{"id":458,"date":"2012-05-25T22:00:00","date_gmt":"2012-05-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2012\/05\/25\/die-kunst-des-geblubbers\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:18","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:18","slug":"die-kunst-des-geblubbers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2012\/05\/25\/die-kunst-des-geblubbers\/","title":{"rendered":"Die Kunst des Geblubbers"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Kompetent, f\u00fchrungsstark, \u00fcberzeugend, obendrein authentisch, menschlich, sympathisch: So werden heute Heldenfiguren im Theater namens Politik definiert. Problem: Alle wollen nur derartige Rollen spielen, keiner mag den Verzweifelten, B\u00f6sewicht oder Deppen geben. Ergebnis: S\u00e4mtliche Mitspieler dr\u00e4ngeln an der B\u00fchnenrampe herum, um bella figura zu mimen und sich gegenseitig auszustechen. Im wirklichen Theater w\u00e4re das Publikum davon zu Tode gelangweilt, in der echten Politik \u2013 ist es genauso. Nur merken es die Akteure dort nicht; oder sie merken es, k\u00f6nnen aber nicht aus ihrer Haut.<\/p>\n<p>Politiker sind schlechte Schauspieler. Was niemanden st\u00f6ren w\u00fcrde, lie\u00dfen sie die Finger vom Theater. Tun sie aber nicht, machen stattdessen aus jedem \u00f6ffentlichen Schritt einen \u201eAuftritt\u201c. Weil sie aber die Kunst nicht beherrschen, in inszenierter Darstellung echt zu wirken, bleibt es beim bem\u00fcht k\u00fcnstlichen Mummenschanz. Durchbricht mal einer die Dauerinszenierung, ist das eine Sensation; j\u00fcngst erlebt bei Seehofers zuf\u00e4lligem Postinterview-Geplauder mit ZDF-Kleber. Des Bayern Suada kam als versehentlicher Moment von Echtheit bestens an.<\/p>\n<p>Seitdem t\u00fcfteln Scharen von Parteistrategen an M\u00f6glichkeiten, wie man solche Ausrutscher gezielt konstruieren k\u00f6nnte. Dass es die beste Strategie \u00fcberhaupt w\u00e4re, einfach das inszenierte Sch\u00f6ngetue, Allwissenheitsgehabe und selbstgerechte bis selbstverliebte Standard-Geblubber aus dem Politbetrieb rauszunehmen, auf diese Idee kommen sie nicht. Das Bem\u00fchen, allweil bella figura zu machen, droht Politik in eine Kategorie der Werbung zu verwandeln. Was bedauerlich ist. Denn abseits der \u00d6ffentlichkeit erweisen sich Minister\/innen, Staatssekret\u00e4re\/innen, B\u00fcrgermeister\/innen&nbsp; bisweilen als nachdenkliche, gar an sich zweifelnde und gerade deshalb kluge K\u00f6pfe. Taucht aber eine Kamera auf, werden sie sogleich wieder zu (schlechten) Schauspielern.<\/p>\n<p>Ich frage mich oft: F\u00fcr wie bl\u00f6d m\u00f6gen die uns halten? Glauben die wirklich, wir k\u00f6nnten X nicht von U unterscheiden, gespielte Sorge nicht von echter, Wahltaktik nicht von \u00dcberzeugung oder Eitelkeit nicht von Selbstbewusstsein?&nbsp; Der d\u00fcmmste Fehler, den Politiker machen k\u00f6nnen, ist, das Volk f\u00fcr dumm zu halten. R\u00f6ttgen meinte, die Leute merken nicht, dass ihm vor allem die Karriere am Herzen liegt. Merkel meinte, die Leute merken nicht, dass sie diese Schw\u00e4che eiskalt ausnutzt, um den ihr unliebsamen Gesellen abzuservieren.<\/p>\n<p>Die ganze Politkaste meint, die Leute merken nicht, dass ihre Rezepte gegen die Euro-Krise auch nur Geblubber sind. Griechenland und Co. m\u00fcssten wettbewerbsf\u00e4hig werden und Wachstum generieren, hei\u00dft es. \u201eHa, ha, ha!\u201c, sch\u00fcttet sich Freund Walter aus. \u201eDa w\u00fcrde der Exportriese Deutschland sch\u00f6n bl\u00f6d gucken, wenn ihm auf dem ohnehin \u00fcberf\u00fcllten Weltmarkt auch noch starke Griechen, Italiener, Spanier in die Quere k\u00e4men. Gleich ging hier das Geschrei wieder los, die Deutschen m\u00fcssen noch besser, schneller, billiger arbeiten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWettbewerbsf\u00e4higkeit\u201c ist eben kein Heilmittel, sondern blo\u00df chaotischer Verschiebebahnhof f\u00fcr Krisen. Und wer meint, dieser Braten systemischer Perspektivlosigkeit w\u00e4re nicht zu riechen, der irrt. So wie Netz-Blubberer Zuckerberg irrt, wenn er meint, die Leute w\u00fcrden den B\u00f6rsengang seiner Facebook-Firma dauerhaft willig mit der Zustimmung zur perfiden Totalvermarktung ihrer Privatsph\u00e4re bezahlen.&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>(<em>Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website Woche 22 im Mai\/Juni 2012)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kompetent, f\u00fchrungsstark, \u00fcberzeugend, obendrein authentisch, menschlich, sympathisch: So werden heute Heldenfiguren im Theater namens Politik definiert. Problem: Alle wollen nur derartige Rollen spielen, keiner mag den Verzweifelten, B\u00f6sewicht oder Deppen geben. Ergebnis: S\u00e4mtliche Mitspieler dr\u00e4ngeln an der B\u00fchnenrampe herum, um bella figura zu mimen und sich gegenseitig auszustechen. 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