{"id":459,"date":"2012-04-25T22:00:00","date_gmt":"2012-04-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2012\/04\/25\/aus-dem-naehkaestchen\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:18","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:18","slug":"aus-dem-naehkaestchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2012\/04\/25\/aus-dem-naehkaestchen\/","title":{"rendered":"Aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>\u201eWas treibt ihr eigentlich auf all den Pressekonferenzen?\u201c Freund Walter ist keineswegs der erste, der sich daf\u00fcr interessiert. Viele haben das schon gefragt \u2013&nbsp; j\u00fcngst vermehrt auch ich mich selbst. Grund: Manche Pressekonferenz (PK genannt) erinnert neuerdings mehr an Verkaufsveranstaltung oder Gesellschaftsempfang. Insbesondere, wenn es um \u201eweiche Themen\u201c geht; etwa um Kulturfestivals in der heimatlichen Region.<\/p>\n<p>\u00c4ltere Journalisten-Kollegen erinnern sich: Diesbez\u00fcgliche PKs waren vor 15 Jahren noch kleine Arbeitsrunden in schmucklosen Konferenzr\u00e4umen. Auf dem Tisch &#8217;ne Thermoskanne Kaffee, mit etwas Gl\u00fcck noch ein paar belegte Br\u00f6tchen. Drei bis f\u00fcnf \u00f6rtliche Journalisten sa\u00dfen ein oder zwei&nbsp; Auskunftgebern gegen\u00fcber. Letztere sagten, was sie sagen wollten. Erstere verlangten hernach genauere Infos \u00fcber Finanzen,&nbsp; k\u00fcnstlerische Konzeptionen, Perspektiven etc.; bisweilen ging es&nbsp; kontrovers zu. Nach einer Stunde trennte man sich in geb\u00fchrend distanzierter Freundlichkeit.<\/p>\n<p>Seit kurzem machen sich PK-Sitten breit, die zumindest bei alten Schlachtr\u00f6ssern des Regio-Feuilletons die Frage aufwerfen: Was sollen wir da noch? Die Presse wird in herausgeputzten Repr\u00e4sentationsr\u00e4umen versammelt; es wird Wein kredenzt, manchmal gibt es v\u00fcrnehm zu essen; nicht selten spielt eine Combo auf. Schmucke Werbefilme und Power-Point-Pr\u00e4sentationen krauchen \u00fcber die W\u00e4nde, Redner im Dutzend deklamieren das aus Werbebrosch\u00fcren und missratenen Presseerkl\u00e4rungen vertraute Jubilate: \u201eWir pr\u00e4sentieren Weltklasse, wir sind die Sch\u00f6nsten, Besten und \u00fcberhaupt einzigartig.\u201c Das dank neuer Kleinmedien inzwischen auf acht Kollegen angewachsene lokale Pressekorps sieht sich nunmehr von ganzen Scharen gewichtiger Herrschaften umzingelt.<\/p>\n<p>Nichts gegen ein H\u00e4ppchen anbei \u2013 auch unsereins muss essen. Aber f\u00fcr Ringelpietz und Schaulaufen sind PKs per se der falsche Ort. Dennoch lassen Veranstalter ihre Kooperationspartner und Sponsoren nebst B\u00fcrgermeistern, Landr\u00e4ten, Staatssekret\u00e4ren e tutti quanti aufmarschieren. Dies wohl in der irrigen Annahme: Je gr\u00f6\u00dfer und \u201eprominenter\u201c das Aufgebot, umso opulenter die Berichterstattung. Leider haben viele der Honoratioren zur eigentlichen Sache eher wenig beizutragen. Weshalb sie sich in Variationen jenes langweiligen Geklingels ergehen, das ein passables Programm in h\u00fcbscher Umgebung schier als globales Nonplusultra der Erlebniskultur anpreist.<\/p>\n<p>Lustig ist die Selbstverst\u00e4ndlichkeit, mit der sie von Journalisten erwarten, derartigen Unsinn in alle Welt zu posaunen. Weniger lustig ist, dass einige Kollegen dem wie selbstverst\u00e4ndlich&nbsp; nachkommen. Gar nicht lustig ist, dass der Erkenntniswert solcher \u201ePKs\u201c umso geringer wird, je gr\u00f6\u00dfer der Popanz. Den Weihrauch weggepustet, bleibt als publizistisch brauchbare Substanz manchmal blo\u00df ein Notizzettel mit Besetzungen, Terminen, Orten f\u00fcr diverse Veranstaltungen.<\/p>\n<p>Da tritt ein im allf\u00e4lligen Marketingdenken weit verbreiterter Irrtum zutage, wonach Werbung und Information dasselbe seien. Diesen Irrtum brachte neulich die \u201ePressemitteilung\u201c eines Kulturunternehmers an hiesige Redaktionen naiv auf den Punkt. Da hie\u00df es: \u201eDiese Veranstaltung ist ausverkauft, Sie brauchen nicht mehr daf\u00fcr zu werben.\u201c Wer jetzt nicht laut lacht oder bitterlich weint, sollte nochmal im Sozialkundebuch \u00fcber die Aufgaben des Journalismus in der Demokratie nachlesen. Von \u201ewerben\u201c steht da nix.&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 17.\/18. Woche April\/Mai 2012)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWas treibt ihr eigentlich auf all den Pressekonferenzen?\u201c Freund Walter ist keineswegs der erste, der sich daf\u00fcr interessiert. Viele haben das schon gefragt \u2013&nbsp; j\u00fcngst vermehrt auch ich mich selbst. Grund: Manche Pressekonferenz (PK genannt) erinnert neuerdings mehr an Verkaufsveranstaltung oder Gesellschaftsempfang. 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