{"id":4534,"date":"2023-10-29T11:13:00","date_gmt":"2023-10-29T10:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=4534"},"modified":"2023-10-29T16:18:54","modified_gmt":"2023-10-29T15:18:54","slug":"lesetipp-florian-illies-ueber-caspar-david-friedrich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2023\/10\/29\/lesetipp-florian-illies-ueber-caspar-david-friedrich\/","title":{"rendered":"Lesetipp: Florian Illies \u00fcber Caspar David Friedrich"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/caspar-david-friedrich-nebelmeer-jpg-72647-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4533\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/caspar-david-friedrich-nebelmeer-jpg-72647--377x480.jpg\" alt=\"\" width=\"377\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/caspar-david-friedrich-nebelmeer-jpg-72647--377x480.jpg 377w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/caspar-david-friedrich-nebelmeer-jpg-72647--804x1024.jpg 804w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/caspar-david-friedrich-nebelmeer-jpg-72647--768x978.jpg 768w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/caspar-david-friedrich-nebelmeer-jpg-72647--1206x1536.jpg 1206w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/caspar-david-friedrich-nebelmeer-jpg-72647-.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#8222;Ja, Friedrich atmet zeitlebens Natur ein, um sie als Kunst wieder auszuatmen.&#8220;<\/p>\n<p>Dieser trotz eines gewissen Pathos doch treffliche Satz stammt aus einem doppelseitigen Artikel von Florian Illies in der j\u00fcngsten &#8222;Zeit&#8220;-Ausgabe (Nr. 45, 26.10.2023) \u00fcber den Maler Caspar David Friedrich. Der sehr sch\u00f6ne, erhellende, informative Text ist in aller Unbescheidenheit \u00fcberschrieben mit &#8222;Die Erfindung der Sehnsucht&#8220;. Er ist unverkennbar eine Liebeserkl\u00e4rung des Autors an den zu Lebzeiten v\u00f6llig unbedeutenden, nacher ber\u00fchmtesten deutschen Maler des 19. Jahrhunderts &#8211; und zugleich ein Erkl\u00e4rungsversuch, warum dieser vor zweieinhalb Jahrhunderten geborene K\u00fcnstler gerade heute wieder beim Publikum so hoch im Kurs steht.<\/p>\n<p>Illies schreibt u.a.: &#8222;Caspar David Friedrich, 1774 in Greifswald verd\u00fcstert und verloren geboren und 1840 in Dresden verarmt und vergessen gestorben, ist der Maler der Stunde &#8211; gerade weil seine Kunst nicht nur das Herz \u00f6ffnet, sondern darin auch einen stechenende Schmerz ausl\u00f6st \u00fcber das unwiederbringlich Verlorene. Verr\u00fcckterweise bringt er mit dieser gemischten Gef\u00fchlslage das auf den Punkt, was &#8218;Romantik&#8216; urspr\u00fcnglich meinte.&#8220; (&#8230;) &#8222;So kann man k\u00f6rperlich die schmerzhafte Diskrepanz erleben zwischen den zauberhaft stillen Landschaften Friedrichs vom Anfang des 19. Jahrhunderts &#8211; und den verst\u00f6rend lauten, gef\u00e4hrdeten Landschaften im Zeitalter des Klimawandels am Anfang des 21. Jahrhunderts.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Er war ein Nationalist, Fr\u00f6mmler und Kauz&#8220; hei\u00dft es in der Unter\u00fcberschrift des Artikels. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs wird Friedrich zum Vork\u00e4mpfer gegen den Erzfeind Frankreich umgedeutet, die Nazis stilisieren ihn dann zum geistigen Vater einer &#8222;germanischen Kunst&#8220;. Beides h\u00e4lt Illies f\u00fcr ungerechtfertigt. &#8222;Gleichzeitig wird Friedrichs Kunst, und das ist das Wundersame, in den 1930er-Jahren auch von Walt Disney und Samuel Beckett entdeckt; und es ist faszinierend zu sehen, dass jede Zeit und jede Ideologie in ihm etwas anderes erkennt.&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Tage erscheint Illies&#8216; Buch &#8222;Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten&#8220; (S. Fischer). F\u00fcr manchen, mich etwa, mag die Lekt\u00fcre eine gute Vorbereitung auf das Friedrich-Jubeljahr 2024 sein mit seinen avisierten zahlreichen Ausstellungen und erwartbaren Aktivit\u00e4ten. Und wom\u00f6glich erleben bei der Wieder- oder Erstbesch\u00e4ftigung mit diesem K\u00fcnstler viele Zeitgenossen das von Illies in der &#8222;Zeit&#8220; so beschriebene Ph\u00e4nomen: &#8222;Dass diese aus tiefstem christlichen Glauben geschaffenen leuchtenden Himmel heute nicht nur bei jedem Buddhisten und Hinduisten, sonder auch bei jedem Atheisten, der noch Restw\u00e4rme in sich hat, voll anschlussf\u00e4hig sind, geh\u00f6rt zu den herrlichsten Paradoxien von Friedrichs Werk.&#8220;<\/p>\n<p><strong><em>ape<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ja, Friedrich atmet zeitlebens Natur ein, um sie als Kunst wieder auszuatmen.&#8220; Dieser trotz eines gewissen Pathos doch treffliche Satz stammt aus einem doppelseitigen Artikel von Florian Illies in der j\u00fcngsten &#8222;Zeit&#8220;-Ausgabe (Nr. 45, 26.10.2023) \u00fcber den Maler Caspar David Friedrich. 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