{"id":4480,"date":"2023-09-29T06:37:00","date_gmt":"2023-09-29T05:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=4480"},"modified":"2023-09-29T08:44:05","modified_gmt":"2023-09-29T07:44:05","slug":"freud-und-leid-der-einsamkeit-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2023\/09\/29\/freud-und-leid-der-einsamkeit-quergedanken\/","title":{"rendered":"Freud und Leid der Einsamkeit (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<pre><strong>         Monatskolumne Nr. 219 Oktober 2023<\/strong><\/pre>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><a href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-875\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"167\" \/><\/a> \u201e<span style=\"font-size: large;\">D\u00fcnnes Eis\u201c, brummt Freund Walter, als er die \u00dcberschrift sieht. \u201eSchon das Wort Einsamkeit ist doch heutzutage negativ besetzt.\u201c Ich wei\u00df, und das hat ja auch Gr\u00fcnde. Dauerhaftes Alleinsein ist f\u00fcr viele Zeitgenossen ein \u00fcbles Schicksal. Denn der Mensch ist als soziales Wesen angelegt. Es war schlie\u00dflich die F\u00e4higkeit zur durchdachten Kooperation, die den Homo sapiens zum Herrscher \u00fcber die Welt werden lie\u00df. Dass er diese Sache nicht zu Ende gedacht hat, Kooperation durch allf\u00e4lligen Wettbewerb ersetzte, und der Planet deshalb mit allem was darauf kreucht und fleucht unter dieser Herrschaft leidet, ist ein tragischer Widersinn. So widersinnig wie der Umstand, dass es ausgerechnet in der modernen Massengesellschaft mehr vereinsamte Leute gibt als je zuvor in der Zivilisationsgeschichte. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Aber ich m\u00f6chte mal \u00fcber die positive Seite von Einsamkeit sprechen. Doch, doch, die gibt es. Nehmen wir, lieber Freund, einfach mal uns beide. Im Grunde sind wir ja zwei Typen recht geselliger Natur. Liebend gern hocken wir im Duo oder mit Freunden im Wirtshaus beziehungsweise an der h\u00e4uslichen Tafel beisammen; schmausend, plaudernd, auch lautstark disputierend oder mal ebenso singend. Und dennoch gibt es Phasen, da denkt ein jeder: Ach, lass mir jetzt meine Ruh\u2019! Ich will nicht wieder die schn\u00f6de Welt rauf- und runterdiskutieren, mag das Pallaver noch so interessant sein. Ich will jetzt auch nicht feiern und ausgelassen sein. Ich will einfach mal mit mir allein sein. Vielleicht nur ein paar Stunden, vielleicht einige Tage, vielleicht sogar die eine oder andere Woche \u2013 selbst ohne Smartphone in der Hand oder PC vor der Nase: Eben auch ganz ohne das unaufh\u00f6rliche Weltgegacker. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Walter und ich kennen das voneinander. Wir respektieren das Bed\u00fcrfnis nach zeitweisem Alleinsein, nach Einsamkeit, ja Weltabgeschiedenheit als v\u00f6llig normal. Es gibt daf\u00fcr ber\u00fchmte Vorbilder. Der alte Goethe etwa. Am liebsten hatte er an seinem Tisch eine muntere G\u00e4steschar versammelt, schenkte allen, vorneweg sich selbst, reichlich Wein ein. Doch zugleich durchstreifte er oft tagelang als einsamer Wanderer die Landschaften. Wie \u00fcberhaupt bei einem betr\u00e4chtlichen Teil der Kunstschaffenden \u00e4lterer Zeit das Bed\u00fcrfnis nach tempor\u00e4rer (vereinzelt auch genereller) Einsamkeit sehr stark wirkte. Was nicht verwundert, war doch individuelle Privatsph\u00e4re bis in die j\u00fcngere Vergangenheit eine nahezu unbekanntes Ph\u00e4nomen. Ob in Steinzeith\u00f6hlen oder -h\u00fctten, ob nachher in Bauernkaten oder Proletariersiedlungen, ja selbst in herrschaftlichen Burgen und Schl\u00f6ssern: Man lebte dicht aufeinander, Momente echten Alleinseins hatten Seltenheitswert. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden Wohnst\u00e4tten zum Ideal, in denen jedes Familienmitglied sein eigenes Zimmer haben sollte. Fast alle tr\u00e4umten davon und strebten danach, leisten k\u00f6nnen es sich bis heute viele nicht. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Immer wieder mal ungest\u00f6rt eine Weile alleine ganz f\u00fcr sich zu sein: Eigentlich d\u00fcrfte man das getrost als eine der positiven Errungenschaften der Neuzeit ansehen. Umso mehr irritiert (mich), dass jetzt Menschen in wachsender Zahl diesen Zustand augenscheinlich f\u00fcrchten. Sie machen per Smartphone ihre Zimmer zu \u00f6ffentlichen Orten, ihre Ausfl\u00fcge in die \u201eEinsamkeit der Natur\u201c zu \u00f6ffentlichen Ereignissen und m\u00f6gen selbst in den intimsten Einsamkeitsmomenten nicht mehr von der Gesellschaft des Weltnetzes abgekoppelt sein. Nun ja. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monatskolumne Nr. 219 Oktober 2023 \u201eD\u00fcnnes Eis\u201c, brummt Freund Walter, als er die \u00dcberschrift sieht. \u201eSchon das Wort Einsamkeit ist doch heutzutage negativ besetzt.\u201c Ich wei\u00df, und das hat ja auch Gr\u00fcnde. Dauerhaftes Alleinsein ist f\u00fcr viele Zeitgenossen ein \u00fcbles Schicksal. Denn der Mensch ist als soziales Wesen angelegt. 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