{"id":4925,"date":"2024-06-28T06:35:00","date_gmt":"2024-06-28T05:35:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=4925"},"modified":"2024-06-28T07:39:57","modified_gmt":"2024-06-28T06:39:57","slug":"wenn-jemand-eine-reise-tut-dann-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2024\/06\/28\/wenn-jemand-eine-reise-tut-dann-quergedanken\/","title":{"rendered":"Wenn jemand eine Reise tut, dann &#8230; (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre>        Monatskolumne Nr. 228 Juli 2024<\/pre>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-875\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a>\u00a0\u201e<span style=\"font-size: large;\">Erz\u00e4hl\u2019\u201c, dr\u00e4ngt neugierig Freund Walter nach meiner R\u00fcckkehr aus einem Urlaub an der Ostseek\u00fcste. Die meisten Zeitgenossen w\u00fcrden jetzt das Smartphone z\u00fccken, um allerhand Fotos von ihren Umtrieben an fernen Gestaden herzuzeigen. Walter sagt aber gezielt \u201eerz\u00e4hl\u2019, nicht \u201ezeig\u2019\u201c. Denn er wei\u00df, dass ich nicht fotografiere, schon seit Jahrzehnten auch kein einziges Urlaubsfoto mehr mache. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Warum sollte ich nochmal knipsen, was schon millionanfach abgelichtet wurde? Den kleinen Hafen mit Leuchtturm in Timmendorf\/Poel, Fischbr\u00f6tchen vom Kutter am Kai, Dorsch mit Bratkartoffeln hier, Scholle mit Kartoffelsalat da, Pizza dort, die Welterbe-Altstadt von Wismar, das Schloss zu Schwerin, Ludwigslust, Sonnenuntergang \u00fcber dem Meer \u2026 Ich wei\u00df, Fotografieren ist f\u00fcr viele Leute ein sch\u00f6nes Hobby, und es sei ihnen geg\u00f6nnt. Es irritieren mich indes jene, die mit Auto oder Radel an einem Pl\u00e4tzchen ankommen, sogleich das Smartphone z\u00fccken, losknipsen, das Ergebnis auf dem Minibildschirm pr\u00fcfen, schnell ein Fischbr\u00f6tchen mampfen, wieder wegfahren. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Wenn das jemanden gl\u00fccklich macht, ist\u2019s auch gut. F\u00fcr mich w\u00e4re das nix, jede Gelegenheit prim\u00e4r auf Fototauglichkeit zu checken \u2013 um am Ende Welt und Leben in digitalen Kleinbildreihen zu dokumentieren. Ich will die Originale schauen, sie mit ihren Ger\u00fcchen, Ger\u00e4uschen, Winden, Temperaturen, Stimmungen erleben und ins Ged\u00e4chtnis aufnehmen. Die sch\u00f6nsten Momente bleiben so in ihrer Ganzheit unvergessen; den belanglosen Ballast sortiert das Hirn bald weg. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Deshalb dr\u00e4ngt Walter \u201eerz\u00e4hl\u2019\u201c und nicht \u201ezeig\u2019\u201c. Obwohl er selbst zu den Fotografier-Talenten geh\u00f6rt, die atmosph\u00e4risch besonders dichte Motive nicht nur erkennen, sondern im Gegensatz zu mir auch \u201eauf Platte\u201c bannen k\u00f6nnen. Bisweilen bringt er von Reisen nur ein Dutzend Fotos mit, darauf intensive Impressionen, wie du sie noch nie gesehen hast und die du statt auf dem Minibildschirm von Kamera oder Handy unbedingt in vern\u00fcnftiger Vergr\u00f6\u00dferung sehen willst. Der Freund und sehr wenige Fotografierende in meinem Bekanntenkreis k\u00f6nnen das. Ich kann es nicht und, wie man an abertausenden Knipsereien sieht, die meisten anderen k\u00f6nnen es auch nicht. (Die Vorstellung stimmt mich etwas traurig, dass alle Menschen heutzutage via Internet zwar freien Zugang zu Werken, auch den bedeutendsten, etwa der Malkunst haben, sie aber doch nur im halben Postkartenformat auf dem Handy kurz begucken) <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Also tue ich, was mir liegt: Ich erz\u00e4hle Walter in Worten vom Urlaub. Vom Sonnenuntergang im Meer, den ich mit der Gattin im Arm von der Hafenmole aus betrachte, derweil uns ein eiskalter Seewind um die Ohren pfeift, w\u00e4hrend hinter uns diverse Boote an ihren Liegepl\u00e4tzen knarzen, das Hafenwasser nach Hafenwasser riecht, das Nachtblinken des Leuchtturms anhebt, ufernah ein paar Schw\u00e4ne und Enten auf der D\u00fcnung treiben, einige M\u00f6wen ihre letzte Runde fliegen und mich tiefe Ruhe erfasst. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Ich erz\u00e4hle von meinem Staunen \u00fcber Massen von Eltern und Gro\u00dfeltern, die Kleinkinder in W\u00e4gelchen hinter E-Bikes herziehen \u2013 bis bei genauerem Hinschauen deutlich wird: Ups, da hocken meist keine Kinder drin, sondern Hunde. Ich erz\u00e4hle von unseren Autotouren weit ins mecklenburgische Hinterland, ohne Navi, gest\u00fctzt nur auf eine gute Karte und Stra\u00dfenschilder. So wird auf einsamen Kleinststra\u00dfen der Weg zum Ziel, genie\u00dfen wir eine sanfte Mulden-, H\u00fcgel-, Seenlandschaft, einst von Gletschern geformt. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumne Nr. 228 Juli 2024 \u00a0\u201eErz\u00e4hl\u2019\u201c, dr\u00e4ngt neugierig Freund Walter nach meiner R\u00fcckkehr aus einem Urlaub an der Ostseek\u00fcste. Die meisten Zeitgenossen w\u00fcrden jetzt das Smartphone z\u00fccken, um allerhand Fotos von ihren Umtrieben an fernen Gestaden herzuzeigen. Walter sagt aber gezielt \u201eerz\u00e4hl\u2019, nicht \u201ezeig\u2019\u201c. 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