{"id":467,"date":"2011-08-25T22:00:00","date_gmt":"2011-08-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2011\/08\/25\/die-pilzjagd-ist-eroeffnet\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:19","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:19","slug":"die-pilzjagd-ist-eroeffnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2011\/08\/25\/die-pilzjagd-ist-eroeffnet\/","title":{"rendered":"Die (Pilz)Jagd ist er\u00f6ffnet"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Treue Leser dieser Kolumne wissen: Bett und Schreibtisch des Autors stehen im d\u00f6rflich-westerw\u00e4ldischen Vorfeld von Koblenz. Dort pflegt er den Tag fr\u00fchmorgens mit einem anderthalbst\u00fcndigen Marsch durch den nahen Wald zu beginnen. Was so vom Arbeitstag vorne abgeht, ist hinten dranzuh\u00e4ngen \u2013 denn die Arbeitszeit zwecks Lebensfreude einfach zu verk\u00fcrzen, w\u00fcrde der Kapitalismus selbst dem \u201eFreischaffenden\u201c nicht straflos durchgehen lassen.<\/p>\n<p>\u201eDurch die W\u00e4lder kann man noch gehen, als geh\u00f6rten sie niemand\u201c, meint Martin Walser in seinem j\u00fcngsten Roman. Dieser Satz beschreibt mein Morgenempfinden trefflich. Zu diesem Freiheitsgef\u00fchl gesellt sich in dem von mir genutzten Waldst\u00fcck das Gl\u00fcck, dort w\u00e4hrend der zehn Monate von November bis August kaum je einem Menschen zu begegnen. Touristiktrommler faseln von \u201eunber\u00fchrter Natur\u201c. Was Quatsch ist, weil auch diesen Wald Jahrhunderte forstlicher Bewirtschaftung geformt haben. Aber die Marketingfuzzis w\u00fcrden zu gerne \u201ediese Oase der Ruhe\u201c mit ausw\u00e4rtigen Ruhesuchern fluten.<\/p>\n<p>F\u00fcr September und Oktober ist ihnen das bereits gelungen. Wie? Vor einigen Jahren hat&nbsp; irgendein Depp in ein Wanderbuch hineingeschrieben, dass just dieses Waldst\u00fcck ein \u201cEldorado f\u00fcr Steinpilz-Sammler\u201c sei. Das ist ma\u00dflos \u00fcbertrieben! Schon vor 30 Jahren war es selbst f\u00fcr einen, der die versteckten Pilzstellen hier kannte, meist recht m\u00fchsam, eine richtige Steinpilzmahlzeit f\u00fcr drei Personen zu ersammeln. Dennoch hat jenes Geschreibsel dazu gef\u00fchrt, dass nun jedes Jahr acht Herbstwochen lang in allen Waldwegen Autos von \u00fcberall her stehen.<\/p>\n<p>Has\u2018, Reh, Wildschwein und meine Wenigkeit werden dann allweil von durchs Geb\u00fcsch brechenden zweibeinigen Pilzschn\u00fcfflern erschreckt. Etliche sichtlich frustriert: Sie hatten dem gedruckten Wort geglaubt und auf leichte reiche Beute gehofft. Nun stehen sie mit nur ein paar drittklassigen Schwammerln im riesigen Korb betr\u00f6ppelt vor einem und gieren nach Auskunft, wo denn hier das versprochene Steinpilz-Paradies zu finden sei. Nicht erfreut, aber stets freundlich, gebe ich Auskunft.<\/p>\n<p>\u201eLiebe Leser, hier spricht Walter. Ich muss das mal pr\u00e4zisieren, das mit der Freundlichkeit unseres Waldschrats gegen\u00fcber Pilzsuchern von ausw\u00e4rts. Weil er ein ach so gutm\u00fctiger Mensch ist, gibt er in der Tat freundlichst Antwort \u2013 und schickt die Fragesteller auf stundenlange Wanderschaft in eine Richtung, wo vielleicht der Pfeffer w\u00e4chst, aber nie und nimmer auch nur ein einziger Steinpilz.\u201c Muss ich zugeben, stimmt. Es ist aber auch gar zu arg, welche Massaker viele dieser Banausen an den Pilzpopulationen ver\u00fcben, so sie welche finden. Da wird rausgerissen, leerger\u00e4umt und noch das winzigste Pilzbaby abgeschnippelt. Das h\u00e4lt auf Dauer kein Bestand durch.<\/p>\n<p>Wenn die Herrschaften wenigsten nahe der Fundstellen ihre Pilze putzen w\u00fcrden. Im Wald tragen die Abf\u00e4lle zur Bestandspflege bei, daheim im M\u00fclleimer nutzen sie gar nichts. Lieber Walter: Du willst die Fischfangfabriken aus den Meeren und die Agrarindustrie von den \u00c4ckern jagen. Recht so. Aber was tun mit netten Mitmenschen, die sich sogar etwas Naturliebe erhalten haben, aber bei der Jagd nach Pilzen unbedacht doch zu Vandalen werden? Meine sanfte Wegweisung schenkt ihnen eine sch\u00f6ne Lebenserfahrung, resultierend aus einer herrlichen Waldwanderung mitsamt einzigartigen Ausblicken auf die bodennahe Fauna und Flora.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Treue Leser dieser Kolumne wissen: Bett und Schreibtisch des Autors stehen im d\u00f6rflich-westerw\u00e4ldischen Vorfeld von Koblenz. 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