{"id":4740,"date":"2024-01-29T12:10:00","date_gmt":"2024-01-29T11:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=4740"},"modified":"2024-01-29T14:54:50","modified_gmt":"2024-01-29T13:54:50","slug":"schaut-euch-diese-aktuellen-altvorderen-an-quergedanen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2024\/01\/29\/schaut-euch-diese-aktuellen-altvorderen-an-quergedanen\/","title":{"rendered":"Schaut euch diese aktuellen Altvorderen an (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre>      Monatskolumne Nr. 223, Februar 2024<\/pre>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\"> <a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-875\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a> Doch, ich mag Jubil\u00e4umsjahre. Zeiten, in denen man einstiger Geistesgr\u00f6\u00dfen oder bedeutender K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen anl\u00e4sslich runder Geburts- beziehungsweise Todestage gedenkt. Dann werden viele lange Artikel, ganze B\u00fccher gar \u00fcber die vor 50, 100, 200 oder mehr Jahren Verblichenen geschrieben, Vortr\u00e4ge gehalten, Ausstellungen organisiert, Filmdokus gezeigt, W\u00fcrdigungsfeste gefeiert. Vielleicht treffen sich Fachleute, um bei Symposien in neuer Zeit gewonnene neue Aspekte aus Werk oder Leben des\/der Gefeierten vorzustellen. Kurzum: Oft zu Unrecht vergessene oder zum toten Denkmal verstaubte Gro\u00dfe gewinnen im Jubeljahr wieder Farbe, Lebendigkeit, Aufmerksamkeit, alte und wom\u00f6glich gar neue Bedeutung. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">So h\u00e4tte es 2020 mit Beethoven sein sollen. Damals j\u00e4hrte sich der Geburtstag des Bonner Kindes und baldigen Wahl-Wieners zum 250. Mal. Die Jubil\u00e4umspl\u00e4ne in Deutschland und \u00d6sterreich waren opulent. Die Bundeskunsthalle Bonn hatte Ende 2019 eine grandiose Beethoven-Ausstellung er\u00f6ffnet, sie jedoch bald nach dem Start wieder schlie\u00dfen m\u00fcssen. Weil: Corona ergriff das Zepter \u2013 und zerbr\u00f6selte das so sch\u00f6n gedachte Beethoven-Jahr in digitale Kleinteiligkeit oder Verschiebungen auf sp\u00e4ter, dann noch sp\u00e4ter, schlie\u00dflich auf irgendwann oder nirgendwann. Des armen Ludwig Jubil\u00e4um verlief pandemiebedingt \u00e4hnlich tragisch wie dunnemals zu Lebzeiten Teile seines Daseins.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Solches Schicksal d\u00fcrfte, hoffe ich, den 2024er Jubil\u00e4en erspart bleiben. Im klassischen Kulturumfeld k\u00f6nnten sich die Musikfreunde auf Bruckner als Hauptjubilar kaprizieren, die Literaturliebhaber auf Kafka. In der Bildenden Kunst wird gewiss Caspar David Friedrich mit seinem 250. Geburtstag der \u00dcberflieger. Im Alter von der \u00d6ffentlichkeit kaum noch beachtet und verarmt, gilt der Maler inzwischen als der bedeutendste f\u00fcr die Epoche der Romantik \u2013 und sto\u00dfen seine Gem\u00e4lde gerade in j\u00fcngster Zeit auf enorm gesteigertes Interesse. Warum? Dies vor allem wegen ihrer gef\u00fchligen, melancholischen Darstellung von Gr\u00f6\u00dfe und Gro\u00dfartigkeit der Natur. Denn das packt uns Heutige besonders, spricht unsere Verlust\u00e4ngste an, jetzt, da der menschliche Raubbau diese Natur so sehr gef\u00e4hrdet. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Insofern erweist sich der alte Friedrich als brennend aktuell. Das gilt in noch h\u00f6herem Ma\u00dfe f\u00fcr den nach meinem Daf\u00fcrhalten wichtigsten Jubilar in diesem Jahr und die bedeutendste europ\u00e4ische Geistesgr\u00f6\u00dfe seit Sokrates: Philosoph Immanuel Kant \u2013 ein vor 300. Jahren geborener Stubenhocker, der kaum je aus seinem K\u00f6nigsberg herauskam und doch schon zu Lebzeiten eine internationale Ber\u00fchmtheit war, die das Denken nicht nur ganz Europas von Grund auf durchr\u00fcttelte. Er erkl\u00e4rte die Vernunft zur zwar nicht einzigen, aber doch entscheidenden Gr\u00f6\u00dfe bei der Durchleuchtung von Welt, der befreienden und moralischen Entwicklung des Individuums sowie nicht zuletzt f\u00fcr die w\u00fcnschenswerte Gestaltung von Staat und Gesellschaft. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: large;\">Au weh\u201c, meint Freund Walter, \u201edas gibt \u00c4rger mit der philosophischen Zunft, so brutal wie du den armen Immanuel hier eingekocht und vereinfacht hast.\u201c Mag sein, muss man mit leben. Aber was w\u00e4re f\u00fcr die Menschheit doch gewonnen, w\u00fcrde sie sich wenigstens ein kleines Eckchen selbst von solcher Vereinfachung zu eigen machen: Etwas mehr Vernunft, statt st\u00e4ndig mehr Glaube, Dogma, Vorurteil, Spintisiererei, Wissenschaftsfeindlichkeit, Ignoranz, Herrschsucht, Profitgier. Darauf seufzt der Freund: \u201eTr\u00e4um weiter.\u201c <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumne Nr. 223, Februar 2024 Doch, ich mag Jubil\u00e4umsjahre. Zeiten, in denen man einstiger Geistesgr\u00f6\u00dfen oder bedeutender K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen anl\u00e4sslich runder Geburts- beziehungsweise Todestage gedenkt. Dann werden viele lange Artikel, ganze B\u00fccher gar \u00fcber die vor 50, 100, 200 oder mehr Jahren Verblichenen geschrieben, Vortr\u00e4ge gehalten, Ausstellungen organisiert, Filmdokus gezeigt, W\u00fcrdigungsfeste gefeiert. 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