlerhiner!&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So aus intellektueller Distanz betrachtet, kann Kapitalismus bisweilen recht lustig sein. Beispiel: Es rufen die Wirtschaftsverb\u00e4nde unisono nach mehr Geld in Volkes Hand. Auf dass ein kr\u00e4ftiger Konsumschub der Konjunktur beistehe. Ist recht, denkt sich unsereins naiv: Legt mal auf die L\u00f6hne ordentlich was drauf. 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