{"id":478,"date":"2010-10-25T22:00:00","date_gmt":"2010-10-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2010\/10\/25\/oben-bleiben\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:19","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:19","slug":"oben-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2010\/10\/25\/oben-bleiben\/","title":{"rendered":"Oben bleiben!"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Es gibt Dinge, die man \u00e4ndern kann, und andere, die sind unab\u00e4nderlich. Dass alle Menschen \u00e4lter werden und schlussendlich ins Gras bei\u00dfen, ist unab\u00e4nderlich. Jeder wei\u00df das, und trotzdem unternehmen tagt\u00e4glich Millionen die oft lachhaftesten Anstrengungen, gegen dies Schicksal anzustinken. Sie wollen ururalt werden \u2013 aber bittesch\u00f6n bei bester Gesundheit, properem Aussehen und sprudelnder Libido. Die V\u00f6lker und Kulturen werden sich weiter durchmischen, das ist ebenfalls unab\u00e4nderlich. Man kann nicht Weltm\u00e4rkte schaffen, erdumspannende Kommunikationsfl\u00fcsse und Verkehrsverbindungen einrichten, zugleich aber erwarten, dass die Leute daheim bleiben \u2013 die Teutschen bittesch\u00f6n in Teutschland, die andern anderw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Der Geist ist l\u00e4ngst aus der Flasche. Er war nie wirklich drin: Der evolution\u00e4re Erfolg des Homo sapiens ist seiner F\u00e4higkeit zur Ver\u00e4nderung geschuldet, und keine seiner Kulturen konnte je lange neuen Einfl\u00fcssen widerstehen. \u00dcber das vergebliche Abschottungsbem\u00fchen der Sarrazine und Seehofers h\u00e4tte man am Hofe von Stauferkaiser Friedrich II. nur den Kopf gesch\u00fcttelt: Das Heilige R\u00f6mische Reich Deutscher Nation w\u00e4re weder von Speyer noch von Sizilien aus regierbar gewesen ohne das Miteinander nord- und s\u00fcddeutscher, italienischer und r\u00f6mischer, orientalischer, griechischer, j\u00fcdischer Geister und Kulturen.<\/p>\n<p>\u201eGenug jetzt, Herr Oberlehrer\u201c, grummelt Walter. \u201eStimmt alles, trotzdem geht mir die Totalinvasion durch amerikanische Hamburger-Br\u00e4tereien und Kaffeepanscher auf den Sack. Erst recht kann ich es bald nicht mehr aushalten, an jeder Ecke, selbst im Supermarkt, beim B\u00e4cker, an der Wirtshaustheke oder auf dem Autobahn-Klo per Flimmerkiste ungefragt mit Dumpfbackenwerbung und H\u00fcpfdohlenvideos bestrahlt zu werden.\u201c Aber lieber Freund, das hat doch nichts mit der aktuellen Diskussion um muslimische \u00dcberfremdung des Landes zu tun!<\/p>\n<p>Darauf er: \u201eReligion geht mich nix an. Damit mag es jeder halten, wie er will. Von mir aus kann auch jeder anziehen, was er will: Kopftuch oder Texashut, Kaftan oder Nadelstreifen mit Schlips, Burka oder Halbarschmini. Dummk\u00f6pfe k\u00f6nnen da wie dort drinstecken. Das ist wohl so unab\u00e4nderlich wie die Tatsache, dass unsere Kultur ebenso in Athen und Sparta, K\u00f6nigsberg und Weimar wurzelt wie in Jerusalem und Rom. Ich aber rede von der wirklichen \u00dcberfremdung durch schlechtes Essen und die Dauerbel\u00e4stigung mit lauthalsem Schwachsinn. Das w\u00e4ren nun Dinge, die nicht unab\u00e4nderlich sind.\u201c Sagt&#8217;s, und verabschiedet sich mit der bei den Gegnern eines neuen unterirdischen Bahnhofes in Stuttgart entlehnten Gru\u00dfformel: \u201eOben bleiben!\u201c.<\/p>\n<p>Diesen Slogan versucht Walter jetzt hier daheim zu etablieren. Denn was die Bahn angeht, sind renitente Schwaben und Mittelrheiner quasi nat\u00fcrliche Verb\u00fcndete: F\u00fcr den S21-Wahn w\u00fcrden jene Milliarden unn\u00fctz verpulvert, die man dringlich br\u00e4uchte, um das Rheintal vom L\u00e4rmterror zu entlasten. Aber die Solidarit\u00e4t kommt noch nicht richtig in Gang. Allzu viele Zeitgenossen am Rhein m\u00f6gen kaum glauben, dass die S21-Planungen Humbug sind und v\u00f6llig chaotisch. Dabei sollten gerade Rheinland-Pf\u00e4lzer wissen, wie es bei politisch gewollten Gigantprojekten zugeht. Schlie\u00dflich haben sie den N\u00fcrburgring vor der T\u00fcr. Und Stuttgart 21 ist ein zwanzig mal gr\u00f6\u00dferes, komplizierteres und teureres Vorhaben. Was mag dort erst alles schiefgehen \u2013 wenn in der Eifel schon eine simple Achterbahn nicht in Gang kommt oder bei einer neuen Veranstaltungshalle f\u00fcr etliche Tausend Besucher einfach die Toiletten vergessen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Dinge, die man \u00e4ndern kann, und andere, die sind unab\u00e4nderlich. Dass alle Menschen \u00e4lter werden und schlussendlich ins Gras bei\u00dfen, ist unab\u00e4nderlich. Jeder wei\u00df das, und trotzdem unternehmen tagt\u00e4glich Millionen die oft lachhaftesten Anstrengungen, gegen dies Schicksal anzustinken. Sie wollen ururalt werden \u2013 aber bittesch\u00f6n bei bester Gesundheit, properem Aussehen und sprudelnder Libido. 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