{"id":5032,"date":"2024-08-30T12:41:30","date_gmt":"2024-08-30T11:41:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=5032"},"modified":"2024-08-30T12:43:31","modified_gmt":"2024-08-30T11:43:31","slug":"nutze-den-tag-und-tue-einfach-mal-nichts-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2024\/08\/30\/nutze-den-tag-und-tue-einfach-mal-nichts-quergedanken\/","title":{"rendered":"Nutze den Tag \u2013 und tue einfach mal nichts (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre>      Monatskolumen Nr. 230, September 2024\n\n<\/pre>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\"><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-875\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a> Es ist zwei J\u00e4hrchen her, da sa\u00df ich mit einem guten Bekannten am Ufer eines Weihers. Kein Mensch weit und breit, die n\u00e4chste Stra\u00dfe zwei Kilometer entfernt. Still ruhte der See, abgesehen von einem Dutzend Enten am jenseitigen Ufer. Wir hatten eben unseren allj\u00e4hrlichen Traditionsgang in die Brombeeren abgeschlossen. Die Eimer voll, die Arme leidlich verkratzt, auf den Klamotten manch blauschwarzer Flatsch: So ruhten wir nun in behaglicher Zufriedenheit auf der vom Anglerverein aufgestellten Bank \u2013 f\u00fcr ein Weilchen schweigend, schauend, nichts tuend. Wunderbar.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Derart h\u00e4tte ich verweilen k\u00f6nnen, eine Stunde oder auch zwei. Denn, man mag es glauben oder nicht: Bisweilen bin ich gerne ein gro\u00dfer Schweiger, geduldiger Sitzer, zielloser und nutzloser Flaneur oder Garnichtstuer. Dann will ich auch nicht lesen, nicht im Netz surfen, keine Musik h\u00f6ren, kein Fernsehen gucken, keine Spiele spielen, nichtmal plaudern oder sporteln. Und schon gar nicht arbeiten. Freund Walter mault manchmal, wenn er merkt, dass ich in diesen Zustand abgleite: \u201eDu bist mal wieder extrem ungesellig\u201c, oder gar \u201esei nicht so faul\u201c. In solchen Momenten muss ich ihn erinnern, dass er das Recht auf Faulheit f\u00fcr ein grundlegendes Menschenrecht h\u00e4lt, und dass er regelm\u00e4\u00dfig die heutige Dauerbedudelung bzw. -beschie\u00dfung s\u00e4mtlicher Sinne mit unendlichen Mengen von Vergn\u00fcgungs-, Info- und Kommunikationsangeboten als ein die Menschheit verbl\u00f6dendes Unding abkanzelt.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Damals am kleinen Weiher merke ich nach kurzer Zeit, wie mein Brombeermitsammler unruhig wird. Er schnauft, kratzt sich, rutscht auf der Bank herum, greift reflexartig nach seinem Smartphone \u2026 Kurzum: Der gute Mann f\u00fchlt sich zunehmend unwohl im Zustand der Stille und des Nichtstuns. Wir beginnen wieder zu plaudern, schnappen bald die Eimer und machen uns auf den Heimweg. Nachher merkt er an: \u201eDas war ein herrlicher Moment da am See, aber l\u00e4nger als eine Viertelstunde kann ich das nicht.\u201c <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">\u00dcber dieses \u201eich kann das nicht\u201c habe ich seither \u00f6fter nachgedacht. Geht mir ja manchmal \u00e4hnlich. Dann habe ich den sprichw\u00f6rtlichen Pfeffer im Ar\u2026, sorry: Hintern, und lasse mich, sogar noch als Rentner, antreiben, bisweilen hetzen vom Drang und\/oder Pflichten zum schier pausenlosen T\u00e4tigsein. Die Pr\u00e4gungen durch das \u00fcberkommene Selbstverst\u00e4ndnis unserer Arbeits- und Leistungsgesellschaft sind schon ziemlich stark. Der kritische R\u00fcckblick auf fast 40 Jahre Berufsleben best\u00e4tigt: Du warst oft bis \u00fcber die Grenzen zur Selbstaufreibung hinaus entschieden zu flei\u00dfig. Es war ein hartes Ringen, aber irgendwie habe ich mir die Kulturtechnik des Abschaltenk\u00f6nnens dann doch erhalten. Abschalten im doppelten Sinne: Die Ger\u00e4te und Medien der Dauerbedudelung und permanenten Weltverbindung, das Hirnfeuerwerk st\u00e4ndig \u00fcberbordender Aufmerksamkeit und Aktivit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Auch wenn Walter manchmal meckert \u00fcber meine vielleicht gar zu ausgepr\u00e4gte Unlust, \u201eetwas zu unternehmen\u201c, so hat er sich inzwischen selbst abgew\u00f6hnt, auch Freizeit und Urlaub mit Aktivit\u00e4ten und allzeitlicher Mediennutzung vollzustopfen. Weshalb es nun immer h\u00e4ufiger vorkommt, dass wir einhalten mit der Schaffe, auch dem mehr oder minder gescheiten Pallavern, und ein St\u00fcndchen nur in seligem Schweigen scheinbar v\u00f6llig sinnlos beisammenhocken \u2013 indes hingegeben der Lust und gesteigerten Lebensqualit\u00e4t des zeitweisen Garnichtstuns. Es ist sehr angenehm, wenn man das noch (oder wieder) kann. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumen Nr. 230, September 2024 Es ist zwei J\u00e4hrchen her, da sa\u00df ich mit einem guten Bekannten am Ufer eines Weihers. Kein Mensch weit und breit, die n\u00e4chste Stra\u00dfe zwei Kilometer entfernt. Still ruhte der See, abgesehen von einem Dutzend Enten am jenseitigen Ufer. Wir hatten eben unseren allj\u00e4hrlichen Traditionsgang in die Brombeeren abgeschlossen. Die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[296,294,291,303],"tags":[9],"archiv":[338,346],"archiv_inhaltlich":[271,258,260,279],"class_list":["post-5032","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft_zeitgeist","category-kolumnen","category-quergedanken","category-vermischtes","tag-freier-lesetext","archiv-338","archiv-2024-08","archiv_inhaltlich-gesellschaft-zeitgeist","archiv_inhaltlich-kolumnen","archiv_inhaltlich-quergedanken","archiv_inhaltlich-vermischtes"],"acf":{"bild":"","anhang":""},"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5032","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5032"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5032\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5035,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5032\/revisions\/5035"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5032"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5032"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5032"},{"taxonomy":"archiv","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv?post=5032"},{"taxonomy":"archiv_inhaltlich","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv_inhaltlich?post=5032"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}