{"id":475,"date":"2011-01-25T23:00:00","date_gmt":"2011-01-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2011\/01\/25\/bin-ich-krank-im-kopf\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:19","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:19","slug":"bin-ich-krank-im-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2011\/01\/25\/bin-ich-krank-im-kopf\/","title":{"rendered":"Bin ich krank im Kopf?"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Der 13. Januar 2011 wird den deutschen Kolumnisten (blo\u00df nicht verwechseln mit Kommunisten!) als historischer Tag erinnerlich bleiben: Dem verehrungsw\u00fcrdigen, allweil gelassenen Kollegen Harald Martenstein (\u201eZeit-Magazin\u201c) war der Kragen geplatzt. Nie hatte er sich bis dahin mit Politik abgeben wollen. Doch bei der Zeitungslekt\u00fcre zum diesmaligen Jahreswechsel f\u00fchrte ihn die Betrachtung angek\u00fcndigter Preis- und Abgabenerh\u00f6hungen zur ultimativen Frage: \u201eBin ich krank im Kopf, oder ist das System krank?\u201c Martenstein kapierte noch, warum die Krankenkassenbeitr\u00e4ge steigen. Dass aber zum steigenden Beitrag obendrein ein Zusatzbeitrag erhoben wird, an dieser Logik verzweifelte der sonst so kluge Kopf. Ebenso daran, dass die Benzinteuerung begr\u00fcndet wurde mit der Einf\u00fchrung einer neuen Benzinsorte, die \u201eGras oder Kuhdung enth\u00e4lt\u201c.<\/p>\n<p>Wie meinte mein Freund Walter nach der \u201eZeit\u201c-Lekt\u00fcre: \u201eEr kann einem leid tun, der Harald. Denn es wird ihm nun gehen wie dir: Erstmal den kleinen Finger ins realpolitische Dornengestr\u00fcpp gesteckt, verf\u00e4ngt er sich gleich heillos darin. Den geplatzten Kragen kriegt er so bald nicht wieder zu.\u201c Tats\u00e4chlich legte Martenstein eine Woche sp\u00e4ter schon ein \u201epolitisches Manifest\u201c mit radikalen Forderungen an Parteien und Regierung nach. Darunter diese: Es soll nicht alles immer komplizierter, schneller, glatter werden. Oder diese: Wenn etwas funktioniert, muss es nicht ge\u00e4ndert werden. Oder diese: \u201eDie Regierung soll mir das Gef\u00fchl geben, dass sie mich f\u00fcr intelligent h\u00e4lt, nicht f\u00fcr dumm.\u201c<\/p>\n<p>Ja, die Verlockung ist gro\u00df, die f\u00fcr querulierlustige Spitzfedern vom haneb\u00fcchenen Politgesch\u00e4ft&nbsp; ausgeht. Da entdeckt die Verkehrspolitik urpl\u00f6tzlich, dass sie \u201eB\u00f6rsengang\u201c jahrelang&nbsp;&nbsp; f\u00e4lschlicherweise&nbsp; f\u00fcr eine schienentaugliche Fortbewegungsart gehalten hatte. Nun soll bei der Deutschen Bahn, angeblich, f\u00fcr viel Geld wieder repariert werden, was \u00fcber Jahrzehnte autoh\u00f6rig und b\u00f6rseng\u00e4ngig an Eisenbahn-Infrastruktur zerdeppert wurde. Ein nicht minder grandioser Stoff f\u00fcr Kolumnisten steckt in der Dioxin-Eierei. Was hat er sich aufgeregt, der Hering aus Hachenburg, der in Mainz den Wirtschaftsminister gibt: Es sei absurd, dass jetzt die Futtermittelindustrie nach staatlichen Vorschriften ruft, wo doch die Industrie in der Pflicht st\u00fcnde, f\u00fcr Ordnung zu sorgen.<\/p>\n<p>Werter Herr Minister: So naiv d\u00fcrfen Weink\u00f6niginnen oder kleine Br\u00fcder sein, aber doch keine gestandenen Sozialdemokraten. W\u00fcrden Letztere ihre Klassiker lesen, sie w\u00fcssten, dass der Glaube an Selbstregulation des Kapitals ein sehr ungesundes Opiat ist. Denn: F\u00fcr ein paar Prozent Extraprofit begeht der Kapitalismus, wenn man ihn l\u00e4sst, jede Sauerei. Dies Faktum beschrieb ein rauscheb\u00e4rtiger Sozi aus Trier schon vor 160 Jahren. Die Betonung liegt auf \u201ewenn man ihn l\u00e4sst\u201c. Ihn nicht zu lassen, dabei steht nun mal prim\u00e4r die Politikerzunft in der Pflicht. Oder m\u00fcssen Wutb\u00fcrger das \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p>Wenn Martenstein sich jetzt Politik vorkn\u00f6pf, kann ich mich ja auf Angenehmes kaprizieren. Aush\u00e4nge eines Koblenzer Ticket-Ladens wecken nostalgische Bed\u00fcrfnisse: Mal wieder live mit Gr\u00f6nemeyer abrocken oder mit Elton John. Wo treten die auf? Veltins-Arena, Esprit-Arena, Lanxessarena, Rhein-Energie-Stadion, Allianz-Arena, Commerzbank-Stadion&#8230; Kenn ich nicht! Will ich nicht! Der \u00f6ffentliche Raum an den Meistbietenden als Werbetr\u00e4ger verh\u00f6kert. Demn\u00e4chst sind Schl\u00f6sser, Theater, Krankenh\u00e4user, Naturschutzgebiete dran. Audi-A8-Gymnasium, Siemens-Basilika, Bertelsmann-Friedhof, das w\u00e4r\u2018s noch. Mir kommt schon wieder die Galle hoch. Bin ich krank, oder ist das System krank?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 13. 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