{"id":441,"date":"2013-09-27T22:00:00","date_gmt":"2013-09-27T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2013\/09\/27\/wir-im-bindestrich-land\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:16","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:16","slug":"wir-im-bindestrich-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2013\/09\/27\/wir-im-bindestrich-land\/","title":{"rendered":"Wir im Bindestrich-Land"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Alle kauen am Wahlergebnis, da muss ich meinen Senf nicht auch noch dazutun. Deshalb was ganz anderes: Landeskunde. Rief neulich eine Saarbr\u00fccker Redaktion bei mir an: \u201eK\u00f6nnen Sie mal eben nach Kaiserslautern fahren und was recherchieren?\u201c Ach jeh, wie einem Saarl\u00e4nder beibringen, dass mir als Mittelrheiner die Nachbarregionen NRWs und Hessens vertrauter sind als der ferne S\u00fcden des eigenen Bundeslandes? Meine Antwort: \u201eIhr seid mit dem Fahrrad schneller durchs ganze Saarland gestrampelt als ich von Koblenz mit dem Auto je in Kaiserslautern sein k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>So ist das halt in Rheinland-Pfalz: Hier sind die meisten Wege weit. Hin und retour misst die Strecke Koblenz\u2013Kaiserslautern 300 Kilometer, Mainz\u2013 Trier 320,&nbsp; Remagen\u2013Pirmasens 480. Und von Idar-Oberstein nach Betzdorf kann die einfache Autofahrt auch ohne Stau l\u00e4nger dauern als der Flug von Frankfurt nach Kairo. Weshalb seit der k\u00fcnstlichen Zeugung des Bindestrich-Landes 1946 sich neun Ministerpr\u00e4sidenten redlich, aber mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg m\u00fchten, ihrem Landesvolk ein Wir-Gef\u00fchl einzuimpfen.<\/p>\n<p>Wird schon zusammenwachsen, was zusammengeh\u00f6rt, hatten sie wohl gedacht. Fragt sich nur: Geh\u00f6rt wirklich zusammen, was da nach dem Krieg zusammengeschn\u00fcrt wurde \u2013 weil&#8217;s halt franz\u00f6sische Zone war? Na ja, immerhin hatten wir Rheinland-Pf\u00e4lzer schon einmal, unter Napoleon, alle zu Frankreich geh\u00f6rt. Und immerhin waren wir vor 2000 Jahren allesamt r\u00f6misch. \u201eMoment mal!\u201c, t\u00f6nt es von Westerwald und Taunus herab. \u201eWir waren nicht dabei. An uns haben sich die R\u00f6mer die Z\u00e4hne ausgebissen, eigens als Schutz gegen uns den Limes gebaut. Und von den Napoleonischen war nachher heroben auch nicht viel zu sehen.\u201c<\/p>\n<p>In der Tat erz\u00e4hlt sich die Geschichte der rechtsrheinischen H\u00f6hen ganz anders als diejenige des Rheintals und der linksrheinischen Gebiete. Schlimmer noch: Nach Ableben des Imperium Romanum zogen die selten br\u00fcderlich miteinander verkehrenden Erzbisch\u00f6fe von K\u00f6ln, Trier, Mainz Trennlinien zuhauf. Noch schlimmer: Mit dem Wiener Kongress 1815 wurden richtige Staatsgrenzen mitten durchs Land getrieben: F\u00fcr rund 100 Jahre kam die Pfalz zu Bayern, fiel das Rheinland an Preu\u00dfen, ging der M\u00e4\u00e4nzer Puffer dazwischen an die Hessen.<\/p>\n<p>Woher sollte bei so viel Trennendem der Humus f\u00fcr eine gemeinsame Landesidentit\u00e4t kommen? Zumal allein der n\u00f6rdliche Landesteil sich obendrein aus vielerlei Regionalv\u00f6lkchen&nbsp; zusammensetzt. Die sind einander von alters her zwar nicht spinnefeind, aber doch herzlich gleichg\u00fcltig: W\u00e4ller, Nassauer, Hunsr\u00fccker, Eifelaner, Untermoselaner und Moseltrierer, Mittelrheiner, Ahrt\u00e4ler, Siegerl\u00e4nder etc. \u2013 deren Dialekte zudem teils unterschiedlichen Sprachfamilien entstammen. M\u00fcssten die in ihren altvorderen Idiomen miteinander konferieren, es br\u00e4ucht&#8216; bald so viele Dolmetscher wie in Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>Wir in Rheinland-Pfalz: Das ist 66-j\u00e4hrige Gew\u00f6hnung daran, von Mainz aus regiert zu werden. \u00dcberall herrscht stets Misstrauen, ob Landesentscheidungen die Regionen auch in gerechter Ausgewogenheit&nbsp; bedenken. Was jeder Teil f\u00fcr sich sowieso bezweifelt. Ansonsten: Zieht es Rheinland-Pf\u00e4lzer mal zum Urbanen oder Mond\u00e4nen, macht die H\u00e4lfte \u201er\u00fcber\u201c \u2013 Pf\u00e4lzer nach Mannheim, Heidelberg, Baden-Baden; Rheinhessen nach Frankfurt, gar Wiesbaden; Rheinl\u00e4nder nach Bonn, K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf. Denn dort sind wir allemal flotter als in irgendeiner der kleinen Gro\u00dfst\u00e4dte im je anderen Teil unseres k\u00fcnstlichen \u201eHeimatlandes\u201c.&nbsp;<\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 39. Woche im September 2013)&nbsp;<\/em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle kauen am Wahlergebnis, da muss ich meinen Senf nicht auch noch dazutun. Deshalb was ganz anderes: Landeskunde. 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