{"id":485,"date":"2010-03-25T23:00:00","date_gmt":"2010-03-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2010\/03\/25\/den-luxus-goenne-ich-mir\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:20","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:20","slug":"den-luxus-goenne-ich-mir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2010\/03\/25\/den-luxus-goenne-ich-mir\/","title":{"rendered":"Den Luxus g\u00f6nne ich mir"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Wie sich die Zeiten \u00e4ndern. Vor ein paar Jahren noch galt als wichtig, wer zur kleinen Gruppe der Handy-Besitzer geh\u00f6rte und auch unterwegs angeklingelt wurde. Sp\u00e4ter griff in derselben Gruppe der Spruch um sich: St\u00e4ndig mit dem Handy muss nur rummachen, wer schlecht organisiert ist. Vorbei, beides! Inzwischen telefonieren alle mit allen, immer, \u00fcberall. Und sollte sich f\u00fcr einen Moment mal niemand zum Quatschen finden, wird mit dem Maschinchen gemailt, gesurft, gezwitschert. Leben hei\u00dft&nbsp; nun: in Netzen schwimmen. Und wie bei den Fischen gilt: Dass einer gefangen ist, merkt er erst, wenn er hinaus ins freie Wasser will.<\/p>\n<p>Mein Freund Walter hat sein Handy neulich ganz abgeschafft, seine Internetlekt\u00fcre auf drei Stunden die Woche beschr\u00e4nkt, seine E-Mail-Abfragen auf ein mal t\u00e4glich reduziert und seine Kreditkarten bei mir zum Verschluss hinterlegt. Jetzt Obacht! Dies alles mit der Begr\u00fcndung: \u201eDen Luxus g\u00f6nn ich mir.\u201c Dummes Gesicht meinerseits, verbunden mit der Frage, was denn am Verzicht auf die Segnungen der Moderne luxuri\u00f6s sei. Antwort: \u201eIch bin Herr \u00fcber meine Erreichbarkeit; kann die Themen, \u00fcber die ich nachdenken will, selbst bestimmen; habe den Briefverkehr verlangsamt und damit enorm aufgewertet. Die Nichtbenutzung der Kreditkarten macht mich f\u00fcr Schn\u00fcffler, \u00dcberwacher, Haie, Werbefuzzis fast unsichtbar. Ruhe, Privatheit, Gem\u00e4chlichkeit: Wenn das kein Luxus ist!\u201c<\/p>\n<p>Das liegt drei Wochen zur\u00fcck. Walter geht es gl\u00e4nzend, er f\u00fchlt sich gegen\u00fcber Dauertelefonierern und -surfern privilegiert. Er vermisst nichts, hat mehr Zeit, wirkt in Diskussionen besser durchdacht, bewegt sich mal wieder leibhaftig auf Freiersf\u00fc\u00dfen. Kurzum: Er hat offenbar an Freiheit und Lebensqualit\u00e4t gewonnen. Bleibt das R\u00e4tsel, was seither der Eimer mit den schwabbeligen Farbbeuteln drin unter dem K\u00fcchenfenster seiner Bude soll: \u201eIch warte auf das Stra\u00dfenfotografierauto von Google. Dann gibt\u2019s n\u00e4mlich \u2013 schmei\u00df und platsch \u2013&nbsp; ein Pakerl Rotso\u00dfe auf die Linse.\u201c Walter hat in nur drei Wochen ein richtig feines Gesp\u00fcr f\u00fcr echte Luxusgen\u00fcsse entwickelt.<\/p>\n<p>So, jetzt im Ernst gesprochen. Zur Sache Koblenzer Seilbahn \u2013 und zu deren von einigen Zeitgenossen dringlich gew\u00fcnschten Verwandlung in eine Dauereinrichtung nach der Bundesgartenschau. Der designierte Oberb\u00fcrgermeister h\u00e4lt eine Diskussion darum f\u00fcr verfr\u00fcht. Was auf der Hand liegt, denn wer wollte das lichte Buga-Fest mit giftigem Lokaldisput \u00fcber das Nachher verschatten. Unter der Hand indes lassen sich diverse Bef\u00fcrworter einer Dauer-Seilbahn durch Hofmann-G\u00f6ttigs Mahnung nicht davon abhalten, mit den Hufen zu scharren. Denn: Der Hochseil-Bus vom Eck auf den Ehrenbreitstein k\u00f6nnte \u00fcber Jahrzehnte eine geldwerte Touristenattraktion sein. Nur m\u00fcsste daf\u00fcr die g\u00fcltige Beschlusslage nebst Vereinbarung mit der UNESCO gekippt werden, wonach die Bahn nach dreij\u00e4hrigem Betrieb zu demontieren ist.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte beizeiten einen Gedanken in die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter unvermeidliche Debatte werfen: Ihr Leut&#8216;, m\u00fcssen wir denn wirklich alles und jedes unbedingt nach Kriterien wirtschaftlichen Nutzens entscheiden? Interessiert uns an Natur und Heimat, Kultur und Stadt tats\u00e4chlich nur noch deren Vermarktungspotenzial? Gewiss, es ist gut und n\u00f6tig, dass Geld verdient wird. Aber der Mensch lebt nicht vom Geld allein. Welch Ehre k\u00f6nnten die Koblenzer weltweit einlegen, w\u00fcrden sie nach drei Jahren sagen: Jawohl, wir verzichten fortan auf den geldwerten Vorteil der Seilbahn \u2013 aus Liebe zur Unverwechselbarkeit des Rhein-Mosel-Ecks, aus Achtung vor unserem kulturellen (Welt-)Erbe als Wert an sich. Diesen Luxus sollte wir uns einfach g\u00f6nnen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sich die Zeiten \u00e4ndern. Vor ein paar Jahren noch galt als wichtig, wer zur kleinen Gruppe der Handy-Besitzer geh\u00f6rte und auch unterwegs angeklingelt wurde. Sp\u00e4ter griff in derselben Gruppe der Spruch um sich: St\u00e4ndig mit dem Handy muss nur rummachen, wer schlecht organisiert ist. Vorbei, beides! Inzwischen telefonieren alle mit allen, immer, \u00fcberall. 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