{"id":451,"date":"2012-12-22T23:00:00","date_gmt":"2012-12-22T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2012\/12\/22\/gebt-ordentlich-trinkgeld\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:17","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:17","slug":"gebt-ordentlich-trinkgeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2012\/12\/22\/gebt-ordentlich-trinkgeld\/","title":{"rendered":"Gebt ordentlich Trinkgeld!"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Liebe Leser\/innen, haben Sie den dienstbaren Geistern zu Weihnachten eine Anerkennung zukommen lassen? Falls nicht: nachholen! Silvester w\u00e4re passend, aber auch jeder sonstige Tag. Sie haben es verdient, die M\u00fcllwerker, Zeitungsaustr\u00e4ger, Putzkr\u00e4fte, Kinderfrauen, Altenversorger, Paketfahrer e tutti quanti. Ich bin gewiss kein Freund weihnachtlicher Geschenkpflichtorgien, aber das einst selbstverst\u00e4ndliche \u201eTrinkgeld\u201c f\u00fcr die meist hundsmiserabel bezahlten Dienstleistungsarbeiter\/innen bleibt mir ein Anliegen.<\/p>\n<p>Gebt nach Verm\u00f6gen und seid nicht geizig! Den im Keller verstaubten Discounter-Fusel aber k\u00f6nnt Ihr selber saufen und die Pralinen vom vorletzten Jahr ins eigene Maul stopfen. Trinkgeld \u2013 ob in M\u00fcnz-\/Scheinform oder als Naturalie, ob zum Jahresende oder bei jeder Gelegenheit gegeben \u2013 meint Anerkennung, nicht&nbsp; Resteentsorgung. Erst recht meint es nicht Almosen; wom\u00f6glich mit dem Anspruch verbunden, von gef\u00e4lligst katzbuckelndem Personal als Hochwohlgeborenschaft behandelt zu werden. Dienstleister sind keine Diener; selbst im Wirtshaus wird BEdient, nicht GEdient.<\/p>\n<p>Wirtin wie Kellnerin unsrer Stammkneipe sind herzliche und in ihrem Job gestandene Frauen. Freund Walter und ich f\u00fchlen uns da bestens aufgehoben. Aber wehe, es k\u00e4me jemand auf die Idee, die beiden von oben herab abzufertigen: Die Damen w\u00fcrden sofort in selbstbewusster Unmissverst\u00e4ndlichkeit klarmachen, was sich ziemt am republikanischen Mittelrhein. Und das ist gut so, weshalb wir gerne Trinkgeld geben. Sollte reichlich Geistesgetr\u00e4nk uns mal gro\u00dfkotzig \u00fcberspendabel werden lassen, rettet die abrechnende Lady gro\u00dfherzig unsere B\u00f6rsen mit der ern\u00fcchternden Bemerkung: \u201eUnd wovon sollen eure Kinder satt werden?!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu musst das anders erkl\u00e4ren\u201c, unterbricht Walter. Denn es g\u00e4be zu viele Leute, die glauben, einfache Arbeit sei ein absterbendes Randph\u00e4nomen, deshalb zurecht schlecht bezahlt. Zu viele auch, die Geiz f\u00fcr geil halten oder gleich derart verr\u00fcckt sind, dass sie sich in einem abstrusen Etablissement namens \u201ePreis\u201c willkommen f\u00fchlen. \u201eSag ihnen\u201c, so Walter, \u201ewas passiert, w\u00fcrden alle un-\/angelernten Arbeitskr\u00e4fte und Niedrigl\u00f6hner in Deutschland pl\u00f6tzlich ausfallen.\u201c<\/p>\n<p>Also gut. Beispielsweise w\u00e4re die boomende Internet-Kauferei augenblicklich im Arsch, weil in den Umschlagzentren die Packer fehlten und Tausende Fahrer nicht unterwegs zum Kunden w\u00e4ren. Oder: Die Lebensmittel- und Technik-M\u00e4rkte st\u00fcnden ohne Nachschub, Regaleinr\u00e4umer und Kassierinnen da. Just in time gingen der Industrie mangels LKW- und Staplerfahrern die Teile aus; mangels Putzkolonnen w\u00e4ren B\u00fcros, Krankenh\u00e4user, Schulen, \u00c4mter bald unbenutzbar. In den Kneipen g\u00e4b&#8217;s nur noch Selbstbedienung oder gar nix; Museen, Tankstellen, Kantinen, Mc-Fastfoods m\u00fcssten schlie\u00dfen. usw usf<\/p>\n<p>Mit b\u00f6sem Grinsen setzt Walter den Schlussakkord: \u201eNach l\u00e4ngstens zwei Wochen w\u00e4re die ganze deutsche Herrlichkeit v\u00f6llig zusammengebrochen. Soviel zur angeblichen Bedeutungslosigkeit einfacher Arbeit in der Wissensgesellschaft.\u201c Die Moral von der Geschicht? Hey, ihr Unternehmer und Politiker, behandelt und bezahlt all die Malocher endlich anst\u00e4ndig! Ohne sie geht\u2019s nicht. Obendrein sind sie am Ende des Arbeitstages, des Arbeitslebens mit Sicherheit ausgelaugter als ihr. Und f\u00fcr uns alle gilt: Ehret die, deren Arbeit vielleicht unkompliziert sein mag, aber meist eine M\u00fchsal ist und nach wie vor unverzichtbar. Gebt ordentlich Trinkgeld!&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website Woche 51\/52 im Dezember 2012)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser\/innen, haben Sie den dienstbaren Geistern zu Weihnachten eine Anerkennung zukommen lassen? Falls nicht: nachholen! Silvester w\u00e4re passend, aber auch jeder sonstige Tag. Sie haben es verdient, die M\u00fcllwerker, Zeitungsaustr\u00e4ger, Putzkr\u00e4fte, Kinderfrauen, Altenversorger, Paketfahrer e tutti quanti. 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