{"id":503,"date":"2008-09-25T22:00:00","date_gmt":"2008-09-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2008\/09\/25\/uns-kurt-is-back\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:21","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:21","slug":"uns-kurt-is-back","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2008\/09\/25\/uns-kurt-is-back\/","title":{"rendered":"Uns Kurt is back"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen alles \u2013 au\u00dfer Hochdeutsch\u201c. Dieser Spruch aus Baden-W\u00fcrttemberg ist ein selten gelungenes Beispiel f\u00fcr originelle Landeswerbung. Obendrein versammelt er zwei V\u00f6lkchen unter einem Banner, die sich seit Urzeiten nicht gr\u00fcn sind: Badener und Schwaben. Im Vielv\u00f6lker-Freistaat Bayern gibt\u2019s eine noch knackigere Volksfront-Losung: \u201eMir san mir\u201c.&nbsp; Was sich \u00fcbersetzen l\u00e4sst als: Leckts mi am Oarsch, Sauprei\u00dfen, damische! Selbstredend funktioniert das sture wie stolze Pochen auf regionale Eigenartigkeit nur in&nbsp; Opposition zum Rest der Welt, zum Berliner Gro\u00dfgetue insbesondere.<\/p>\n<p>Rheinland-Pfalz verf\u00fcgt leider nicht \u00fcber vergleichbare Wortgewalt. Die einschl\u00e4gigen Werbemittel verzichten hier weitgehend auf schlagkr\u00e4ftige Parolen, hei\u00dfen Besucher und Neugierige allenfalls lieb \u201ewillkommen\u201c zum \u201eGenie\u00dfen\u201c von \u201eEinmaligkeit\u201c. Die Mainzer Staatskanzlei immerhin h\u00e4ngt den Slogan \u201eWir machen\u2019s einfach\u201c zum Internetfenster raus. Genial geht anders. F\u00fcr den Schulterschluss zwischen Pf\u00e4lzern, Rheinhessen, Moselfranken und Rheinl\u00e4ndern taugt das Spr\u00fcchlein wenig: Es klingt nun mal all zu brav nach Baumarkt oder Volksbank.<\/p>\n<p>\u201eDann lass du dir was einfallen!\u201c, fordert Walter. \u201eDrei, vier W\u00f6rtchen, rotzig, trotzig das regionale Wir-Gef\u00fchl beschw\u00f6rend; kann so schwer nicht sein.\u201c Der Freund hat&nbsp; Vorstellungen. So ein \u201eMir san mir\u201c reimt sich doch nicht daher wie ein B\u00fcttenkalauer zur Fastnacht. Da steckt Widerborstigkeit von Generationen drin. Gegen die ethnologische, politische, psychologische Vielschichtigkeit von \u201eMir san mir\u201c sind selbst werbliche Geniestreiche wie \u201eBitte ein Bit!\u201c blo\u00df Tinnef. Und \u00fcberhaupt: W\u00fcsste ich einen z\u00fcndenden Slogan, ich schriebe ihn hier nicht hin, sondern lie\u00dfe ihn zuerst patentieren, hernach von Landesregierung oder Koblenz-Touristik vergolden \u2013 und setzte mich dann zur Ruhe.<\/p>\n<p>Man m\u00fcsste Geist und Gestus des R\u00fccktritts von Kurt Beck als Chef der Bundes-SPD in eine handvoll Worte fassen k\u00f6nnen. Das w\u00e4r\u2019s! Das w\u00e4re die rheinland-pf\u00e4lzische Entsprechung zum bayerischen \u201eLeckts mi am Oarsch, Sauprei\u00dfen, damische\u201c. (Statt \u201edamische\u201c noch besser: \u201ehintervotzige\u201c). Jetzt sind die hiesigen Mundartpfleger aufgerufen, ihren Sachverstand in die aktuelle Waagschale zu werfen. Aber bitte nicht mit \u201eIch sayn ich\u201c oder \u201eIch bleiv me treu\u201c \u2013 da k\u00f6nnten wir ja gleich Staatskanzlei-Dichter und Bankhaus-Poeten verbandeln: \u201eKurt m\u00e4cht ohfach d\u00e4 Wech frei\u201c. Ein bisschen mehr Schmackes braucht\u2019s schon, weil auch ein bisschen mehr dahinter steckt.<\/p>\n<p>Das machen die Folgen des kurzb\u00fcndigen Trennungsaktes deutlich. Wann je hatte man schon mal so eine Konstellation: Die Bundes-SPD freut sich, dass sie den Kurt los ist. Die Landes-SPD ist \u00fcbergl\u00fccklich, dass sie ihn wieder ganz f\u00fcr sich hat. Die Landes-CDU hingegen w\u00e4re lieber an der Stelle der Bundes-SPD, n\u00e4mlich Kurt los. W\u00e4hrend die Bundes-CDU ihn lieber behalten h\u00e4tte, als n\u00fctzliches Linksgespenst. Wobei Letzteres einmal mehr&nbsp; beweist, dass von verschiedenen Ecken der Republik aus die Welt doch sehr verschieden ausschaut. Ausgerechnet Kurt Beck ein Linker??? Auf so eine Schnapsidee k\u00f6nnen nur Nicht-Rheinland-Pf\u00e4lzer kommen oder Zeitgenossen, die sich an Gerhard Schr\u00f6der als den Kanzler einer CDU\/FDP-Regierung erinnern.<\/p>\n<p>Links oder eher nicht: \u201eUns Kurt\u201c hat es den Schn\u00f6seln, Gro\u00dfkopferten, R\u00e4nkeschmieden in Berlin gezeigt. Wie die Herrschaften in Partei und Medien sich das dachten, so l\u00e4sst kein Pf\u00e4lzer, lie\u00dfe erst recht kein Mittelrheiner mit sich umgehen. Wir k\u00f6nnen \u00fcber alle Ma\u00dfen gem\u00fctlich sein, zum Steinerweichen provinziell und bis zum Exzess bieder. Eines aber k\u00f6nnen wir hier nicht, ob Ministerpr\u00e4sident, Schreiberling oder Reb- und R\u00fcbenbauer: Uns f\u00fcr dumm verkaufen lassen und das Kreuz verbiegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir k\u00f6nnen alles \u2013 au\u00dfer Hochdeutsch\u201c. Dieser Spruch aus Baden-W\u00fcrttemberg ist ein selten gelungenes Beispiel f\u00fcr originelle Landeswerbung. 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