{"id":463,"date":"2011-12-25T23:00:00","date_gmt":"2011-12-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2011\/12\/25\/athen-am-mitterlrhein\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:18","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:18","slug":"athen-am-mitterlrhein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2011\/12\/25\/athen-am-mitterlrhein\/","title":{"rendered":"Athen am Mitterlrhein"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Einen launigen Jahresr\u00fcckblick wollte ich schreiben. Aber Freund Walter meint: \u201eLass es. Davon wird man nur seekrank. Und wer will schon Galle spuckend ins neue Jahr starten.\u201c&nbsp; Hat mich \u00fcberzeugt. Sein Nachsatz indes macht ratlos: \u201eVerbreite ein bisschen Optimismus!\u201c Woher, zur H\u00f6lle, soll ich Optimismus nehmen? Man kriegt doch schon von den zeittypischen Kleinigkeiten das Grausen: Taucht da Graf Gutti wieder auf, ungel\u00e4utert \u2013 als Internetberater der EU-Kommission. Der Bock wird G\u00e4rtner. Geht\u2018s noch?<\/p>\n<p>Das ist, als w\u00fcrde Koblenz einen Banker beauftragen, den Stadthaushalt nach verzichtbaren Ausgaben zu durchforschen. Der Banker t\u00e4te, was er immer tut: Rentabilit\u00e4t pr\u00fcfen. Was n\u00fctzt Koblenz \u00f6konomisch, und was ist \u00fcberfl\u00fcssig? Er w\u00fcrde sich unweigerlich an der Budgetposition \u201eStadttheater\u201c festbei\u00dfen. Denn f\u00fcr einen Finanzler ist so ein Theater rechnerisch das r\u00f6teste aller roten T\u00fccher sozialstaatlicher Unrentabilit\u00e4t: Zu nichts gut als der Begl\u00fcckung einer Minderheit, aber \u00fcberlebensf\u00e4hig nur am Staatstropf. Sein Schluss w\u00e4re: Die Kommune soll das Ding zusperren oder es als Sparmasse Zug um Zug ausschlachten.<\/p>\n<p>Auf so Ideen kommt, wer eine Stadt mitsamt Bewohnern prim\u00e4r als Wirtschaftsfaktor begreift. Solche Denkart legte den Griechen nahe, ihre Antikenst\u00e4tten zu verkaufen. Auf dass Disney oder Alltours aus der Akropolis einen knuffigen Erlebnispark machen. Das k\u00f6nnte auch eine Idee f\u00fcrs Deutsche Eck sein: Ein Scheich \u00fcbernimmt den Kram, setzt ins Deutschherrenhaus ein schickes Spa-Hotel mit Verbindungsgang zum Kaiserdenkmal, in das eine Saunalandschaft nebst Bar eingebaut wird. Walter kichert: \u201eWarum sind die H\u00f6rnis von der freikapitalen Schrumpfpartei noch nicht darauf gekommen? Das w\u00e4re mal eine Abwechslung zum ewig wiedergek\u00e4uten Vorschlag, das Theaterballett abzuschaffen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eZum Donnerwetter: Die Lage ist zu ernst f\u00fcr Witzeleien!\u201c Ruft nicht Walter, sondern k\u00f6nnte der Koblenzer Oberb\u00fcrgermeister fluchen \u2013&nbsp; weil er eben verk\u00fcnden musste, was an dieser Stelle schon vor Jahresfrist zu lesen war: Nach der BUGA wird die Stadt sehr lange kein Geld f\u00fcr nix mehr haben. Bei Hofmann-G\u00f6ttig hei\u00dft das \u201eKonsolidierungpause\u201c. Dass an ihr kein Weg vorbeif\u00fchrt, daf\u00fcr kann der arme Kerl wenig. Die halbe Milliarde Stadtschulden sind ihm als Erbschaft zwischen die F\u00fc\u00dfe gefallen. \u201eAu Backe, so viel Miese in einer so kleinen Stadt. Griechische Verh\u00e4ltnisse am Rhein\u201c, brummt Walter. Na ja, ist alles relativ, Land und Bund&nbsp; haben erheblich mehr Schulden auf jeden B\u00fcrgerkopf geh\u00e4uft. \u201eAlso griechische Verh\u00e4ltnisse in Germanien.\u201c<\/p>\n<p>Dann bricht aus dem Freund der Zorn heraus \u00fcber \u201eWeltstadt-All\u00fcren und Gro\u00dfmannssucht: Zweiter Innenstadtbahnhof gleich neben dem ersten \u2013&nbsp; \u00fcberfl\u00fcssig; nagelneue Rhein-Mosel-Halle \u2013 \u00fcberfl\u00fcssig. Schlachtschiff-Bebauung des Zentralplatzes nebst Luxus-Sanierung von L\u00f6hr- und Schlossstra\u00dfe \u2013 absurd. Vorher schon&nbsp; sauteure, daf\u00fcr potth\u00e4ssliche Zubetonierung von Bahnhofsplatz und M\u00fcnzplatz \u2013 bekloppt. Man tat, als sei Geld bei all dem das kleinste Problem. War es aber nicht. Jetzt m\u00fcssen f\u00fcr die ungedeckte Wachstums-Protzerei Kultur- und Sozialeinrichtungen die Zeche zahlen. Nicht zuletzt das Dreispartentheater, das gut 200 Jahre (2012 sind&#8217;s genau 225) ebenso unstrittig zum b\u00fcrgerlichen Koblenz geh\u00f6rte wie die Akropolis \u00fcber 2500 Jahre zum Athener Volkseigentum. Eine Schei\u00dflogik, das!\u201c Er hat recht. Denkt euch was anderes aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen launigen Jahresr\u00fcckblick wollte ich schreiben. Aber Freund Walter meint: \u201eLass es. Davon wird man nur seekrank. Und wer will schon Galle spuckend ins neue Jahr starten.\u201c&nbsp; Hat mich \u00fcberzeugt. Sein Nachsatz indes macht ratlos: \u201eVerbreite ein bisschen Optimismus!\u201c Woher, zur H\u00f6lle, soll ich Optimismus nehmen? 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