{"id":4858,"date":"2024-04-26T07:06:00","date_gmt":"2024-04-26T06:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=4858"},"modified":"2024-04-26T08:13:18","modified_gmt":"2024-04-26T07:13:18","slug":"komm-lieber-mai-und-mache-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2024\/04\/26\/komm-lieber-mai-und-mache-quergedanken\/","title":{"rendered":"Komm, lieber Mai, und mache \u2026 (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre>         Monatskolumne Nr. 226, Mai 2024<\/pre>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-875\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a> \u201eWas ist jetzt los? Volksliedkunde oder wie?\u201c Freund Walter war etwas befremdet, als er mich in der ersten April-Woche heimsuchte, am Schreibtisch alte Fr\u00fchlingslieder tr\u00e4llernd vorfand und in Musikfachb\u00fcchern nach deren Urspr\u00fcngen forschend. Statt lang und breit zu erl\u00e4utern, welchen Zweck dies Tun verfolge, habe ich ihn gleich eingespannt in die Arbeit. Und zwar mit der Frage: Was f\u00e4llt dir an den beiden folgenden Liedanf\u00e4ngen auf? Erstens: \u201eDer Mai ist gekommen, die B\u00e4ume schlagen aus.\u201c Zweitens: \u201eKomm, lieber Mai, und mache die B\u00e4ume wieder gr\u00fcn.\u201c<\/p>\n<p>Seine Antwort: \u201e\u00c4hm, na ja \u2013 es geht jeweils um den Mai und den Wunsch danach oder die Freude dar\u00fcber, dass in diesem Monat die B\u00e4ume wieder ergr\u00fcnen. Sozusagen Winter endlich ad\u00e9, Fr\u00fchlingsgef\u00fchle sind angesagt.\u201c Stimmt. Dazu passen in beiden F\u00e4llen auch die frohgemuten Melodien. Bei \u201eKomm, lieber Mai\u201c komponierte diese \u00fcbrigens kein Geringerer als Wolfgang Amadeus Mozart. Da staunt der Freund, hatte er nicht gewusst; ich \u00fcbrigens bis eben auch nicht. Der Song mit der Mozart-Musik stammt von 1791, der andere aus dem Jahr 1842.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Frage an Walter: Was f\u00e4llt dir auf, wenn du jetzt (wohlgemerkt Anfang April) aus dem Fenster \u00fcber die Weiden in den Westerwald schaust? Antwort: \u201eHmm, also \u2013 ganz viele B\u00e4ume sind gr\u00fcn oder ergr\u00fcnen gerade. Die Wiesen sind gr\u00fcn und es bl\u00fcht auch schon allerhand.\u201c Geeenau, mein Lieber! Das ist der Springpunkt: Was die alten Lieder noch mit dem Mai in Verbindung bringen, vollzieht sich mittlerweile bereits Anfang April, teils schon Ende M\u00e4rz.<\/p>\n<p>Ich finde das ausgesprochen spannend: Da hocken heutzutage an sonnigen, warmen April-Tagen die Leut\u2019 oft schon hemds\u00e4rmelig im Biergarten oder schmei\u00dfen auf der Veranda den Grill an; aus den Tiefen des in der Kindheit angelegten Liedged\u00e4chtnisses springen einem vergn\u00fcgte Fr\u00fchlingsweisen auf die Lippen. Sobald du aber deren erste Textzeilen \u2013 mehr kriegt ja meist niemand zusammen, im Unterschied zur vollst\u00e4ndig erinnerten Melodie \u2013 genauer betrachtest, gibt es ausgerechnet aus uralten Volksliedern etwas \u00fcber den aktuellen Klimawandel zu lernen. N\u00e4mlich: Seit der Entstehungszeit der Lieder hat sich der klimatische und biologische Fr\u00fchling offenkundig um vier bis sechs Wochen nach vorne verschoben.<\/p>\n<p>Die Natur im 21. Jahrhundert betrachtend und mit der im 18. und 19. verglichen, m\u00fcsste man in den alten Songtexten eigentlich \u00fcberall Mai durch April ersetzen. Sowas macht man aber nicht, man dichtet Klassiker nicht um, jedenfalls wenn\u2019s nach mir geht. Eine die neuzeitlichen Gegebenheiten erl\u00e4uternde Fu\u00dfnote k\u00f6nnte indes nicht schaden. Au\u00dferdem w\u00fcrde \u201eApril\u201c sowieso nicht so sch\u00f6n wie \u201eMai\u201c ins musikalische Ma\u00df der Lieder passen. Und die Musik umkomponieren geht ja gleich gar nicht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir so plaudern stutzt Walter, beginnt pl\u00f6tzlich zu singen. Zur Melodie von \u201eDer Mai ist gekommen\u201c nicht sch\u00f6n, aber laut dieses Verslein: \u201eUnd abends im St\u00e4dtlein, da kehr ich durstig ein: \/ \u201eHerr Wirt, eine Kanne, eine Kanne blanken Wein!\u201c \/ Ergreife die Fiedel, du lust\u2019ger Spielmann du, \/ von meinem Schatz das Liedel, das sing ich dazu.\u201c Himmel, Freund, wo hast du das denn her? Das ist die vierte oder f\u00fcnfte Strophe des Liedes. Antwort: \u201eKeine Ahnung, war soeben pl\u00f6tzlich da. Ist wohl in jungen Jahren irgendwann, irgendwo, bei irgendeinem Gelage zwischen meinen Synapsen h\u00e4ngengeblieben. Sonst kenne ich keine Zeile des Textes.\u201c Typisch Walter halt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumne Nr. 226, Mai 2024 \u201eWas ist jetzt los? Volksliedkunde oder wie?\u201c Freund Walter war etwas befremdet, als er mich in der ersten April-Woche heimsuchte, am Schreibtisch alte Fr\u00fchlingslieder tr\u00e4llernd vorfand und in Musikfachb\u00fcchern nach deren Urspr\u00fcngen forschend. 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