{"id":445,"date":"2013-05-24T22:00:00","date_gmt":"2013-05-24T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2013\/05\/24\/zum-100-mal-das-hier\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:17","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:17","slug":"zum-100-mal-das-hier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2013\/05\/24\/zum-100-mal-das-hier\/","title":{"rendered":"Zum 100. Mal das hier"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Als neulich noch bittere Winterk\u00e4lte herrschte, schn\u00fcffelte Freund Walter in meinem Archiv herum. F\u00fc\u00dfe am Ofen, auf dem Scho\u00df das Laptop, spuckte er als Ergebnis seiner Recherchen aus: \u201eSchon seit 2005 maltr\u00e4tierst du die Leute jeden Monat mit diesen Quergedanken-Dingern. Die Juni-Folge wird die 100. sein.\u201c Man hat ein Alter erreicht, da bergen solche Z\u00e4hlungen einen gewissen Schrecken: Verdammich, wie die Zeit verfliegt! Mir ist, als w\u00e4re ich eben erst vom festen Redakteursstuhl bei der Rhein-Zeitung aufgestanden, um mich ins freischaffende Journalistenleben zu st\u00fcrzen. Tats\u00e4chlich liegt das schon gut acht Jahre zur\u00fcck. Und der damals allererste Auftraggeber neben dem alten Stammblatt war das\/die \u201eKulturinfo\u201c.<\/p>\n<p>Man darf zum Jubil\u00e4um ja mal in eigener Sache sprechen. Es war ziemlich mutig vom Herausgeber G\u00fcnther Schmitz, einem L\u00e4stermaul wie mir in seinem auf Anzeigen gest\u00fctzten Veranstaltungsmagazin eine vollkommen freie und unabh\u00e4ngige Kolumne zu geben. Nach einem vergleichbaren Format muss man in deutschen Anzeigenbl\u00e4ttern bis heute lange suchen. Und wir waren anfangs alles andere als sicher, ob es auch funktionieren w\u00fcrde. Es hat prima funktioniert. Viele Mittelrheiner m\u00f6gen die regional gef\u00e4rbte Mischung aus augenzwinkerndem Leitartikel und holpernder Satire. Kaum ein Stadtgang, bei dem mir nicht irgendjemand zuruft (oder zufl\u00fcstert): \u201eweiter so\u201c. Gewiss, ein paar Leute bei\u00dfen auch in die Tischkante vor \u00c4rger \u00fcber das, was da geschrieben steht. Doch lesen tun sie&#8217;s jeden Monat wieder. Geht mir genauso \u2013 etwa mit Dieter Nuhr, dem emp\u00f6rungsfreien Sch\u00f6nwetterapostel unter den Kabarettisten. Bei dem, was er sagt, krieg ich bisweilen die Kr\u00e4tze; aber wie er es sagt, das hat was.<\/p>\n<p>Allen wohl und keinem weh: das erg\u00e4be Schlafm\u00fctzigkeit. Weshalb Walter seit Jahren fordert, jede Kommune solle per Gesetz gezwungen werden, einen eigenen Satiriker anzustellen. Der m\u00fcsste&nbsp; arbeitsvertraglich verpflichtet sein, Gro\u00dfm\u00e4chtigen wie Kleinleuten am Ort nach Art von Hildebrandt, Schramm, Priol, Pelzig und Co. regelm\u00e4\u00dfig \u00f6ffentlich die Leviten zu lesen. Was dem Volk insgesamt und seinem nationalen F\u00fchrungspersonal gut tut, k\u00f6nnte den hiesigen Herrschaften ja nicht schaden. Aber ach, was ein Geschrei g\u00e4be es wohl, w\u00fcrde an dieser Stelle nur einmal ein mittelrheinischer Amtstr\u00e4ger nach gleicher Manier eingeseift und abgeb\u00fcrstet wie allweil Deutschlands Granden von den Besten des deutschen Kabaretts.<\/p>\n<p>\u201eDu traust dich ja nicht\u201c, mault Walter. Heh, holla, nicht wenige der 100 Quergedanken-Folgen gehen bis hart an die Grenzen der in der Provinz g\u00fcltigen Benimmkonvention. Und bedenkt man das zwischen den Zeilen Stehende, werden diese Grenzen \u00f6fter sogar \u00fcberschritten. \u201eL\u00fcg dir keinen in die Tasche\u201c f\u00e4hrt der Freund mich an. \u201eDu bist doch immer nur mit halb angezogener Handbremse unterwegs. Harmloser Feuilletonist halt, nicht zubei\u00dfender Kabarettist. Wo man mit dem Dampfhammer zuschlagen m\u00fcsste, stichelst du blo\u00df in klugschei\u00dferischer Vornehmheit mit dem G\u00e4nsekiel herum.\u201c<\/p>\n<p>Das war&#8217;s dann mit der Jubil\u00e4umsfreude. Bleibt mir nur zu sagen: Sorry, aber krachende oder&nbsp; kunstvoll schelmische Pointen, wie gro\u00dfe Satire sie braucht, gibt mein Hirn leider nicht her. Walter verdreht die Augen: \u201eVielleicht kapierst du bis zur 200. Folge, dass es manchmal schon reicht, wenn man freiheraus einfach sagt, was man denkt.\u201c&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 22. Woche im Mai 2013)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als neulich noch bittere Winterk\u00e4lte herrschte, schn\u00fcffelte Freund Walter in meinem Archiv herum. F\u00fc\u00dfe am Ofen, auf dem Scho\u00df das Laptop, spuckte er als Ergebnis seiner Recherchen aus: \u201eSchon seit 2005 maltr\u00e4tierst du die Leute jeden Monat mit diesen Quergedanken-Dingern. 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