{"id":496,"date":"2009-04-25T22:00:00","date_gmt":"2009-04-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2009\/04\/25\/kunde-koenig-mit-narrenkappe\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:21","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:21","slug":"kunde-koenig-mit-narrenkappe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2009\/04\/25\/kunde-koenig-mit-narrenkappe\/","title":{"rendered":"Kunde K\u00f6nig mit Narrenkappe"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>&nbsp;\u201eWo ist mein Kaffee?!\u201c \u201eWer hat mein Waschpulver verschwinden lassen?!\u201c Wenn Sie, werte\/r Leser\/in, alle paar Monate solche Rufe durch einen mittelrheinischen Supermarkt dr\u00f6hnen h\u00f6ren, k\u00f6nnte da mein Freund Walter am Werk sein. Walter ist ein \u00fcberaus treuer Kunde, kauft seit ewigen Zeiten im selben Laden ein. Er kennt die Lebensgeschichten des Personals, kann den wechselnden Filialleitern Auskunft geben \u00fcber Aussehen und Sortiment ihres Gesch\u00e4ftes vor 10, 15 oder 20 Jahren. Was seine Treue indes regelm\u00e4\u00dfig auf eine harte Probe stellt, ist die Unsitte des Handels, allweil die Regale umzur\u00e4umen. Wo gestern noch Klopapier und Taschent\u00fccher lagen, stehen heute saure Gurken und Dosenfisch. Einkaufen wird dann m\u00fchselige Sucherei \u2013 was Walter auf die Palme bringt und in aller Supermarkt\u00f6ffentlichkeit die Contenance verlieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Selbstredend hat die Umr\u00e4umerei mit Kundenfreundlichkeit gar nichts zu tun. Die H\u00e4ndler glauben: Bei suchenden Kunden erh\u00f6he sich die Verweildauer im Markt, was automatisch Umsatzsteigerungen zur Folge habe. Herrschaften, wenn das mal kein Trugschluss ist! Zumindest Walter und ich sind vom Psycho-Marketing oft derart entnervt, dass wir den Laden durchaus auch mal mit leeren H\u00e4nden verlassen. \u00dcberhaupt diese Vorstellung, ver\u00e4rgerte Leute k\u00f6nnten mehr kaufen. Das ist so absurd wie die Au\u00dfenwerbung in den Einkaufszentren etwa die B9 entlang von Koblenz nach Neuwied. Fehlt nicht mehr viel, und die Firmenschilder sind dort gr\u00f6\u00dfer als die Firmenniederlassungen selbst.<\/p>\n<p>Wer hat den Gr\u00f6\u00dften? Media-Markt macht auf dick, IKEA&nbsp; reckt sich protzend &#8218;gen Himmel. In den Gewerbegebieten M\u00fclheim-K\u00e4rlich oder Distelfeld verlierst du im Schilder-, Transparent-&nbsp; und Fahnenwald gleich vollends den \u00dcberblick. H\u00e4ngt einer drei Fahnen zum zwei Quadratmeter gro\u00dfen Schild vor die T\u00fcr, legt der Nachbar gewiss mit sechs Fahnen und einem vier Quadrameter-Transparent nach. Das ist ein sich aufschaukelnder Prozess, der in der Masse den vom einzelnen Gesch\u00e4ft angestrebten Werbeeffekt schlechterdings platthaut:&nbsp; Eine Kakophonie optischen Geschreis, die, verehrte H\u00e4ndler und Marketingspezialisten, Eure Kunden schlie\u00dflich erblinden und ertauben l\u00e4sst. Von der gef\u00e4hrlichen Desorientierung suchender Autofahrer in den Gewerbegebieten ganz abgesehen.<\/p>\n<p>Die neue Verpackungsordnung ist auch so ein Ding. Schokolade zu 78 Gramm, Butter zu 224 und die Milch im 0,8 Liter-Pack; fortan frei nach Gusto der Hersteller. Damit k\u00f6nne besser auf die individuellen Bed\u00fcrfnisse der Kunden eingegangen werden, s\u00e4useln die Verbandssprecher. Verarschen k\u00f6nnen wir uns selber. Habt Ihr nicht unl\u00e4ngst das Viertel Butter und die Halbe-Liter-Milcht\u00fcte aus den K\u00fchlungen genommen, zwecks wohlfeilem Verkauf gr\u00f6\u00dferer Einheiten? Wart Ihr es nicht, die Gummib\u00e4rchen- und Chipst\u00fcten oder Limonadeflaschen zu Monstergr\u00f6\u00dfen aufgeblasen haben? Was war da mit \u201eindividuellen Bed\u00fcrfnissen\u201c? Kundenfreundlichkeit, pah! Wir d\u00fcrfen nun au\u00dfer Einkaufszettel, Korb und Geldbeutel auch noch den Taschenrechner mit in den Laden nehmen, um herauszufinden, was was wirklich kostet.<\/p>\n<p>So artet das Einkaufen in Arbeit aus. Aber das kennen wir ja schon lange: Selbstbedienung hei\u00dft das Zauberwort, das Kunden zu flei\u00dfigen Mitarbeitern der M\u00e4rkte macht. Man muss schon ziemlich alt sein, um zu erinnern, dass es auch anders geht. Es ist wie mit den Bahnh\u00f6fen in Deutschland: Einst gab es sie \u00fcberall als vollwertige Servicestationen mit Kiosk, Wartesaal, WC und lebendigen Menschen hinterm Schalter. Geblieben sind in der Fl\u00e4che allenfalls zugige Warteh\u00e4uschen mit gelegentlich funktionierenden Ticket-Automaten. W\u00e4hrend die Hauptbahnh\u00f6fe zu Gastro- und Shoppingzentren mutierten, in denen Fahrg\u00e4ste an vielen Automaten dem schwindenden Bahnpersonal die Arbeit wegnehmen (m\u00fcssen).&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;\u201eWo ist mein Kaffee?!\u201c \u201eWer hat mein Waschpulver verschwinden lassen?!\u201c Wenn Sie, werte\/r Leser\/in, alle paar Monate solche Rufe durch einen mittelrheinischen Supermarkt dr\u00f6hnen h\u00f6ren, k\u00f6nnte da mein Freund Walter am Werk sein. Walter ist ein \u00fcberaus treuer Kunde, kauft seit ewigen Zeiten im selben Laden ein. 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