{"id":453,"date":"2012-10-24T22:00:00","date_gmt":"2012-10-24T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2012\/10\/24\/wer-ist-denn-da-meschugge\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:17","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:17","slug":"wer-ist-denn-da-meschugge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2012\/10\/24\/wer-ist-denn-da-meschugge\/","title":{"rendered":"Wer ist denn da meschugge?"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>\u201eDer Alte vom Berg grantelt schon wieder, weil das 20. Jahrhundert vorbei ist\u201c: So oder \u00e4hnlich reagierten selbst mir sonst wohlgesonnene Mitmenschen auf die Reserviertheit gegen\u00fcber Smartphones und ihrer penetranten Dauernutzung in der Oktober-Querdenkerei (\u2207 vgl. hier). Liebe Leut&#8216;, muss denn jeder gleich ein weltfremder, gestriger Kauz sein, dem es bei so manchem neumodischen Kram an spontan bedenkenlosem Entz\u00fccken mangelt? Gewiss war fr\u00fcher nicht alles besser. Aber ebenso gilt halt: Nicht alles Neue ist automatisch gut.<\/p>\n<p>Jedes dritte Jahr suche ich im gro\u00dfen Gewerbegebiet n\u00f6rdlich von Koblenz einen Laden auf, um die durchgelatschten Gel\u00e4ndeschuhe durch neue (am liebsten gleichen, bew\u00e4hrten Typs) zu ersetzen. Doch jedesmal wird die Fahrt dorthin m\u00fchseliger, auch gef\u00e4hrlicher. Warum? Erstens: Weil der Verkehr wieder zugenommen hat. Zweitens: Weil zugleich ein Meer von Fahnen, Plakaten, Bannern, Schildern einen derart mit visuellen Reizen \u00fcberflutet, dass man bald nicht mehr wei\u00df, wohin gucken. Verst\u00e4ndliche, aber in der Sache erkennbar kontraproduktive Konsequenz der Gesch\u00e4fte im Ringen um Wahrnehmbarkeit: noch mehr Werbung an noch zahlreicheren, gr\u00f6\u00dferen, h\u00f6heren Stangen, Stellagen, W\u00e4nden und \u2013 j\u00fcngster Trend \u2013 an in den Himmel wachsenden Turmaufbauten.<\/p>\n<p>Das ist nicht nur in jedem Gewerbegebiet so. Es begl\u00fccken inzwischen s\u00e4mtliche St\u00e4dte Besucher mit werblich zuwuchernden Einfallstra\u00dfen und Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen. Der n\u00e4chste Entwicklungsschritt l\u00e4sst sich absehen: Werbefl\u00e4chen, die alle paar Sekunden das Motiv wechseln, und haushohe Bildschirme, deren Flimmerbotschaften rund um die Uhr Fu\u00dfg\u00e4nger und Autofahrer zu Unaufmerksamkeit f\u00fcr die Realit\u00e4t n\u00f6tigen. Jede Wette, dass solches Ged\u00f6hns wirtschaftlicher Unfug ist \u2013 die Verkehrsunfallstatistik noch oben treibt, aber sich auf die Handelsums\u00e4tze kaum auswirkt. Und nun die Frage, liebe Freunde: Muss ich diesen Quatsch gut finden, nur weil er im Trend liegt, sich als normal eingeschlichen hat? F\u00e4llt mir im Traum nicht ein!<\/p>\n<p>Ich bin keineswegs grunds\u00e4tzlich gegen Werbung. Doch will ich weder Stadt und Land darin ersaufen sehen, erst recht nicht von ihr als Bl\u00f6dmann behandelt werden. Wie neulich vom Kabelnetz-Betreiber. Der drohte mit Tamtam \u201eVerbesserung unseres Angebots f\u00fcr Sie\u201c an. Heraus kam eine Neubelegung der Senderpositionen und stundenlanges entnervendes Klimpern auf der Fernbedienung, um den Fernseher wieder halbwegs brauchbar zu machen. Von Verbesserung indes keine Spur. Oder das Versprechen auf M\u00e4nnerparf\u00fcms, die selbst k\u00fchlste Sch\u00f6nheiten sogleich vor Begierde gl\u00fchen lassen. Freund Walter hat die W\u00e4sserchen getestet \u2013 und ging nachher doch alleine, aber erb\u00e4rmlich miefend zu Bette.<\/p>\n<p>Den Vogel abgeschossen hat j\u00fcngst ein werbetextender Spr\u00fccheklopfer anl\u00e4sslich einer Gesch\u00e4ftser\u00f6ffnung in Koblenz: \u201eDas ist kein Einkaufszentrum, das ist DEINE neue Heimat\u201c, betitelte er ein Prospekt.&nbsp; Der Typ h\u00e4lt die Mittelrheiner offenbar f\u00fcr vollkommen meschugge oder inzwischen f\u00fcr derart degeneriert, dass er meint, ihnen ein profanes Kaufhaus als idealen wie ideellen Heimatersatz aufschwatzen zu k\u00f6nnen. Oder aber, und jetzt wird\u2019s bitterernst, dieser Werbetexter geh\u00f6rt einem neuen Menschenschlag an, der sich tats\u00e4chlich erst zwischen Stile-Shops und Food-Court richtig \u201ebeheimatet\u201c f\u00fchlt. Wenn das Fortschritt sein soll, rechne ich mir den Vorwurf \u201egestriger Kauz\u201c als Ehrentitel an.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 43\/44. Woche Oktober\/November 2012)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Alte vom Berg grantelt schon wieder, weil das 20. Jahrhundert vorbei ist\u201c: So oder \u00e4hnlich reagierten selbst mir sonst wohlgesonnene Mitmenschen auf die Reserviertheit gegen\u00fcber Smartphones und ihrer penetranten Dauernutzung in der Oktober-Querdenkerei (\u2207 vgl. hier). 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