{"id":4403,"date":"2023-08-02T11:54:00","date_gmt":"2023-08-02T10:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=4403"},"modified":"2023-08-02T13:34:55","modified_gmt":"2023-08-02T12:34:55","slug":"als-mal-verloren-ging-ein-verzaehlche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2023\/08\/02\/als-mal-verloren-ging-ein-verzaehlche\/","title":{"rendered":"Als ich einmal verloren ging (Ein Verz\u00e4hlche aus der Kindheit)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>ape.<\/strong><\/em> Erinnerungen an die eigene fr\u00fche Kindheit (vor Schuleintritt) hat wohl jede und jeder. Oft sind sie vage und meist \u00fcber die Jahrzehnte mehrfach verf\u00e4rbt, ver\u00e4ndert, variiert. Oft auch ist unklar, ob es tats\u00e4chlich eigene Erinnerungen sind oder eher Erinnerungen an von \u00e4lteren Verwandten dutzendfach erz\u00e4hlte Familienanekdoten. Ob so oder so, mir kam heute beim Lesen einer kleinen Meldung in der Fr\u00fchst\u00fcckszeitung \u00fcber einen in Trier kurzzeitig verloren gegangenen Vierj\u00e4hrigen dies Kindheitserlebnis wieder in den Sinn:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klein-Andreas war ein Steppke von vier oder f\u00fcnf Jahren, naseweis und selten brav. Eltern, Schwester und er waren, wie nachher noch h\u00e4ufig, mit einer befreundeten Familie und deren erst zwei, sp\u00e4ter vier S\u00f6hnen, auf \u00d6sterreich-Urlaub. Eine Schlechtwetterphase trieb die ganze Bagage f\u00fcr zwei Tage vom K\u00e4rtner Hinterland in irgendeine (wei\u00df ich nicht mehr) alpenl\u00e4ndische Kleinstadt, die mir dazumal ziemlich gro\u00df vorkam. Stadtbummel. Die M\u00fctter in Schaufensterbetrachtungen vertieft; die V\u00e4ter auf der Suche nach Fotomotiven, Stockschildern und einem einladenden Wirtshaus f\u00fcrs Mittagsmahl. Die Kinder gelaaaangweilt, deshalb auf diesen und jenen Abwegen &#8211; hier um die Ecke, da um die Kurve, dort in eine Einfahrt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und pl\u00f6tzlich waren alle weg. Kein bekanntes Gesicht mehr die belebte Hauptstra\u00dfe rauf und runter. Wo hatte ich die Meinigen zuletzt gesehen? Dort an der Kreuzung. Also schnell dahin. Wahrscheinlich sind sie schon weiter zur n\u00e4chsten Kreuzung &#8211; also im Kinderspurt dorthin. Sicherlich sind sie hier in diese Stra\u00dfe abgebogen &#8211; also hinterher. Doch weiter keine Spur von irgendwem, nur lauter fremde Leute ringsumher. Allm\u00e4hlich wurde die Sache unheimlich. Und erste Tr\u00e4nchen liefen dem nun verloren auf dem Gehsteig stehenden Knirps \u00fcber die Wangen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie es zuging, dass ich bald in der Gendarmerie-Station landete, dar\u00fcber mag oder kann das Ged\u00e4chtnis respektive die Familienerz\u00e4hling keine Auskunft geben. Erinnerlich ist mir das &#8222;Kreuzverh\u00f6r&#8220; durch zwei freundliche Polizisten, die zu ergr\u00fcnden suchten, ob wir in einem Hotel logierten und wenn ja, in welchem. Was aber wei\u00df ein Kindchen von sowas? &#8222;Vor dem Eingang steht ein Brunnen. Aus unserem Fenster raus sieht man einen hohen Berg, da geht eine Seilbahn rauf. Und neben dem Haus ist noch ein gro\u00dfes Holzhaus mit einer Wiese und vielen K\u00fchen. Da l\u00e4uft auch ein Hund rum.&#8220; Eine Internberatung der beiden Uniformierten ergab auf dieser Basis eine Auswahl von vier denkbaren Hotels &#8211; und die sollten nun, gemeinsam mit mir, alle abgefahren werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unversehens wurde dann das heulende Elend zum famosen Abenteuer. Denn das Polizeiauto, mit dem wir uns auf den Weg machten, war ein offener Jeep. Der Steppke durfte auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, wurde wie ein General bei der Parade durch die Stra\u00dfen des St\u00e4dtchens kutschiert, und war darob stolz wie Oskar. Die Fahrt dauerte allerdings nicht lange. Schon nach ein paar Minuten konnte (oder musste) ich rufen: &#8222;Da sind sie!&#8220;. Auf dem Trottoir schlenderten &#8211; die Erwachsenen in bester Laune &#8211; meine ganze Urlaubsippe daher. Gro\u00dfes Staunen, als ich aus dem neben ihnen anhaltenden Polizeijeep stieg. Was mir als gewaltige Operation erschienen war, hatte wohl kaum l\u00e4nger als eine halbe Stunde gedauert &#8211; und niemandem war meine Abwesenheit aufgefallen. Man war davon ausgegangen, dass ich mal wieder missmutig mit etwas Abstand hinterdrein trotten w\u00fcrde. Demonstrativ schlechte Laune haben bei mir unliebsamen Unternehmungen, das konnte ich in jungen Jahren ziemlich gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So entstand schlussendlich auf Basis einiger knapper Polizistens\u00e4tze und der kindlichen Erlebnisnacherz\u00e4hlung eine Anekdote, die sp\u00e4ter und bis heute bei manchem Familienfest f\u00fcr Schmunzeln sorgen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Andreas Pecht <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Erinnerungen an die eigene fr\u00fche Kindheit (vor Schuleintritt) hat wohl jede und jeder. Oft sind sie vage und meist \u00fcber die Jahrzehnte mehrfach verf\u00e4rbt, ver\u00e4ndert, variiert. Oft auch ist unklar, ob es tats\u00e4chlich eigene Erinnerungen sind oder eher Erinnerungen an von \u00e4lteren Verwandten dutzendfach erz\u00e4hlte Familienanekdoten. 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