{"id":471,"date":"2011-04-25T22:00:00","date_gmt":"2011-04-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2011\/04\/25\/bluemelein-blau\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:19","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:19","slug":"bluemelein-blau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2011\/04\/25\/bluemelein-blau\/","title":{"rendered":"Bl\u00fcmelein blau"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>\u201eSchw\u00e4rmen ist jetzt B\u00fcrgerpflicht am Mittelrhein\u201c, kommentiert Freund Walter Eindr\u00fccke von den ersten Tagen der Bundesgartenschau (BUGA) Koblenz. Fassungslos steht er vor dem Ph\u00e4nomen, dass die Hiesigen fast s\u00e4mtlich auf Wolke sieben zu schweben scheinen \u2013 wes\u2018 Partei, Standes oder Alters sie auch seien. Wo ist die Skepsis geblieben? Selbst stadtbekannte Beckmesser s\u00e4useln: \u201eAch, wie sch\u00f6n ist alles geworden\u201c. Dazu klang das Loreley-Lied bei der Er\u00f6ffnung im BUGA-Arrangement wie von Heine\u2018scher Schicksalhaftigkeit befreit und f\u00fcr beschwingte Stunden im Wei\u00dfen R\u00f6ssl notiert.<\/p>\n<p>Mich wundert die allgemeine Enthusiasmierung weniger, denn ich erlebe nun schon die zweite Bundesgartenschau als quasi Einheimischer. 1975 in Mannheim war\u2018s nicht anders. Nach jahrelangem Zeter und Mordio herrschte pl\u00f6tzlich Friede-Freude-Eierkuchen am Rhein-Neckar-Eck. Dem damaligen Primaner kamen seine Monnemer seltsam vor, wenn sie gl\u00fcckselig grienend aus Luisen- und Herzogenriedpark heimkehrten. Sch\u00fclerkreise mutma\u00dften, die Verpflegung dort h\u00e4tten wohl die sonst im benachbarten Heidelberg ans\u00e4ssigen Vertreiber afghanischer Rauchware \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Wie dem auch war. Jedenfalls verfolgten in Mannheim anno 75 selbst vordem verbissene Gartenschaugegner bald mit Stolz geschwellter Brust die verlautbarten Besucherzahlen: Auf mehr als acht (!) Millionen summierten sie sich. Journalisten-Kollegen in Schwerin und Gera&nbsp; schmunzeln jetzt \u00fcber das Koblenzer Begeisterungsph\u00e4nomen: \u201eWar bei unseren Bundesgartenschauen (2009, 2007) \u00e4hnlich. Keine Bange, das legt sich.\u201c&nbsp; Die Leute seien halt stolz, dass ihre kleine Stadt sowas \u00fcberhaupt auf die Beine kriegt. \u201eEntflammter Lokalpatriotismus ist wie Fan-Begeisterung: Bringt Rosarot-Sicht mit kollektivem Wonneeffekt hervor.\u201c<\/p>\n<p>Um nicht missverstanden zu werden: Ich will hier weder den Mittelrheinern die Hochstimmung vermiesen, noch die BUGA selbst madig machen. Ich will nur darauf hinweisen, dass wir allesamt \u2013&nbsp; Autor inklusive \u2013 im Augenblick wohl nicht ganz normal ticken. Was mit Blick auf die Erfahrungen fr\u00fcherer Gartenbaust\u00e4dte als durchaus gew\u00f6hnliches und ungef\u00e4hrliches Symptom gelten darf. Interessanterweise ist nicht die Gestaltung der BUGA selbst Ursache f\u00fcr solche Verr\u00fccktheit. Denn die Begeisterung war schon explodiert, als die Koblenzer Inszenierung noch in den nicht\u00f6ffentlichen Proben steckte. Die Ovationen nach der Premiere best\u00e4tigen nicht zuletzt eigene Erwartungen.<\/p>\n<p>Erlauben Sie, verehrte Leserschaft, folgenden Erkl\u00e4rungsversuch: Die Aussicht auf das so ungewohnte Ereignis am Rhein lie\u00df uns die alten Geister der Romantik zu Kopfe steigen. Angesichts der allf\u00e4lligen Lebenspr\u00e4gung durch kaltes Geldgesch\u00e4ft sind wir gepackt von der Sehnsucht nach der \u201eblauen Blume\u201c. \u201eNicht die Sch\u00e4tze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben; fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn\u2019 ich mich zu erblicken\u201c, schrieb dereinst Novalis. Die Blume, die der Schw\u00e4rmer meinte, ist ein Hirngespinst. Und doch geistert sie durch die Welt als Symbol unausrottbaren Sehnens nach einem Leben in Frieden, Sch\u00f6nheit und Harmonie mit der Natur.<\/p>\n<p>Walter schl\u00e4gt die H\u00e4nde \u00fcberm Kopf zusammen: \u201eDie BUGA l\u00e4sst zehn Divisionen Tulpen nach preu\u00dfischem Exerzierreglement zum Bl\u00fchen antreten. Und das soll neoromantische Humansehnsucht befl\u00fcgeln? Du hast nicht mehr alle Tassen im Schrank!\u201c Sag ich doch.&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSchw\u00e4rmen ist jetzt B\u00fcrgerpflicht am Mittelrhein\u201c, kommentiert Freund Walter Eindr\u00fccke von den ersten Tagen der Bundesgartenschau (BUGA) Koblenz. Fassungslos steht er vor dem Ph\u00e4nomen, dass die Hiesigen fast s\u00e4mtlich auf Wolke sieben zu schweben scheinen \u2013 wes\u2018 Partei, Standes oder Alters sie auch seien. Wo ist die Skepsis geblieben? 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